19. Wie die Saarländer zu den Pfälzern der Lothringer wurden

Lothringens Jugend bekennt sich zu Adolf Hitler
Hitler-Begeisterung der Lothringer Jugend: davon kann Gauleiter Bürckel nur träumen

Nach dem Sieg über Frankreich im Sommer 1940 wird der größte Teil Lothringens an den Gau »Saarpfalz« und damit an Deutschland angeschlossen – wieder ein grandioser Machtzugewinn für Gauleiter Bürckel, der ganz klein als Chef der bäuerlich geprägten Pfalz begann und nun, mit dem Saarland und Lothringen, über eines der wichtigsten Industriegebiete Mitteleuropas herrscht.

 

Ähnlich wie vorher im Saarland werden auch in Lothringen die Verwaltungsstellen und Bürgermeisterposten mit Pfälzern – nun aber zum Teil auch mit Saarländern – besetzt (vgl. Folge 15 »Wie Adolf Hitler für die Erfindung des Pfälzerwitzes sorgte.«). Und klar, dass auch hier die französischen Ortsnamen verschwinden und durch zum Teil freie Erfindungen der Nazis ersetzt werden. Die »Germanisierung« Lothringens macht sogar vor einem Verkaufsverbot von Baskenmützen nicht halt. Offizielle Hauptstadt des, neuerdings »Westmark« genannten, Saar-Pfalz-Lothringen-Gaus wird Saarbrücken. Tatsächlich lenkt Bürckel die Geschicke der Region aber weiterhin von seinem Heimatort, dem pfälzischen Neustadt, aus.

Die meisten Lothringer verweigern demonstrativ die Zusammenarbeit mit den Nazis. Menschen, die vorher nur deutsch gesprochen haben, fangen an Französisch zu parlieren oder sitzen neuerdings über Sprachlehrbüchern. Bei einer Prozession zu Mariä Himmelfahrt legen die Metzer Bürger Blumengebinde in den Farben Frankreichs nieder. Tausende Lothringer verlassen ihre Heimat und suchen in Frankreich ein neues Unterkommen. Und wer noch nicht freiwillig gegangen ist, der wird gegangen: Nicht weniger als 84.000 Lothringer, die entweder französische Muttersprachler sind oder sonst den Nazis nicht in den Kram passen, werden zwangsumgesiedelt. Das Eigentum der Geflüchteten und Deportierten wird beschlagnahmt und deutschen Siedlern zur Verfügung gestellt. Dass das Verhältnis der alteingesessenen Lothringer zu den Neuankömmlingen eher unterkühlt bleibt, ist wenig verwunderlich.

Immer wieder kommt es zu Reibereien zwischen Lothringer und saarländischen Bergleuten, die nach wie vor zusammen in den Gruben arbeiten. Noch zwei Jahre zuvor unterstützten die Lothringer ihre saarländischen Kollegen bei der Grenzgängerrevolte (vgl. Folge 16 » Die Saarländer revoltieren. Aber nur ein bisschen …«). Doch nun sind sie auf ihre saarländischen Nachbarn nicht mehr gut zu sprechen. Die Saar-Bergleute werden beschimpft, teilweise kommt es zu Prügeleien. Das seit Jahrhunderten bestehende nachbarschaftliche Verhältnis ist vergiftet. Die Saarländer werden praktisch zu den Pfälzern der Lothringer …

4 Gedanken zu „19. Wie die Saarländer zu den Pfälzern der Lothringer wurden“

  1. Als Nachkomme jener, die 1921 aus der Ukraine vor den Bolschewisten fliehen mußten und in Deutschland Aufnahme gefunden haben,

    als jemand, der jene wie Heilige verehren soll, die einst (1932/33) 5 – 7 Millionen Landsleute seiner Großeltern ermordeten, weil sie dem sozialistischen Idealbild des „Neuen Menschen“ nicht entsprachen (Holodomor),

    kann ich nur sagen:

    Deutsche wie IHR können mir gestohlen bleiben!

  2. Ich bin zufällig auf Eure Website gestoßen und kann es kaum glauben: ich bin offensichtlich nicht der einzige Sarrois, der an den Sonderweg der Sarre glaubt! Sehr erfrischend und wohltuend anders sind Eure Artikel!!
    Herrlich wie die chauvinistischen Deutschen sich über Eure Artikel ärgern!

    Macht weiter so …continuez. Votre page me redonne un peu de fierté en tant que Sarrois

    Aus dem deutschen Exil. Don Alfredo

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