17. Wie die Nazis das Saarland umbauten

Den Nazis kommt an der Saar manches französisch vor …

Neue Straßennamen sind natürlich obligatorisch, vor allem wenn sie nach Franzosen, bekennenden Demokraten oder ähnlich unbeliebten Personen benannt waren. Über die »Straße des 13. Januar« haben wir ja schon gesprochen (vgl. Folge 12 „Der 13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren“) und Saarbrückens »Rue«, die Bahnhofstraße, wird zur Adolf-Hitler-Straße. Doch dabei lassen es die neuen Machthaber nicht bewenden: Im Saarland werden auch allzu undeutsch klingende Ortschaften umbenannt.

Erfinderische Nazis

Aus »Beaumarais« wird daher ein behelfsmäßig übersetztes »Schönbruch«, aus dem bereits mehrfach umbenannten »Bourg-Dauphin« wieder »Neuforweiler« und als dickster Brocken wird »Saarlouis« in das frei erfundene »Saarlautern« umbenannt. Außerdem werden die französisch-bourbonischen Lilien im Saarlouiser Stadtwappen durch ein Hakenkreuz ersetzt.

Eine germanische Mustersiedlung

Doch das ist noch nicht alles. Auch die saarländischen Dörfer passen nicht so recht ins deutsche Bild. Also werden vollkommen intakte Häuser abgerissen und durch Gebäude in »germanischer« Bauweise ersetzt. Mit dem »Dorf im Warndt« wird gar eine komplette deutsche Mustersiedlung aus dem Boden gestampft.

Dass das »Dorf im Warndt« ein Dorf im Warndt ist, ist dabei kein Zufall: der Warndt ist jener Zipfel im Südwesten des Landes, der an drei Seiten von Frankreich umschlossen ist (also die Vorderhufe des saarländischen Schweinchens) und dessen Bewohner schon öfter ihren Willen, zu Frankreich zu gehören, bekundet haben.

Das Forum
Und hier sehen Sie das Forum (geplant) … (Fühlt sich da jemand an „Die Trabentenstadt“ erinnert?)

Für Saarbrücken, das »Bollwerk an der Grenze«, hat Gauleiter Bürckel Großes vorgesehen: Der neue »Befreiungsplatz« an der Mainzerstraße (dort wo heute die saarländische Lyoner-Industrie ihren Sitz hat) ist eine verkleinerte Variante des Reichsparteitagsgeländes von Nürnberg und erlaubt nicht weniger als 220.000 Menschen Nazi-Aufmärschen u. dgl. beizuwohnen.

Außerdem soll ein mächtiger Forumsplatz neben dem neuen Theater entstehen. Der Bahnhof soll durch einen Klotz mit riesigem Glockenturm ersetzt werden. Die Pläne für Forum und Bahnhof werden allerdings nicht umgesetzt, denn ab 1939 wird die Stadt nicht mehr zur Ruhe kommen …

13 Gedanken zu „17. Wie die Nazis das Saarland umbauten“

  1. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Nazis bei ihren Germanisierungsaktionen das Dorf »Picard« übersehen haben. Leider habe ich keine Informationen zu einer Umbenennung gefunden. Vielleicht weiß ja eine geschätzte Leserin oder ein geschätzter Leser mehr?

    Viele Grüße
    Zippo

  2. Lieber Zippo,

    auch wenn die Antwort reichlich spät erfolgt, so ist sie ja möglicherweise doch noch von Interesse:

    Das Dorf Picard wurde nach dem Betritt von 1935 nur leicht in „Pikard“ umbenannt und schon 1936 in das (bereits in „Saarlautern“ umbenannte) ehemalige Saarlouis eingemeindet.

    Unter Punkt 41 hier nachzulesen:

    _______________

    Pikard (Picard):
    (1927 Saargebiet, Kreis, Amtsgericht und Post Saarlouis;
    1. 4. 1936 eingegliedert in die Stadt Saarlautern)
    479 Einwohner (1925)

    _______________

    http://www.verwaltungsgeschichte.de/saarlouis.html

    Weitere Informationen dazu habe ich leider nicht finden können.

    Freundliche Grüße,
    Der Gärtner.

  3. Hallo!
    Soweit ich weiß, hängt die Namensgebung von Saarlouis in Sarlautern zwar einerseits mit der „germanisierung“zusammen, andererseits erfolgte 1936 der Zusammenschluss der Gemeinde FrauLAUTERN mit SAARlouis. Soweit ich weiß, sollte dann“die neue Stadt einen neuen Namen“ bekommen.

    Vom oben gezeigten „Gauforum“ habe ich schon gelesen. Aber über einen Bahnhofsumbau weiß ich nichts- gibt es dazu irgendwelche Literatur oder Baupläne?

    Zusatzinfo: Dort, wo heute die „Lerchesflur“ steht, sollte eine riesige Jugendherberge entstehen- mit Blick auf die „Spicherer Höhen“- auch ein nicht umgesetztes Bauprojekt.

    Über Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.

  4. Hallo Herr Maus!
    Vielen dank für Ihren Kommentar!
    Eine Zeichnung des geplanten neuen Bahnhofs mit Glockenturm hängt im Historischen Museum Saar in Saarbrücken (Am Schlossplatz).

    Viele Grüße
    Zippo Zimmermann

  5. Hmmmm… da werde ich das nächste Mal mal drauf achten!
    Vielen Dank!

    Übrigens ist mir noch eine „Ortsnamengermanisierung“ eingefallen: Nämlich „Fickingen“ zu „Saarfels“ (was aber wohl nichts mit „eindeutschung“ zu tun hatte :-))

    Auch mein Heimatdorf „Rümmelbach“ (bei Lebach) sollte mit Niedersaubach zusammengelegt und in „Greinhof“ (nach einem nahen Gehöft) umbenannt werden. Es gibt sogar die dazugehörigen Ortsratsbeschlüsse hierzu, warum diese nicht umgesetzt wurden, weiß ich allerdings nicht.

    Und noch eine: die Dörfer Mettnich und Mühlfeld wurden 1936 vereinigt und in „Primstal“ umbenannt (allerdings lagen diese Dörfer schon 1933 im Einflussbereich der Nazis)

    Viele Grüße-
    Thomas Maus

  6. Wenn Saarlouis schon von der Weimarer Republik in Saarlautern umgetauft worden wäre, so wäre dieser Name auch nach 1945 beibehalten worden, es sei denn, die Franzosen hätten wieder den alten Namen durchgesetzt.
    Beweis: Montjoie südlich von Aachen wurde nach dem 1. Weltkrieg als Revanche für den Verlust von Eupen-Malmédy in Monschau umgetauft – und so heisst es noch heute!

  7. Nun ja, natürlich könnte man jetzt viele Fälle von „eindeutschung“ oder „französisierung“ hier aufführen. Zum Beispiel die manchmal total missglückten Umbenennungen französischer Ortsnamen im „Reichsland Elsaß-Lothringen“ (ich verweise nur mit Schaudern auf „Deutsch- Avricourt“- einfallsloser geht es ja wohl nicht!!!) oder auf die umbenennung deutscher Ortsnamen in Lothringen (…troff für …dorf, …viller für …weiler, …ing für …ingen), obwohl man hier den Franzosen zugute halten muss, dass sich die Aussprache der Dörfer fast auf das „patois“- also das „platt“ bezieht. Man stelle sich einmal vor, nach „Saargeminn“ käme „Saarbrigg(e)“- ein Horror für die „aus dem Reich“ 🙂

  8. Bei den Preussen in meiner Heimatstadt Caseloutre (Kaiserslautern) wurde Sarreguemines buchstabengetreu Sarrrrreghéminessss ausgesprochen. Warum Hitler den Ortsnamen EltVILLE beibehielt weiss der Geier. Die Vorsilbe Deutsch- weisst im Prinzip auf die ehemalige oder noch jetzige Deutschsprachigkeit der Gemeinde hin, siehe: Audun-le-Tiche, und ist mit Welsch- eigentlich durchaus tolerierbar…
    In den 50ern und 60ern erinnere ich mich, Pommes Frites mit „Pommes Frites“ oder „Fritz“ bestellt zu haben; heutzutage heissen die in Caseloutre nur noch „Pommessss“ wie im übrigen Reich.
    Montjoie wurde übrigens 1918 noch vom Kaiser selber als sozusagen letzte Amtshandlung eingedeutscht. Schade dass damit nicht bis Hitler gewartet wurde, denn dann hätten wir heute kein „Monschau“!

  9. Dann gäbe es wohl Freudenberg….na dann doch lieber Monschau! 🙂
    Aber kehren wir lieber zu heimischen Gefilden zurück!

  10. In den heimischen Gefilden geht es genau so krank zu wie anderswo. Grenzland IST krank. Schaut Euch mal die kaputten Freaks der Tosa-Klause an! Auf der anderen Seite der Grenze genauso Verrückte, mit etlichen Ausnahmen, wie die Patricia Kaas, ein echtes Kind unserer Gefilde….
    Als ich Kind war, wollte man uns Angst machen mit den Franzosen und karrte uns an die südpfälzer Grenze, wo Nordafrikaner im Turban die Grenze bewachten. Die Saargrenze bei Homburg war die zivilisierter: sogar Saarländer bewachten die!
    Und was haben wir jetzt? Musikatenstadl und Wetterkarte, die genau an der Staatsgrenze aufhören. Deutsche Showkinder, die im Fernsehen zur Melodie des traurigen piafschen „Milord“ einen saublöden saudeutschen Stabreim singen!

  11. Als ich das Lied das Erste mal so verunstaltet hörte, hat sich mir fast der Magen umgedreht!
    Ich schaue mir das Wetter auf ARTE an, da gibts wenigstens keine Staatsgrenze (jedenfalls nicht im chauvinistischen Sinne)

  12. Kann mir jemand erklären, wieso die Türkenstraße in Saarbrücken so heißt? Das Stadtarchiv sagt das wäre „zu Ehren“ einer Türkensteuer geschehen, die im l6. Jahrhundert erhoben wurde und an den Kaiser gezahlt wurde zur Unterstützung im Kampf gegen die Türkenstürme auf Wien. Kommt mir sehr unwahrscheinlich vor, wer erinnert schon an eine Steuer. Türkenstraßen gibt es übrigens auch in Berlin, München, Stuttgart, Ansbach, Unna – diese Städte habe ich im ersten Anlauf gefunden, bei weiterem Suchen kommen sicher noch mehr dazu. Irgendwo habe ich mal gelesen, daß in der Saarbrücker Türkenstraße türk. Kriegsgefangene gelebt hätten die dort zur Zwangsarbeit eingesetzt gewesen wären. Ich weiß aber nicht mehr wo ich das gelesen habe.
    Hat einer eine Idee, wo eventuell geforscht wird über Türken die in früheren Jahrhunderten sich in Mitteleuropa ansiedelten oder angesiedelt wurden? Ist doch ein interessantes Thema, oder?
    Es grüßt eine Ur-Saarbrückerin (Molschder Mädche) das wo in der hessisch Emigration läbt (läwe muß)

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