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	<title>sarrelibre.de &#187; Adolf Hitler</title>
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	<description>Geschichte &#038; Geschichten vom Land dazwischen</description>
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		<title>20. Hermann Röchling: Ehre, wem Ehre nicht gebührt</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Apr 2007 18:01:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Hermann Röchling]]></category>
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		<description><![CDATA[Er schickte Tausende in Sklaverei und Tod. Dennoch wird ihm nach dem Krieg eine einmalige Ehre zuteil &#8230;

Hermann Röchling, wie er sich am liebsten sah: Der nette Großindustrielle von nebenan im Kreise der dankbaren Arbeiterfamilien.
Hermann Röchling, den Chef des Völklinger Stahlwerks, haben wir schon in einer früheren Folge kennen gelernt: Er kämpfte als Kopf der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Er schickte Tausende in Sklaverei und Tod. Dennoch wird ihm nach dem Krieg eine einmalige Ehre zuteil &#8230;</strong><span id="more-114"></span></p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image112" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Hermann-Roechling.jpg" alt="Hermann Röchling" /><br />
Hermann Röchling, wie er sich am liebsten sah: Der nette Großindustrielle von nebenan im Kreise der dankbaren Arbeiterfamilien.</div>
<p>Hermann Röchling, den Chef des Völklinger Stahlwerks, haben wir schon in einer früheren Folge kennen gelernt: Er kämpfte als Kopf der »Deutsch-Saarländischen Volkspartei« für den Anschluss des Saarlandes an das Reich (vgl.: <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-–-nur-nicht-gleich/">»11. Heim ins Reich – Nur nicht gleich!«</a>). </p>
<h3>Tipps für Hitler</h3>
<p>Direkt nach der Wiedervereinigung tritt er in die nationalsozialistische Partei ein und unterstützt als »Wehrwirtschaftsführer« und später »Oberster Beauftragter für Eisen und Stahl in den besetzten Gebieten« Hitler bei seinen Eroberungsfeldzügen. Für beide die ideale Symbiose: Hitler braucht Unmengen von Waffen – Hermann Röchling kann sie ihm verkaufen. Plus: Hitler kann Röchling die – seit dem Anschluss verbaute – Möglichkeit verschaffen, wieder günstig an französisches Eisenerz zu kommen. Röchling gibt Hitler daher Tipps, welche Gebiete mit Eisenerzvorkommen und Stahlindustrie am besten dem Reich anzuschließen seien. Außerdem ermuntert er Hitler, endlich die Sowjetunion zu überfallen. Bereits 1936 drängelt er:</p>
<blockquote><p>»Im Osten steht Russland mit seiner kommunistischen Staatsauffassung und der Gottlosenlehre im schärfsten Gegensatz zum nationalsozialistischen Deutschland, das ihm den Weg zur Weltrevolution versperrt. [...] Es ist nicht zu sehen, worin die  Möglichkeit bestehen sollte, den Entscheidungskampf zwischen Bolschewismus und Nationalsozialismus zu vermeiden.«</p></blockquote>
<h3>Der typisch saarländische Stahl-Patriarch</h3>
<p>Röchlings Ingenieure erfinden fleißig neue Waffen für Hitler. Die betonbrechende »Röchling-Granate« und die von Röchling liebevoll »Fleißiges Lieschen« genannte Langstreckenkanone V3 verbreiten in ganz Europa Terror und Tod. Für seine Untergebenen gibt Hermann Röchling den typisch saarländischen Stahl-Patriarchen, der mit gestrenger Hand gewerkschaftliche oder gar frankophile Umtriebe unterbindet und gleichzeitig mit sozialen Einrichtungen  und günstigen Bau-Krediten seinen Arbeitern ein väterlicher Fürsorger ist.</p>
<h3>Sklaven auf Antrag</h3>
<p>Als während des Krieges in den Stahlwerken Arbeitskräftemangel herrscht, hat Hermann Röchling wieder eine Idee: Kriegsgefangene aus Osteuropa sollen die an der Front befindlichen Stahlarbeiter ersetzen. Zehntausende Arbeitssklaven aus der Sowjetunion und anderen Ländern werden in Güterzügen ins Saarland verfrachtet und schuften in Hütten und Gruben. Doch nicht nur die Industrieanlagen profitierten von der billigen Arbeitskraft: auch saarländische Handwerksbetriebe können auf schriftlichen Antrag einen Sklaven zugeteilt bekommen.</p>
<p>Da sich die Motivation der neuen Arbeiter verständlicherweise in Grenzen hält, lässt Röchling in Köllerbach ein Straflager für »widerspenstige Fremdarbeiter« errichten. Hier werden Arbeiter,  die nicht spuren, schikaniert und misshandelt. Den Tod zahlloser Sklaven nimmt Röchling dabei billigend in Kauf.</p>
<h3>Keine Reue</h3>
<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image115" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/zwei-grosse-maenner.gif" alt="Image-Broschüre" /><br />
In der <del>Propag</del>  &#8230; Informations-Broschüre der Firma Röchling <a href="http://www.roechling.de/_FILES/Publikation/files/370_35_Mitarbeitermagazin_2002.pdf">(PDF der Broschüre)</a> wird Hermann Röchling noch immer als »großer Mann« gepriesen, der bedauerlicherweise »von einem französischen Militärgericht als Kriegsverbrecher angeklagt« wird – nicht etwa, weil er zehntausende versklavt hat, sondern »wegen seiner politischen Nähe zum Hitler-Regime«.</div>
<p> Nach der Besetzung des Saarlandes durch Amerikaner und Franzosen im Jahr 1945 hält es Hermann Röchling für angebracht unterzutauchen. Nach anderthalb Jahren im Untergrund wird er schließlich von den Franzosen aufgestöbert und vor Gericht gestellt. Hermann Röchling bereut im Grunde nichts, höchstens dass man vielleicht hie und da ein wenig über die Stränge geschlagen habe. Er  wird wegen »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. </p>
<p>Hiermit könnte die traurige Geschichte von Hermann Röchling zu Ende sein. Ist sie aber nicht, denn es kommt noch doller! Die Verurteilung Röchlings führt zu einer erstaunlichen Reaktion aus dem Saarland: 111 Pensionäre der Völklinger Hütte bieten sich an, die Strafe nacheinander für »ihren« Papa Röchling zu verbüßen (was juristisch gesehen natürlich völliger Unfug ist). Auch die saarländische Regierung setzt sich für eine Freilassung ein. Als schließlich sogar Monsieur Gilbert Grandval (Frankreichs Statthalter im Saarland) zustimmt, kommt Röchling nach nur 5 Jahren Haft frei – allerdings mit der Auflage, das Saarland nie wieder zu betreten. Röchling zieht zu seiner Familie, die das Saarland direkt nach dem Krieg verlassen hatte, nach Mannheim, wo er 1955 im Alter von 82 Jahren entschlummert.</p>
<h3>Die Hermann-Röchling-Höhe</h3>
<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image116" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/hermann-roechling-hoehe-pict1846.jpg" alt="Hermann-Röchling-Höhe" /><br />
Kaum zu glauben, aber wahr: Nach Hermann Röchling wurde gleich eine ganze Ortschaft benannt.</div>
<p>Und immer noch ist die Geschichte nicht zu Ende: Ende 1955 wählen die Saarländer eine prodeutsche Koalition in die Regierung, die im Saarland eine deutschnationale Rolle rückwärts startet. Eine ihrer ersten Amtshandlungen ist es, die Völklinger Hütte der Familie Röchling zurückzugeben. Kurz danach benennt der Völklinger Stadtrat die Siedlung »Bouser Höhe« in »Hermann-Röchling-Höhe« um – eine in westlich-demokratischen Staaten ungewöhnliche Ehre.</p>
<p>1994 wird Röchlings inzwischen stillgelegte Hütte von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Noch heute steht das Denkmal des Völklinger Ehrenbürgers Röchling auf der Hermann-Röchling-Höhe – Ehre, wem Ehre nicht gebührt &#8230;</p>
<ul>
<li><a href="http://www.voelklinger-huette.org">Weltkulturerbe Völklinger Hütte</a> </li>
<li><a href="http://www.roechling.de">Röchlings Erben produzieren inzwischen Kunststoff </a></li>
<li><a href="http://www.rbb-online.de/_/kontraste/beitrag_jsp/key=rbb_beitrag_1252087.html">Bleibt ein Kriegsverbrecher der Namenspatron? (Rundfunk Berlin-Brandenburg)</a> </li>
</ul>
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		<title>18. Saarländer raus!</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Feb 2007 22:11:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
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Hitler lässt das Saarland mit lustigen Beton-Höckern dekorieren &#8230;
Die Saarländer stehen Hitlers Plänen im Weg und müssen raus aus dem Saarland &#8230;
Was die Saarländer alles in den ersten 4 Jahren nach dem Anschluss an Deutschland zu ertragen hatten, war noch harmlos im Vergleich zu dem was nun kommen soll: Hitler hat nämlich das Saarland als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image107" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Westwall.jpg" alt="Westwall" /><br />
Hitler lässt das Saarland mit lustigen Beton-Höckern dekorieren &#8230;</div>
<p><strong>Die Saarländer stehen Hitlers Plänen im Weg und müssen raus aus dem Saarland &#8230;</strong><span id="more-109"></span></p>
<p>Was die Saarländer alles in den ersten 4 Jahren nach dem Anschluss an Deutschland zu ertragen hatten, war noch harmlos im Vergleich zu dem was nun kommen soll: Hitler hat nämlich das Saarland als Kampfgebiet für seinen Krieg gegen Frankreich vorgesehen. Zu diesem Zweck wird unter der Bezeichnung »Westwall« das ganze Land mit 4.100 Bunkern, 340 Minenfeldern, 100 km Panzergräben und 60 Kilometer Höckerlinien verunstaltet – von der Festungsbaukunst eines Vauban ist nichts mehr übrig geblieben (vgl. Folge 3 <a href="http://www.sarrelibre.de/34/folge-3-der-sonnenkonig-an-der-saar/">»Der Sonnenkönig an der Saar«</a>). Bauern werden enteignet, Flüsse gestaut oder umgeleitet, Abhänge versteilt. Der <em>Führer</em> schaut persönlich an der Saar vorbei, um die Bauarbeiten zu überwachen. Die monströsen Beton-Gebilde sind zum Teil noch heute zu bewundern.</p>
<h3>Die rote Zone</h3>
<p>Der nächste Schritt ist 1939 die Räumung des Grenzgebiets, der »Roten Zone«. Flächenmäßig ist die Zone zwar nur ein 10 km breiter Streifen, dennoch sind die meisten Saarländer von der Evakuierung betroffen. Das Grenzgebiet ist schließlich mit den Städten Saarbrücken, Dillingen, Völklingen und Saarlouis/»Saarlautern« der am dichtesten besiedelte Teil des Landes. Doch nicht die Sorge um das Wohl und die Gesundheit seiner neuen saarländischen Volksgenossen treibt den <em>Führer</em> um, sondern eher die Angst, so mancher Saarländer könnte Schwierigkeiten haben, in seinem lothringischen Nachbarn,  Kollegen oder Schwager den »Erzfeind« zu sehen.</p>
<h3>Chaotische Szenen</h3>
<p>Am 7. September 1939, dem Tag der Kriegserklärung Großbritanniens und Frankreichs, müssen 300.000 Saarländer ihre Heimat verlassen. In den Städten und Dörfern spielen sich teilweise chaotische Szenen ab: Noch ehe die Männer von der Arbeit heimgekehrt sind, werden die saarländischen Frauen und Kinder schon abtransportiert. Ihr Hab und Gut müssen die Menschen unbeaufsichtigt zurücklassen – ebenso ihre Haustiere. Während dessen schieben sich die diversen Abteilungen der Nazi-Verwaltung die Schuld für die dilettantische Evakuierungsaktion gegenseitig in die Schuhe.</p>
<h3>Saarländer unter Kulturschock</h3>
<p>In Sonderzügen werden die Saarländer ins Innere des Reichs, nach Thüringen, Hessen und Franken, verfrachtet und den dortigen Einwohnern als eher ungebetene Gäste zugeteilt. Die missgestimmten Saarländer stoßen also auf übelgelaunte Gastgeber, die wenig Lust haben die »Saarfranzosen«, »Stockfranzosen« oder das »Zigeunervolk« bei sich zu beherbergen. Teilweise kommt es für die <em>savoir-vivre-</em>gewohnten Saarländer gar zum Kulturschock. So wird etwa aus dem Bezirksamt Ebermannstadt berichtet:</p>
<blockquote><p>»Ein Fehlgriff war es, die evakuierten Volksgenossen aus dem höher kultivierten Saarland in den ärmlichen Dörfern des Fränkischen Jura zu bergen &#8230; Die Bergungsmaßnahmen haben in all diesen Dörfern Unzufriedenheit und Missstimmung ausgelöst, und zwar bei den Saarländern deswegen, weil sie mit der primitiven Unterkunft und der rauen Kost nicht einverstanden sind.«</p></blockquote>
<p>Erst nach 1 Jahr in der Fremde dürfen die Evakuierten wieder in ihre Heimat zurück. Die meisten Saarländer haben Glück und ihre Häuser sind unbeschädigt, ihr Hab und Gut nicht geplündert und ihre Haustiere nicht elendig verendet. Viele Heimkehrer – vor allem aus dem Bliesgau –  stehen jedoch vor den Trümmern ihrer zerstörten Häuser.</p>
<p>Nur wenige ahnen, dass dies nur ein kleiner Vorgeschmack war auf die große Katastrophe, die  noch kommen sollte. Und diejenigen die es ahnen, haben das Land schon lange verlassen &#8230; (vgl. Folge 14 <a href="http://www.sarrelibre.de/90/14-saarlander-auf-der-flucht/">»Saarländer auf der Flucht«</a>)<br />
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		<title>17. Wie die Nazis das Saarland umbauten</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Oct 2006 12:18:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Den Nazis kommt an der Saar manches französisch vor &#8230; 
Neue Straßennamen sind natürlich obligatorisch, vor allem wenn sie nach Franzosen, bekennenden Demokraten oder ähnlich unbeliebten Personen benannt waren. Über die »Straße des 13. Januar« haben wir ja schon gesprochen (vgl. Folge 12 &#8220;Der 13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren&#8221;) und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Den Nazis kommt an der Saar manches französisch vor &#8230;</strong><span id="more-100"></span> </p>
<p>Neue Straßennamen sind natürlich obligatorisch, vor allem wenn sie nach Franzosen, bekennenden Demokraten oder ähnlich unbeliebten Personen benannt waren. Über die »Straße des 13. Januar« haben wir ja schon gesprochen (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">Folge 12 &#8220;Der 13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren&#8221;</a>) und Saarbrückens »Rue«, die Bahnhofstraße, wird zur Adolf-Hitler-Straße. Doch dabei lassen es die neuen Machthaber nicht bewenden: Im Saarland werden auch allzu undeutsch klingende Ortschaften umbenannt.</p>
<h3>Erfinderische Nazis</h3>
<p>Aus »Beaumarais« wird daher ein behelfsmäßig übersetztes »Schönbruch«,  aus dem bereits mehrfach umbenannten »Bourg-Dauphin« wieder »Neuforweiler« und als dickster Brocken wird »Saarlouis« in das frei erfundene »Saarlautern« umbenannt. Außerdem werden die französisch-bourbonischen Lilien im Saarlouiser Stadtwappen durch ein Hakenkreuz ersetzt.</p>
<h3>Eine germanische Mustersiedlung</h3>
<p>Doch das ist noch nicht alles. Auch die saarländischen Dörfer passen nicht so recht ins deutsche Bild. Also werden vollkommen intakte Häuser abgerissen und durch Gebäude in »germanischer« Bauweise ersetzt. Mit dem »Dorf im Warndt« wird gar eine komplette deutsche Mustersiedlung aus dem Boden gestampft. </p>
<p>Dass das »Dorf im Warndt« ein Dorf im Warndt ist, ist dabei kein Zufall: der Warndt ist jener Zipfel im Südwesten des Landes, der an drei Seiten von Frankreich umschlossen ist (also die Vorderhufe des saarländischen Schweinchens) und dessen Bewohner schon öfter ihren Willen, zu Frankreich zu gehören, bekundet haben.</p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image101" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Forum.jpg" alt="Das Forum" /><br />
Und hier sehen Sie das Forum (geplant) &#8230;<br />
(Fühlt sich da jemand an <a href="http://www.amazon.de/Asterix-Geb-Bd-17-Die-Trabantenstadt/dp/3770400178/sr=1-2/qid=1160910927/ref=sr_1_2/303-5018893-9605003?ie=UTF8&#038;s=books/zippozimmermann">&#8220;Die Trabentenstadt&#8221;</a> erinnert?)</div>
<p>Für Saarbrücken, das »Bollwerk an der Grenze«, hat Gauleiter Bürckel Großes vorgesehen: Der neue »Befreiungsplatz« an der Mainzerstraße (dort wo heute die saarländische Lyoner-Industrie ihren Sitz hat) ist eine verkleinerte Variante des Reichsparteitagsgeländes von Nürnberg und erlaubt nicht weniger als 220.000 Menschen Nazi-Aufmärschen u. dgl. beizuwohnen. </p>
<p>Außerdem soll ein mächtiger Forumsplatz neben dem neuen Theater entstehen. Der Bahnhof soll durch einen Klotz mit riesigem Glockenturm ersetzt werden. Die Pläne für Forum und Bahnhof werden allerdings nicht umgesetzt, denn ab 1939 wird die Stadt nicht mehr zur Ruhe kommen &#8230;<br />
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		<title>16. Die Saarländer revoltieren. Aber nur ein bisschen &#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Oct 2006 14:34:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Das süße kleine Saarland wird von der lieben deutschen Mami in den Arm genommen – Schön wär&#8217;s!
Die Saarländer haben was zu meckern. Hitler ist unerwünscht (zumindest in der Schule). Die Grenzgänger revoltieren. Und die Nazis bringen den Closen um (und noch ein paar mehr) &#8230; 
Das Saarland wird in einer Blitzaktion ans Reich angeschlossen. Doch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image96" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/die-saar-kehrt-heim.jpg" alt="Die Saar kehrt heim" /><br />
Das süße kleine Saarland wird von der lieben deutschen Mami in den Arm genommen – Schön wär&#8217;s!</div>
<p><strong>Die Saarländer haben was zu meckern. Hitler ist unerwünscht (zumindest in der Schule). Die Grenzgänger revoltieren. Und die Nazis bringen den Closen um (und noch ein paar mehr) &#8230;</strong> <span id="more-97"></span></p>
<p>Das Saarland wird in einer Blitzaktion ans Reich angeschlossen. Doch nach den Jubelfeiern kommt der große Kater.</p>
<p>Die Franzosen machen beleidigt die Grenze dicht, und die saarländischen Gruben und Hütten sind von einem auf den anderen Tag von ihren Absatzmärkten und Zulieferern abgeschnitten. Die Arbeitslosenzahlen explodieren, die Preise steigen, die Löhne sinken, und die Saarländer sind sauer.  Mancher  Grubenwagen, der aus der Tiefe emporsteigt ist mit Protestparolen verziert: </p>
<blockquote><p>»Deutsch die Saar, immerdar, wär sie doch wieder was sie früher war«</p></blockquote>
<p>(Nebenbei: eine typisch saarländische Form des Protests)</p>
<p>Hinzu kommt, dass im Laufe des Jahres fast alle Juden das Saarland Richtung Frankreich verlassen. Aufgrund der Verträge Deutschlands mit dem Völkerbund (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/90/14-saarlander-auf-der-flucht/">Folge 14</a>) dürfen sie (im Gegensatz zu ihren Leidensgenossen im Reich) ihr Kapital mitnehmen, was der gebeutelten Wirtschaft des Saarlandes einen weiteren Schlag versetzt.  Neuer Lieblingsspruch der Saarländer: </p>
<blockquote><p>»Früher ging’s mir gut, heut geht’s mir besser.<br />
Ich wollt es ging mir wieder gut.«</p></blockquote>
<h3>Don Camillo und Peppone</h3>
<p>Der Versuch, den Einfluss der katholischen Kirche in Schule und Vereinen zurückzudrängen, führt  bei den frommen Saarländern zu Unmut. In vielen Dörfern stehen sich Pfarrer und Ortsgruppenleiter als saarländische Variante von »Don Camillo und Peppone« gegenüber.</p>
<h3>Jesus oder Hitler?</h3>
<p>Im Bergarbeiterdorf Frankenholz eskaliert die Situation: Der bisherige, katholische Schulleiter wird durch den ortsfremden NSDAP-Ortsgruppenleiter Klein ersetzt. Erste Amtshandlung des neuen Mannes: Das Christuskreuz wird durch ein Bild des »Führers« ausgetauscht. Während die Lehrer (bis auf eine Lehrerin) brav mitmachen, sind die Eltern entsetzt ob der gotteslästerlichen Freveltat und wenden sich an Pfarrer Layes. Dieser geißelt in seiner nächsten Sonntagspredigt das schändliche Tun des neuen Schulleiters. Die Eltern schicken daraufhin ihre Kinder nicht mehr zur Schule und fordern in einer Elternversammlung lautstark die Wiederkehr Jesu (an die Klassenzimmerwand). </p>
<p>Klein wendet sich an seine Vorgesetzten und hetzt den Frankenholzern die geheime Staatspolizei (Gestapo) auf den Hals. Auf der Suche nach »Rädelsführern« durchforsten Gestapo-Beamte das Dorf. In stundenlangen Verhören werden 60 Dorfbewohner vernommen. Die streikenden Eltern werden mit 2000 Mark Strafe belegt, die widerspenstige Lehrerin versetzt. </p>
<p>In einer spontanen Protestaktion legen nun die Bergleute der Frankenholzer Grube ihre Arbeit nieder. Doch jetzt schlägt der Nazistaat (für die Saarländer) unerwartet hart zu: 5 Eltern werden verhaftet, 17 Bergleute fristlos entlassen. Der Widerstand ist gebrochen. Die Frankenholzer versichern in einer Erklärung, dass sie treu zum Nationalsozialismus stehen und nur durch ihre religiösen Gefühle etwas verwirrt gewesen seien. Das Hitlerbild bleibt hängen. In anderen Schulen wagen sich die Nazis jedoch nicht mehr, den Jesus an der Wand anzutasten.</p>
<h3>Die Grenzgängerrevolte</h3>
<p>Der absurd unrealistische Umtauschkurs von Franc zu Mark erbost die über 6000  »Grenzgänger«, also diejenigen Saarländer, die in einer französischen Grube arbeiten. Trotz Verbot tauschen die Bergleute ihren Lohn nicht in Deutschland sondern in Frankreich.  Die Grenzposten, die den Auftrag haben, niemanden mit deutscher Währung durchzulassen, werden einfach zu tausenden überrannt. Die Staatsmacht reagiert mit 800 Haftbefehlen, die jedoch gar nicht in die Tat umgesetzt werden können, da überhaupt kein Platz in den Gefängnissen ist. Gleichzeitig wird den Arbeitern eine 30prozentige Ausgleichszahlung versprochen. </p>
<p>Doch damit geben sich die Bergleute nicht zufrieden. Die Kunde vom Protest der Grenzgänger verbreitet sich im ganzen Land. Demonstrationszüge gehen durch die Dörfer, Pfarrer halten Bittgottesdienste ab. Gauleiter Bürckel erhöht die Ausgleichszahlungen auf 50%, nach weiteren Protesten auf 60%. </p>
<p>Doch immer noch kehrt keine Ruhe ein: Nun fordern auch die Pensionäre, die ebenfalls in Franc ausbezahlt werden, Ausgleichszahlungen. Währendessen lassen sich die Bergarbeiter ihren Lohn in Weißbrot einbacken, um die Kontrolleure zu täuschen. </p>
<h3>»Die Nazis hann de Closen umgebrung!«</h3>
<p>Da nicht tausende von Bergarbeitern verhaftet werden können, pickt sich die Gestapo angebliche »Rädelsführer« unter den Bergleuten heraus. Einer davon ist der Lauterbacher Bergmann Andreas Closen. Der stämmige Closen ist dafür bekannt, dass er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält und gerne mal auf den Tisch haut, wenn ihm was nicht passt. Nach 4 Monaten Haft wird Andreas Closen seiner Familie im plombierten Sarg zurückgeschickt: »Todesursache: Lungenembolie«. </p>
<p>Die Familie öffnet trotz strikten Verbotes den Sarg und findet den misshandelten und abgemagerten Körper Closens vor. Wie ein Lauffeuer geht es durch den Ort: »Die Nazis hann de Closen umgebrung!« Die Dorfbewohner und die Bergleute aus nah und fern machen die Beerdigung zur Demonstration gegen die Brutalität des Regimes. Doch die Münder sind verschlossen, der Protest bleibt stumm. Der Terror hat Wirkung gezeigt.</p>
<p>Für die Nazis ist das Saarland also ein einziger Unruheherd. Die Saarländer sind wohl der Ansicht, dass Hitler ihnen, nach ihrem braven Abstimmungsverhalten, etwas mehr schuldet als ein popeliges Theater (das zudem noch die Stadt Saarbrücken zur Hälfte finanzieren musste) (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/93/15-wie-adolf-hitler-fur-die-erfindung-des-pfalzerwitzes-sorgte/">Folge 15</a>). Außerdem haben sie noch keine Bekanntschaft gemacht mit den Terrormethoden der Nazis und treten daher mutiger auf als die bereits eingeschüchterten Menschen im Reich.</p>
<div class="bildrechts" style="width:290px"><img id="image99" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Weinhold.gif" alt="Weinhold" /><br />
Die Weinholds sind nur eine von vielen saarländischen Firmen, die sich billig jüdisches Vermögen abgreifen.</div>
<p>Natürlich gibt es auch jede Menge Saarländer, die vom Anschluss ans Reich profitieren. Vor allem die Fürsprecher des Anschlusses werden mit Karrieren und Posten im neuen Regime belohnt. Der Völklinger Stahlbaron Hermann Röchling (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-%e2%80%93-nur-nicht-gleich/">Folge 11</a>) macht gar Karriere als Hitlers persönlicher Wirtschaftsberater. Viele saarländische Geschäfts- und Privatleute profitieren von den unter Wert abgestoßenen Immobilien der Flüchtlinge.</p>
<h3>Ein allgemeiner Aufstand?</h3>
<p>Vom benachbarten Frankreich aus beobachten die saarländischen Flüchtlinge erfreut die Proteste der Saarländer. Doch die Hoffnung, die Unzufriedenheit würde in einen allgemeinen Aufstand münden, trügt. Den Daheimgebliebenen geht es nicht darum das Regime wegzuputzen, sondern sie möchten einfach ihre vertraute Lebensweise und ihren gewohnten Lebensstandard beibehalten: Kruzifix an der Wand, Geld im Sack <em>unn Haupdsach gudd gess.</em> </p>
<p>Ab 1939 scheinen die Nazis die Lage endlich im Griff zu haben: Kleinere Zugeständnisse, kombiniert mit Terror und Einschüchterung, zeigen ihre Wirkung: Die Saarländer halten von nun an lieber die Klappe. Die wenigen mutigen Menschen, die noch den Mund aufmachen, wie der Saarbrücker Sozialdemokrat Christian Heist, der Sulzbacher Bergmann Matthias Warken, der Dudweiler Bauarbeiter Ludwig Geibig und viele mehr werden ins Konzentrationslager gesteckt oder, wie der Saarbrücker Student Willi Graf, der Malstatter Mechaniker Alois Bach, der Neunkircher Wirt Wilhelm Jung, der Elversberger Heinrich Konrath, der Sulzbacher Rudolf Malter oder der Dillinger Jakob Burger, ermordet.<br />
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		<title>15. Wie Adolf Hitler für die Erfindung des Pfälzerwitzes sorgte.</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Aug 2006 21:02:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hitler bringt den Saarländern ein Geschenk mit und lässt die Pfälzer ins Land. Die Saarländer reagieren auf ihre eigene Weise &#8230;
Für die Dagebliebenen geht alles auf einmal ganz schnell: Bereits am 1. März 1935, wenige Wochen nach Verkündung des Abstimmungsergebnisses (vgl. Folge 12), wird  das Saarland dem Deutschen Reich angeschlossen. Adolf Hitler und die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hitler bringt den Saarländern ein Geschenk mit und lässt die Pfälzer ins Land. Die Saarländer reagieren auf ihre eigene Weise &#8230;</strong><span id="more-93"></span></p>
<p>Für die Dagebliebenen geht alles auf einmal ganz schnell: Bereits am 1. März 1935, wenige Wochen nach Verkündung des Abstimmungsergebnisses (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">Folge 12</a>), wird  das Saarland dem Deutschen Reich angeschlossen. Adolf Hitler und die gesamte Nazi-Führungsriege kommen nach Saarbrücken und lassen sich feiern. </p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image92" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/theater-saar-mini.jpg" alt="Saarbrücker Theater" /><br />
Hitlers Theater beherrscht noch heute das Stadtbild von Saarbrücken. Der 30er-Jahre-Stil ist zwar unverkennbar, erfreulicherweise verzichtete man jedoch auf Elemente faschistischer Monumental-Architektur</div>
<h3>Ein Geschenk des Führers</h3>
<p>Der Führer hat auch ein kleines Geschenk mitgebracht: Er lässt in Saarbrücken, als »Bollwerk der deutschen Kultur in der Westmark«, ein Theater errichten, das »Gautheater Saar-Pfalz«.  Und dieser Name deutet auch schon den nächsten Ärger an: Das Saarland bleibt zwar als Verwaltungseinheit erhalten, wird aber dem Gau Pfalz angeschlossen, und die Saarländer, für die der Anschluss an Deutschland immer gleichgesetzt war mit dem Ende von Fremdherrschaft, sehen sich ein weiteres Mal enttäuscht. </p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image98" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/sb_front-JPG.jpg" alt="Gautheater Saar-Pfalz 1938" /><br />
»Bollwerk der deutschen Kultur in der Westmark«: Das Gau-Theater Saar-Pfalz 1938</div>
<h3>Saarländer vs. Pfälzer</h3>
<p>Die Franzosen räumen ihre Posten in der Verwaltung des Landes und der Gruben und werden eben nicht von Saarländern ersetzt, sondern von – – Pfälzern. Im Saarland gibt es nämlich noch gar keine nationalsozialistische Infrastruktur (schließlich spielte die Nazi-Partei nie eine große Rolle an der Saar) und vielleicht trauen die Nazis den »Saarfranzosen«, trotz des eindeutigen Abstimmungsergebnisses, noch nicht so recht über den Weg. Jedenfalls sehen sich die Saarländer wieder mit neuen Fremdlingen, die ins Land kommen, konfrontiert und reagieren darauf mit einer der bedeutendsten kulturellen Leistungen, die das Land bis heute hervorgebracht hat: der Erfindung des Pfälzerwitzes.</p>
<h3>Witzischkeit kennt keine Grenzen &#8230;</h3>
<p>Ein Witz geht etwa so (behutsam eingedeutscht): </p>
<blockquote><p>»Haschd du schon gehehrt? Die wolle jetzt de Saarbrigger Stadtwald abholze?«<br />
»Ei fürwas das dann?«<br />
»Damit aach jeder Pälzer e Poschde kriet!«</p></blockquote>
<p>Ein anderer geht folgendermaßen (ebenfalls behutsam eingedeutscht): </p>
<blockquote><p>Der Ober: »Darf ich Ihnen einen Pfälzer (Wein) anbieten?«<br />
»Geh fort! Die Pälzer hann ich schon gefress. Dann muss ich se net ach noch trinke!«</p></blockquote>
<p>In jener Zeit wird auch der – freilich für Nicht-Saarländer vollkommen unlustige – Spruch geprägt »Uff die Bääm! Die Pälzer kumme!« (»Auf die Bäume! Die Pfälzer kommen!«)</p>
<p>Der Anschluss an Deutschland bringt schließlich den dritten Schritt zum Land wie wir es heute kennen mit sich: Es heißt nämlich nun ganz offiziell so, wie es schon seit längerem genannt wird und wie wir es hier stets nennen, nämlich »Saarland« (die ersten beiden Schritte waren: 1. Die Festlegung der deutsch-französischen Grenze 1815 [vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/52/folge-7-die-vergesslichen-franzosen/">Folge 7</a>] und 2. Abtrennung von Deutschland 1920  [vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/61/folge-10-ein-land-wird-geboren/">Folge 10</a>]).</p>
<p>Hitlers Theater wird übrigens nach dem Krieg noch eine wichtige Rolle spielen – freilich eine ganz andere als von seinem Erbauer geplant. Doch das soll Thema einer anderen Folge von sarrelibre.de sein  &#8230;<br />
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		<title>13. Die cleveren Nachbarn der Saarländer (Teil 1)</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Jul 2006 05:46:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
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Auch die Luxemburger
lieben’s eher beschaulich &#8230;
Foto: Laurenz Bobke
»Das ging ja einfach!« denkt sich der Führer, als sich die Saarländer nach Volksabstimmung dem Deutschen Reich anschließen (vgl. Folge 12 »Der 13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren«). Und so gibt er persönlich Gauleiter Simon die Anweisung, auch die Luxemburger sollen sich gefälligst freiwillig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts" ><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/luxembourg.jpg" title="Luxembourg"><img id="image86" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/luxembourg.thumbnail.jpg" alt="Luxembourg" /></a><br />
Auch die Luxemburger<br />
lieben’s eher beschaulich &#8230;<br />
<small>Foto: <a href="http://flickr.com/photos/travelphotos/64392864/">Laurenz Bobke</a></small></div>
<p><strong>»Das ging ja einfach!« denkt sich der Führer, als sich die Saarländer nach Volksabstimmung dem Deutschen Reich anschließen (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">Folge 12 »Der 13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren«</a>). Und so gibt er persönlich Gauleiter Simon die Anweisung, auch die Luxemburger sollen sich gefälligst freiwillig Deutschland anschließen &#8230; </strong><span id="more-85"></span></p>
<h3>Einen Tick cleverer &#8230;</h3>
<p>Die Luxemburger, die ein kleines Ländchen nordwestlich des Saarlandes bewohnen, haben mit den Saarländern einiges gemein: Luxemburg liegt an Einwohnerzahl und Fläche in etwa gleichauf mit dem Saarland. Auch hier gibt es eine bedeutende Stahlindustrie. Einst bewohnten Luxemburger und Saarländer zusammen Lotharingien, das »Land dazwischen« (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/22/folge-2-ein-land-dazwischen/">Folge 2 »Ein Land dazwischen«</a>), und beide sprechen die gleiche Sprache, das Moselfränkische (die Saarländer zumindest teilweise). Luxemburg stand ebenso wie das Saarland immer wieder unter dem Einfluss fremder Mächte wie Frankreich oder Preußen, und auch in Luxemburg ließ der Sonnenkönig von seinem Baumeister Vauban eine mächtige Festung errichten (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/34/folge-3-der-sonnenkonig-an-der-saar/">Folge 3 »Der Sonnenkönig an der Saar«</a>). Doch in einem unterscheiden sich die Luxemburger von den Saarländern: Sie sind einen Tick cleverer. Warum, das sehen wir erstmals im Jahr 1941 &#8230;</p>
<h3>»Heim ins Reich« auch für die Luxemburger</h3>
<p>Was bei den Saarländern so gut geklappt hat, versucht Gauleiter Simon nun auch bei den Luxemburgern: er startet nämlich eine Volksbefragung inkl. der dazugehörigen »Heim ins Reich«-Propaganda. In der so genannten »Personenstandsaufnahme« lässt Simon nach »Staatsangehörigkeit«, »Volkszugehörigkeit« und »Muttersprache« fragen. Um den Luxemburgern die »richtige« Antwort etwas zu erleichtern, gibt Simon allerdings nur zwei Wahlmöglichkeiten vor: Deutsch oder Französisch.</p>
<h3>»Drei mal Luxemburgisch!«</h3>
<p>Doch die Luxemburger Widerstandsbewegung macht Simon einen Strich durch die Rechnung: In Flugblatt-Aktionen und Mund-zu-Mund-Propaganda gibt sie die Parole aus »Drei mal Luxemburgisch!«. Und in der Tat, als man mit der Auszählung der Bögen beginnt, zeichnet sich ab, dass 90% der Luxemburger auf alle drei Fragen mit »Luxemburgisch« geantwortet haben. Das Ergebnis der Befragung verschwindet schnellstmöglich in der Schublade. 1942 wird Luxemburg ohne die Zustimmung seiner Einwohner annektiert. Das Hitler-Regime muss sein wahres Gesicht zeigen und die Luxemburger dürfen als Nazi-Gegner in die Geschichte eingehen. Ihre Städte und Dörfer bleiben vom Bombenterror verschont.</p>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge: <a href="http://www.sarrelibre.de/90/14-saarlander-auf-der-flucht/">»Saarländer auf der Flucht«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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		<title>12. Der 13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren</title>
		<link>http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/</link>
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		<pubDate>Mon, 10 Jul 2006 05:18:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
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1935 steht das Saarland vor der Zerreißprobe:
– Anschluss an Deutschland, welches dummerweise [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts" style="width:140px"><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Wahlzettel-19351.jpg" title="Wahlzettel 1935"><img id="image81" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Wahlzettel-19351.thumbnail.jpg" alt="Wahlzettel 1935" /><br />
[Bild vergrößern]</a><br />
Wer die Wahl hat, hat die Qual:<br />
der Abstimmungszettel mit den 3 Möglichkeiten.</div>
<p><strong>Die Augen der Welt sind auf das Saarland gerichtet. Musikalische Argumente werden aufgefahren. Psychoterror und Angst-Fahnen vermiesen die Laune. Und die Saarländer staunen über den  der ersten Blauhelm-Einsatz der Geschichte &#8230;</strong><span id="more-78"></span></p>
<p>1935 steht das Saarland vor der Zerreißprobe:<br />
– Anschluss an Deutschland, welches dummerweise gerade zufällig von einem brutalen Diktator beherrscht wird.<br />
– Oder Weiterbestehen  (»Status quo«) der unbeliebten Völkerbundsherrschaft unter französischem Vorsitz (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-%e2%80%93-nur-nicht-gleich/">Folge 11 »Heim ins Reich – Nur nicht gleich!«</a>).</p>
<p>Hier noch einmal die Argumente der »Einheitsfront«, der Befürworter des Status Quo:</p>
<ol>
<li>Kein innen- und außenpolitischer Propaganda-Erfolg für Hitler durch die Zustimmung der Saarländer.</li>
<li>Keine Ausweitung von Hitlers Unrechtsregimes, das die grundlegendsten Menschen- und Freiheitsrechte mit den Füßen tritt, auf das Saarland.</li>
<li>Keine Legitimation für die weitere Ausdehnung des deutschen Reiches und der damit verbundenen Gefahr eines neuen Weltkrieges.</li>
<li>Das Saarland als freier Brückenkopf, von dem aus der Kampf gegen Hitler organisiert wird (zugegeben: ein wenig illusorisch dieser Wunsch, aber von Max Braun und Co. durchaus ernst gemeint)</li>
<li>Außerdem: Kein Anschluss an ein durch Wirtschaftskrise und Hyperinflation gebeuteltes Deutschland</li>
</ol>
<p>Die »Deutsche Front« (die Befürworter des Anschlusses) halten mit der folgenden Argumentation dagegen:</p>
<ol>
<li>Deutsch ist die Saar</li>
<li>Deutsch immerda</li>
<li>Und deutsch ist unseres Flusses Strand</li>
<li>Und ewig deutsch mein Heimatland</li>
<li>Mein Heimatla&#8230;ha&#8230;hand, mein Heimatland.</li>
</ol>
<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image82" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Fahnen-klein.gif" alt="Fahnenverkauf" /><br />
Saarländische Geschäftsleute erkennen die Zeichen der Zeit und verkaufen die derzeit so angesagten Wink-Elemente.<br />
Das Kaufhaus der Gebrüder Sinn hat offensichtlich sogar eine eigene Fahnen-Abteilung.</p>
<p>Die Sinns haben übrigens ihre ganz eigenen Gründe für den Anschluss zu werben: Sie haben nämlich ein fettes Gerichtsverfahren wegen Schmuggelei am Hals, das von den deutschen Gerichten natürlich nicht weiterverfolgt würde; die saarländisch-deutsche Grenze zu ignorieren gilt im Reich logischerweise nicht als Straf-, sondern als Heldentat &#8230;</p></div>
<p>Die Argumentation der »Deutschen Front« hat den entscheidenden Vorteil, dass sie sich zur Melodie des bei den Saarländern äußert populären Liedes »Glück auf, der Steiger kommt« singen lässt, während die Hymne der Gegenseite, Brechts »Haltet die Saar, Genossen!«, eine griffige <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hookline">Hookline</a> missen lässt (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-%e2%80%93-nur-nicht-gleich/">Folge 11 »Heim ins Reich – Nur nicht gleich!«</a>).</p>
<p>Doch noch ein weiteres Problem plagt die »Status-Quoler«: Der Völkerbund kann den Saarländern keine zweite Abstimmung nach dem Sturz Hitlers garantieren. Auch darüber, ob die Saarländer zukünftig selbst ihre Regierung wählen dürfen, hüllt man sich in der Genfer Völkerbunds-Zentrale in Schweigen.</p>
<h3>Angst-Fahnen und Psychoterror</h3>
<p>Kurz vor der Wahl erreicht der Psychoterror neue Dimensionen: Die Saarbrücker Zeitung fordert alle Saarländer auf, sich durch die Beflaggung ihrer Häuser öffentlich zu Deutschland zu bekennen. Als just an den Häusern von bekannt frankophilen Saarländern die größten Hakenkreuz-Flaggen wehen, kommt das Wort von den »Angst-Fahnen« auf. Gerüchte über »Schwarze Listen«, auf denen die Namen von »Vaterlandsverrätern« notiert sind,  machen die Runde. (Die Hakenkreuzflagge ist übrigens zu jener Zeit noch nicht das Gruselsymbol, das sie heute ist, sondern die offizielle Nationalflagge des Deutschen Reiches.)</p>
<p>Die Wahl-Kommission des Völkerbundes reagiert mit rührend hilflosen Aufforderungen zu mehr Fairness:</p>
<blockquote><p>»Die Propaganda, zu welcher jede Partei berechtigt ist, soll positiv sein, also vor allem die Gründe betonen, die zugunsten des eigenen Standpunktes sprechen, nicht aber darauf hinzielen, die anderen Parteien anzugreifen. Jedenfalls soll es unterlassen werden, die anderen Parteien in verächtlichem Tone zu behandeln und herabzusetzen. Ausdrücke wie &#8216;Landesverräter, Mordbande, Gesindel’ und dergl. können nicht geduldet werden.«</p></blockquote>
<h3>»Blauhelme« an der Saar</h3>
<p><img align="right" id="image84" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/wir-halten-die-saar.gif" alt="Wir halten die Saar" />Die Saar-Regierungskommission fürchtet, nicht mehr Herr der Lage zu werden und bittet den Völkerbund um Truppen-Unterstützung – der erste »Blauhelm«-Einsatz der Geschichte!</p>
<p>Unter dem neugierigen Staunen der Saarländer marschieren im Winter 1934 4000 Soldaten  aus Schweden, Großbritannien, Italien und den Niederlanden mitsamt Panzerfahrzeugen ins Saarland ein. Doch glücklicherweise kommt es nicht zur Konfrontation. Die »Blauhelme« vermeiden jeden Anschein von Besatzern und die Saarländer sind beeindruckt vom korrekten Verhalten der exotischen Fremdlinge: Gegenseitige Einladungen werden ausgesprochen, man veranstaltet »internationale« Fußballturniere.</p>
<p>Am 6. Januar 1935 finden die beiden letzten Großkundgebungen der beiden gegnerischen Parteien im Stadion Kieselhumes (Einheitsfront) und auf dem Sportplatz Wackenberg (Deutsche Front) statt – mit der Rekordbeteiligung von jeweils über 100.000 Teilnehmern. </p>
<h3>Im Brennpunkt der Weltöffentlichkeit</h3>
<p>Das einst beschauliche Saarbrücken ist nicht wiederzuerkennen: hunderte von Journalisten Fotografen, Filmteams aus der ganzen Welt tummeln sich in den Straßen, ergänzt durch patrouillierende Soldaten der internationalen Truppe. Vor dem Café Kiefer versammeln sich Scharen von Saar-Amerikanern auf der Suche nach einer Bleibe. Die Augen der Welt sind auf das Saarland gerichtet.</p>
<h3>»Erstes Gebot: Maul halten!«</h3>
<p><img align="right" id="image83" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/13-januar.gif" alt="13. Januar - Heim ins Reich" />Am Wintersonntag des 13. Januar des Jahres 1935 ist es dann so weit: Der Tag der Abstimmung. Die Saarländer karren alles was saarländisch ist und Beine hat (oder auch nicht) durch den Schneematsch zu den Wahllokalen. Tausende von Exil-Saarländern aus den USA reisen zur Abstimmung an. </p>
<p>Vor den Wahllokalen bilden sich lange Schlangen. Anhänger der deutschen Front halten Schilder hoch: »Erstes Gebot: Maul halten!« Tumulte oder Ausschreitungen könnten nämlich zur Ungültigkeit der Wahl führen. Journalisten und Filmteams wuseln um die Menschenschlangen. Immer wieder leuchten grell die Magnesium-Blitzlichter der Fotografen. Soldaten patrouillieren mit schussbereiten Waffen. Es kommt zu keinerlei Ausschreitungen. Die Wahl verläuft ruhig und geordnet.</p>
<h3>Hitler hört Radio</h3>
<p>Nach der Wahl werden die Urnen aus dem ganzen Land unter militärischer Bewachung in die Saarbrücker Wartburg zur Auszählung gebracht.</p>
<p>Die Verkündigung des Wahlergebnis am Morgen des 15. Januar ist dann wohl das erste politische Ereignis, dessen Ablauf durch die Medien bestimmt wird: Der schwedische Präsident der Wahlkommission darf die Zahlen nämlich erst verkünden, als alle Leitungen für die weltweite Live-Übertragung stehen. Auch Hitler selbst erfährt das Ergebnis erst aus dem Radio: Um Informationslecks auszuschalten wurden alle aus dem Saarland herausführenden Telefonleitungen gekappt. </p>
<p>Und so sieht’s aus:<br />
46.613 Saarländerinnen und Saarländer (8,87%) stimmten für den Beibehalt der Völkerbundsregierung (Status quo), 477.119 (90,73%) stimmten für die Vereinigung mit Deutschland und 2.124 (0,40%) für die Vereinigung mit Frankreich. Wahlbeteiligung: 97,88% (!). Wobei das Ergebnis ein leichtes  Südwest-Nordost-Gefälle hat: In den Städten an der französischen Grenze (Saarlouis und Saarbrücken) ist die Zustimmung für den Status Quo etwas höher, in den ländlichen Gebieten nahe der deutschen Grenze liegt dagegen die Zustimmung für den Anschluss bei nahezu 99%.</p>
<p>Wie auch immer:  Über 90% der Wahlberechtigten haben für Deutschland gestimmt und bereiten damit Hitler einen grandiosen Prestige-Erfolg und Image-Gewinn. Selbst für die glühendsten Nationalisten ist das Ergebnis eine Sensation. Die  Anhänger der »Einheitsfront« sind wie vor den Kopf geschlagen. Max Braun und Johannes Hoffmann sind sich sicher, dass das Ergebnis gefälscht sein muss. Braun verkündet noch am gleichen Tag: »Wir kämpfen weiter!« Ein Journalist im Publikum fragt: »Wieso? Wo? Womit?« </p>
<h3>»Ri, ra, ratsch – weg mit Statuts Quatsch!«</h3>
<p>Derweil kommen die Menschen in den Straßen zu spontanen Jubelfeiern zusammen. Auf dem Lande »beerdigen« Jugendliche mit »Matz Braun« und »Status Quo« beschriftete Strohpuppen und rufen »Ri, ra, ratsch – weg mit Statuts Quatsch!«. Die Regierungskommission teilt Max Braun und Johannes Hoffmann mit, dass sie für deren Sicherheit nicht mehr garantieren könne. </p>
<div class="bildrechts"><img id="image87" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/schild01mittel.jpg" alt="Strasse des 13. Januar" /><br />
Vom Schlachthof zur Polizeikaserne:<br />
Straße des 13. Januar<br />
<small>Foto: <a href="http://www.fragment.de/installationen/strasse_des_13_januar/strasse_des_13_januarhtml/strasse_des_13_januar.html">Mia Unverzagt</a></small></div>
<p>Die Regierung Deutschlands ordnet an, dass in den deutschen Städten »Saarlandstraßen« bzw. »Saarstraßen« zu benennen seien (falls Sie in einer wohnen sollten: jetzt wissen Sie warum sie so heißt). Außerdem werden in den saarländischen Städten je eine »Straße des 13. Januar« und ein »Befreiungsplatz« benannt.<br />
Die Saarbrücker »Straße des 13. Januar« heißt noch heute so. Sie führt vom Schlachthof zur Polizeikaserne.</p>
<p>15 Jahre lang war »Deutsch ist die Saar« praktisch das Credo der Saarländer und »Wir sind unterdrückt und fremdbeherrscht« ihre Selbstdefinition. 15 Jahre lang fieberten sie dem Tag der Abstimmung, dem Tag der Erlösung, entgegen, und den wollten sie sich weder von den Nazis noch den Nazi-Gegnern miesmachen lassen. Psychoterror, Gruppendruck und massive Propaganda-Unterstützung aus dem Reich taten ein übriges. Und dem Wort der Bischöfe zu widersprechen fiel den frommen Saarländern ohnehin nicht ein &#8230;</p>
<div class="bild"><img class="bildlinks" id="image117" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/tablett1935-3.jpg" alt="Tablett" />
<p><small>Tablett der damals in Ensheim ansässigen Gebr. Adt, gefertigt aus gelacktem Pappmaché, mit Hakenkreuz als aufgehende Sonne. Merchandising der frühesten Art &#8230;<br />
(Dank an Paul Glass)</small></p>
</div>
<p>Waren also über 90% der Saarländer Nazis? Sicher nicht. Sicher ist allerdings, dass über 90% der Saarländer ziemlich dumm waren. Das schöne kleine Land gerät so in die Fänge des brutalen Diktators Hitler. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf &#8230;</p>
<p>Am 13. Januar 1945 fliegen britische Bomber den letzten vernichtenden Angriff auf Saarbrücken, während die wenigen Einwohner, die noch in der geräumten Stadt geblieben sind, den zehnten Jahrestag der Abstimmung feiern. Ob sie einen Zusammenhang erkennen &#8230; ?</p>
<ul>
<li><a href="http://members.fortunecity.com/reisenge/SAAR/1935/1935b.htm">Bilder der internationalen Truppen im Saarland 1934 und 1935</a></li>
<li><a href="http://www.fragment.de/index.php?id=319&#038;L=de">Plakataktion der saarländischen Künstlerin Mia Unverzagt zur »Straße des 13. Januar«</a></li>
<li><a href="http://www.bild.t-online.de/BTO/sport/wm2006/aktuell/06/12/ballack-italien-shirt/ballack-italien-t-shirt.html">Anscheinend gibt es neuerdings wieder Flaggen-Pflicht:<br />
»Ganz Deutschland trägt Schwarz-Rot-Gold – außer Ballack«</a></li>
<li><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3935731760/028-7247118-3674911?v=glance&#038;n=299956/zippozimmermann">Buchtipp:<br />
<strong>»Hier spricht die Saar &#8211; Ein Land wird interviewt«</strong>,<br />
Die Volksabstimmung 1935 im Fokus der internationalen Presse.<br />
Drei Reportagen von Theodor Balk, Ilya Ehrenburg, Philippe Soupault,<br />
mit Fotos von Robert Capa</a></li>
</ul>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge: <a href="http://www.sarrelibre.de/85/13-die-cleveren-nachbarn-der-saarlander-teil-1/">»Die cleveren Nachbarn der Saarländer (Teil 1)«</a></em></p>
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		</item>
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		<title>11. Heim ins Reich – Nur nicht gleich!</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jun 2006 05:52:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[13. Januar]]></category>
		<category><![CDATA[1933-1935]]></category>
		<category><![CDATA[Adolf Hitler]]></category>
		<category><![CDATA[Heim ins Reich]]></category>
		<category><![CDATA[Hermann Röchling]]></category>
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		<category><![CDATA[Saar-Abstimmung]]></category>
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		<category><![CDATA[Völkerbund]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitraum]]></category>

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		<description><![CDATA[Oder: Wer kriegt den Schlüssel zur Ludwigskirche?
Hitler kommt  an die Macht. Und die Saarländer sind verwirrt &#8230;

Darf der da &#8230; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160; &#160; &#160; &#160; &#160; &#160; &#160;&#160;&#160;  &#8230; da rein?

Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Kanzler des deutschen Reiches ernannt. Und die Saarländer sind sich auf einmal gar nicht mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Oder: Wer kriegt den Schlüssel zur Ludwigskirche?</h4>
<p><strong>Hitler kommt  an die Macht. Und die Saarländer sind verwirrt &#8230;</strong></p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image75" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/hitler-ludwigskirche.jpg" alt="Hitler in die Ludwigskirche?" /><br />
Darf der da &#8230; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;  &#8230; da rein?</div>
<p><span id="more-70"></span></p>
<p>Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Kanzler des deutschen Reiches ernannt. Und die Saarländer sind sich auf einmal gar nicht mehr so einig. Bis zu diesem Datum war klar, dass man von der Quasi-Kolonialherrschaft Frankreichs die Nase voll hatte und sich bei der anstehenden Volksabstimmung für den Anschluss an Deutschland entscheiden würde. Aber sollen die saarländischen Parteien immer noch für die Rückkehr in ein Deutschland werben, in dem Hitler alle anderen Parteien verboten hat? Sollen die Katholiken den antikatholischen Hitler wählen, die Sozialdemokraten den antisozialdemokratischen, die Liberalen den antiliberalen, die Kommunisten den antikommunistischen Hitler?</p>
<p>Die Antwort lautet: – – Ja. Die saarländischen Parteien halten kurz inne, machen dann aber weiter wie bisher. Die Kommunisten tönen gar völlig hirnfrei: »Zurück zu Deutschland, und wenn’s ins KZ geht!«. Einzig eine Gruppe, die sich unter der Führung des Journalisten Johannes Hoffmann von der katholischen Zentrumspartei abgespalten hat, verkündet eine neue Maxime: Anschluss an Deutschland: Ja – aber nicht sofort, sondern erst wenn Hitler wieder abgesetzt ist und im Reich wieder Demokratie und Freiheit herrschen. Oder kurz: »Heim ins Reich – nur nicht gleich!« Bis es soweit ist (Hoffmann &#038; Co hoffen auf ein baldiges Ende des Nazi-Spuks), sollen die Saarländer den »Status quo«, also die Fortsetzung der Völkerbundsverwaltung, wählen. </p>
<p>Ein Anschluss an Frankreich steht jedoch auch bei den Hitler-Gegnern nicht zur Debatte. Die Saarländer trauen nach den vergangenen Erfahrungen den Franzosen nicht zu, dass sie die Kultur und Sprache der Saarländer respektieren würden.</p>
<h3>Promis mischen sich ein</h3>
<div style="width:230px" class="bildrechts">
<div class="bildrechts"><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/01.jpg" title="Wasserscheide"><img id="image73" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/01.thumbnail.jpg" alt="Wasserscheide" /></a><br />
<small><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/01.jpg" title="Wasserscheide">[Bild vergrößern]</a></small></div>
<p>»Das Saarland den Saarländern!« – Die Franzosen werben mit geologischer Logik:<br />
Alle Flüsse im Saarland fließen in die Mosel, während die deutschen Flüsse in den Rhein fließen. Die Wasserscheide (»Ligne de partage des eaux«) trennt also Deutschland und das Saarland.<br />
Leider wird die schöne Logik dadurch zerstört, dass die Mosel ebenfalls in den Rhein fließt &#8230;</p>
<p>Aber auch die Deutschen bemühen sich um »wissenschaftliche Beweise« für die Zugehörigkeit des Saarlandes zu Deutschland – mit Hilfe der eigens gegründeten Frankfurter »Saar-Forschungsgemeinschaft«.</p></div>
<p>Während Hitler im Reich eine Terrorherrschaft errichtet, wird das Saarland zum letzten freien Zipfel Deutschlands. Für Hitlergegner, Politiker, Schriftsteller, Intellektuelle aus dem ganzen Reich wird das Saarland zum Zufluchtsort. Bertolt Brecht fordert mit seinem Lied <a href="http://www.uni-saarland.de/~ref61hby/PM-0101.html">»Haltet die Saar, Genossen!«</a> die Saarländer zum Votum gegen Hitler auf (»Das Deutschland das wir wollen / Muß ein anderes Deutschland sein.«). Kriegsberichterstatter Robert Capa (später durch seine Foto-Dokumentation der Kriege in Spanien und Vietnam berühmt) dokumentiert die gespannte Lage an der Saar. Auch die Schriftsteller Heinrich und Thomas Mann, Kurt Tucholsky, Filmregisseur Max Ophüls sowie der Künstler John Heartfield werben für den »Status Quo«. Die noch freie saarländische Presse und die zahlreichen Flüchtlinge aus dem Reich berichten von den Verbrechen Hitlers.</p>
<h3>Wir schlagen Hitler an der Saar!</h3>
<div style="width:190px" class="bildrechts"><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/spsb.jpg" title="Anti-Hitler-Flyer"><img id="image72" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/spsb.thumbnail.jpg" alt="Anti-Hitler-Flyer" /><br />
[Bild vergrößern]</a><br />
Saarländer gegen Hitler: Ein Pro-&#8221;Status quo&#8221;-Flyer appelliert an die Vernunft mit erschreckend realistischen Warnungen.</p>
<p>Soviel auch zum Thema »Das hammir doch sellemols alles garnet gewisst!«.</p></div>
<p>Die neue Situation führt inzwischen auch bei Sozialdemokraten und Kommunisten zur Einsicht, dass ein Saarland unter Naziherrschaft in keiner Weise wünschenswert sein kann und sie schließen sich 1934 mit Hoffmanns Katholiken zur »Einheitsfront« zusammen. Kopf der Einheitsfront wird der erbitterte Hitler-Gegner und Sozialdemokrat Max Braun. Enthusiastisch und optimistisch verkündet er das neue Motto: »Wir schlagen Hitler an der Saar!« Besonders eifriger Kämpfer der saarländischen Kommunisten gegen den Wiederanschluss ist übrigens ein gewisser Erich Honecker.</p>
<h3>Nazis ziehen die Fäden</h3>
<div style="width:150px" class="bildrechts"><img id="image76" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/200-klein.jpg" alt="Deutsch ist die Saar" /><br />
Auch damals tat man schon mit <em>badges</em> und <em>buttons</em> seine politische Meinung kund.</div>
<p>Bereits ein Jahr zuvor haben sich die Pro-Anschluss-Parteien – also das katholische Zentrum, die Nationalsozialisten und die kleineren nationalen und liberalen Parteien – zur »Deutschen Front« (DF) zusammengeschlossen. Die Deutsche Front darf sich über massive Propaganda-Unterstützung aus dem Reich freuen. Obwohl die Nationalsozialistische Partei (NSDAP) im Vergleich zur Volkspartei »Zentrum« nur ein kleines Licht ist, übernimmt sie dank ihrer besten Connections zum Reich bald die inoffizielle Führungsrolle in der »Deutschen Front«. Nach außen tritt die DF jedoch mit einer bürgerlich-katholischen Führungsriege aus angesehehenen Unternehmern und Geistlichen auf. Von Berlin aus unterstützt der saarländische Nationalsozialist Heinrich Schneider die Aktionen der Deutschen Front (Schneider wird uns 20 Jahre später noch einmal begegnen &#8230;). </p>
<p>Das Leitmedium &#8220;Saarbrücker Zeitung&#8221; wird von Nazis unterwandert und zur Stimme der Deutschen Front umgebaut. Die ohnehin schon national angehauchten saarländischen Turn- und Gesangsvereine werden mit großzügigen Zuschüssen bedacht für sogenannte »Saarkundgebungen« – Massenspektakel der »vaterländischen Treue« – und für Vereinsfahrten ins Reich. Die Vereine erweisen sich dankbar, indem sie »unpatriotische« Mitglieder rauswerfen.</p>
<h3>Drei Vaterunser für das Vaterland</h3>
<p>Desweiteren kann die Deutsche Front auf zwei mächtige Unterstützer setzen: Die Kirche und der Stahlbaron. Der Völklinger Industrielle Herrmann Röchling hat in den vergangenen Jahren mit Hilfe von national gesinnten Kreditgebern aus dem Reich allen Übernahmeversuchen der Franzosen getrotzt. Nun setzt er massiv seine Arbeiter unter Druck und droht nach alter Tradition des Königs von Saarabien mit Entlassung bei politisch unliebsamen Äußerungen (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/58/folge-9-ubersinnliche-erscheinungen/">Folge 9 »Der König von Saarabien«</a>). Währenddessen fordert der Trierer Bischof Franz Rudolf Bornewasser, von der Angst getrieben mit dem Saarland den größten Teil seines Bistums zu verlieren, in einem Hirtenbrief seine Schäfchen auf, für den Anschluss an Deutschland zu stimmen. </p>
<p>Zwar wagen es die saarländischen Geistlichen nicht, ihrem Chef öffentlich zu widersprechen, dennoch gibt es auch vereinzelte Gottesdiener, die sich angesichts der Verbrechen Hitlers für den »Status quo« einsetzen. </p>
<p>Die Bischöfe im Reich setzen derweil auf die Kraft des Gebets: </p>
<blockquote><p>»Als deutsche Katholiken sind wir verpflichtet, für die Größe, die Wohlfahrt und den Frieden unseres Vaterlandes uns einzusetzen. Deshalb verordnen wir, dass an genanntem Sonntag in allen Kirchen nach dem allgemeinen Gebet 3 Vaterunser und Ave Maria mit den Gläubigen gebetet werden, um einen für unser deutsches Volk segensreichen Ausgang der Saarabstimmung zu erflehen.«</p></blockquote>
<p>Katholik Hoffmann setzt dagegen:</p>
<blockquote><p>»Wir wollen das Saarvolk nicht der brutalen und frivolen Gewalt Hitlers ausliefern. Zu diesem Regime uns zu bekennen, das den guten Namen Deutschlands schändet, täglich schändet, das lehnen wir ab mit aller Entschiedenheit.«</p></blockquote>
<p>Doch die Stimme der Vernunft hat es nicht leicht: Überall werden die »Status-Quoler« verspottet, geschnitten, ausgegrenzt und ausgeschlossen, beleidigt, als »Verräter« gebrandmarkt und mit »Abrechnung« nach der Abstimmung bedroht.</p>
<h3>Hitler auf Wahlkampf-Tour</h3>
<div style="width:190px" class="bildrechts"><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/appell.jpg" title="Treuekundgebung"><img id="image77" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/appell-klein.jpg" alt="Treuekundgebung" /><br />
[Bild vergrößern]</a><br />
Hitler weiß wie man eine fetzige Wahlkampf-Veranstaltung aufzieht.</div>
<p>Während die Franzosen das Interesse am Saarland anscheinend verloren haben, geht Hitler auf Wahlkampf-Tour. Zwar darf er nicht ins Saarland einreisen, inszeniert aber im Grenzgebiet »Treuekundgebung« genannte Massenspektakel speziell für die Saarländer. Höhepunkt ist die Treuekundgebung in Koblenz, zu der 200 000 Saarländer (= fast ein Viertel  der  Bevölkerung) in 56 Sonderzügen herangekarrt werden, um  ihrem künftigen Führer zuzujubeln. Wohl wissend, dass man die bieder-katholisch-konservativen Saarländer nicht mit martialischen »Blut und Boden«-Sprüchen und germanischem Mystik-Schmuh ködern kann, gibt sich Hitler ganz friedsam, lobt das Christentum und bezeichnet das Saarland als die  »einzige Territorialfrage zwischen Frankreich und Deutschland«.</p>
<blockquote><p>»Der Hitler, der jemals die Saar bekäme, bliebe an der Saargrenze nicht stehen, sondern mit dem Schlüssel der Ludwigskirche würde er den Versuch machen, in das Straßburger und Metzer Münster einzudringen.«<br />
<cite>Max Braun, saarländischer Chef-Sozialdemokrat</cite>
</p></blockquote>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge am 10. Juli: <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">»13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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