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	<title>sarrelibre.de &#187; Hermann Röchling</title>
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	<description>Geschichte &#038; Geschichten vom Land dazwischen</description>
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		<title>20. Hermann Röchling: Ehre, wem Ehre nicht gebührt</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Apr 2007 18:01:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1935-1945]]></category>
		<category><![CDATA[1945-1957]]></category>
		<category><![CDATA[Adolf Hitler]]></category>
		<category><![CDATA[Hermann Röchling]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Er schickte Tausende in Sklaverei und Tod. Dennoch wird ihm nach dem Krieg eine einmalige Ehre zuteil &#8230;

Hermann Röchling, wie er sich am liebsten sah: Der nette Großindustrielle von nebenan im Kreise der dankbaren Arbeiterfamilien.
Hermann Röchling, den Chef des Völklinger Stahlwerks, haben wir schon in einer früheren Folge kennen gelernt: Er kämpfte als Kopf der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Er schickte Tausende in Sklaverei und Tod. Dennoch wird ihm nach dem Krieg eine einmalige Ehre zuteil &#8230;</strong><span id="more-114"></span></p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image112" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Hermann-Roechling.jpg" alt="Hermann Röchling" /><br />
Hermann Röchling, wie er sich am liebsten sah: Der nette Großindustrielle von nebenan im Kreise der dankbaren Arbeiterfamilien.</div>
<p>Hermann Röchling, den Chef des Völklinger Stahlwerks, haben wir schon in einer früheren Folge kennen gelernt: Er kämpfte als Kopf der »Deutsch-Saarländischen Volkspartei« für den Anschluss des Saarlandes an das Reich (vgl.: <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-–-nur-nicht-gleich/">»11. Heim ins Reich – Nur nicht gleich!«</a>). </p>
<h3>Tipps für Hitler</h3>
<p>Direkt nach der Wiedervereinigung tritt er in die nationalsozialistische Partei ein und unterstützt als »Wehrwirtschaftsführer« und später »Oberster Beauftragter für Eisen und Stahl in den besetzten Gebieten« Hitler bei seinen Eroberungsfeldzügen. Für beide die ideale Symbiose: Hitler braucht Unmengen von Waffen – Hermann Röchling kann sie ihm verkaufen. Plus: Hitler kann Röchling die – seit dem Anschluss verbaute – Möglichkeit verschaffen, wieder günstig an französisches Eisenerz zu kommen. Röchling gibt Hitler daher Tipps, welche Gebiete mit Eisenerzvorkommen und Stahlindustrie am besten dem Reich anzuschließen seien. Außerdem ermuntert er Hitler, endlich die Sowjetunion zu überfallen. Bereits 1936 drängelt er:</p>
<blockquote><p>»Im Osten steht Russland mit seiner kommunistischen Staatsauffassung und der Gottlosenlehre im schärfsten Gegensatz zum nationalsozialistischen Deutschland, das ihm den Weg zur Weltrevolution versperrt. [...] Es ist nicht zu sehen, worin die  Möglichkeit bestehen sollte, den Entscheidungskampf zwischen Bolschewismus und Nationalsozialismus zu vermeiden.«</p></blockquote>
<h3>Der typisch saarländische Stahl-Patriarch</h3>
<p>Röchlings Ingenieure erfinden fleißig neue Waffen für Hitler. Die betonbrechende »Röchling-Granate« und die von Röchling liebevoll »Fleißiges Lieschen« genannte Langstreckenkanone V3 verbreiten in ganz Europa Terror und Tod. Für seine Untergebenen gibt Hermann Röchling den typisch saarländischen Stahl-Patriarchen, der mit gestrenger Hand gewerkschaftliche oder gar frankophile Umtriebe unterbindet und gleichzeitig mit sozialen Einrichtungen  und günstigen Bau-Krediten seinen Arbeitern ein väterlicher Fürsorger ist.</p>
<h3>Sklaven auf Antrag</h3>
<p>Als während des Krieges in den Stahlwerken Arbeitskräftemangel herrscht, hat Hermann Röchling wieder eine Idee: Kriegsgefangene aus Osteuropa sollen die an der Front befindlichen Stahlarbeiter ersetzen. Zehntausende Arbeitssklaven aus der Sowjetunion und anderen Ländern werden in Güterzügen ins Saarland verfrachtet und schuften in Hütten und Gruben. Doch nicht nur die Industrieanlagen profitierten von der billigen Arbeitskraft: auch saarländische Handwerksbetriebe können auf schriftlichen Antrag einen Sklaven zugeteilt bekommen.</p>
<p>Da sich die Motivation der neuen Arbeiter verständlicherweise in Grenzen hält, lässt Röchling in Köllerbach ein Straflager für »widerspenstige Fremdarbeiter« errichten. Hier werden Arbeiter,  die nicht spuren, schikaniert und misshandelt. Den Tod zahlloser Sklaven nimmt Röchling dabei billigend in Kauf.</p>
<h3>Keine Reue</h3>
<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image115" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/zwei-grosse-maenner.gif" alt="Image-Broschüre" /><br />
In der <del>Propag</del>  &#8230; Informations-Broschüre der Firma Röchling <a href="http://www.roechling.de/_FILES/Publikation/files/370_35_Mitarbeitermagazin_2002.pdf">(PDF der Broschüre)</a> wird Hermann Röchling noch immer als »großer Mann« gepriesen, der bedauerlicherweise »von einem französischen Militärgericht als Kriegsverbrecher angeklagt« wird – nicht etwa, weil er zehntausende versklavt hat, sondern »wegen seiner politischen Nähe zum Hitler-Regime«.</div>
<p> Nach der Besetzung des Saarlandes durch Amerikaner und Franzosen im Jahr 1945 hält es Hermann Röchling für angebracht unterzutauchen. Nach anderthalb Jahren im Untergrund wird er schließlich von den Franzosen aufgestöbert und vor Gericht gestellt. Hermann Röchling bereut im Grunde nichts, höchstens dass man vielleicht hie und da ein wenig über die Stränge geschlagen habe. Er  wird wegen »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. </p>
<p>Hiermit könnte die traurige Geschichte von Hermann Röchling zu Ende sein. Ist sie aber nicht, denn es kommt noch doller! Die Verurteilung Röchlings führt zu einer erstaunlichen Reaktion aus dem Saarland: 111 Pensionäre der Völklinger Hütte bieten sich an, die Strafe nacheinander für »ihren« Papa Röchling zu verbüßen (was juristisch gesehen natürlich völliger Unfug ist). Auch die saarländische Regierung setzt sich für eine Freilassung ein. Als schließlich sogar Monsieur Gilbert Grandval (Frankreichs Statthalter im Saarland) zustimmt, kommt Röchling nach nur 5 Jahren Haft frei – allerdings mit der Auflage, das Saarland nie wieder zu betreten. Röchling zieht zu seiner Familie, die das Saarland direkt nach dem Krieg verlassen hatte, nach Mannheim, wo er 1955 im Alter von 82 Jahren entschlummert.</p>
<h3>Die Hermann-Röchling-Höhe</h3>
<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image116" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/hermann-roechling-hoehe-pict1846.jpg" alt="Hermann-Röchling-Höhe" /><br />
Kaum zu glauben, aber wahr: Nach Hermann Röchling wurde gleich eine ganze Ortschaft benannt.</div>
<p>Und immer noch ist die Geschichte nicht zu Ende: Ende 1955 wählen die Saarländer eine prodeutsche Koalition in die Regierung, die im Saarland eine deutschnationale Rolle rückwärts startet. Eine ihrer ersten Amtshandlungen ist es, die Völklinger Hütte der Familie Röchling zurückzugeben. Kurz danach benennt der Völklinger Stadtrat die Siedlung »Bouser Höhe« in »Hermann-Röchling-Höhe« um – eine in westlich-demokratischen Staaten ungewöhnliche Ehre.</p>
<p>1994 wird Röchlings inzwischen stillgelegte Hütte von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Noch heute steht das Denkmal des Völklinger Ehrenbürgers Röchling auf der Hermann-Röchling-Höhe – Ehre, wem Ehre nicht gebührt &#8230;</p>
<ul>
<li><a href="http://www.voelklinger-huette.org">Weltkulturerbe Völklinger Hütte</a> </li>
<li><a href="http://www.roechling.de">Röchlings Erben produzieren inzwischen Kunststoff </a></li>
<li><a href="http://www.rbb-online.de/_/kontraste/beitrag_jsp/key=rbb_beitrag_1252087.html">Bleibt ein Kriegsverbrecher der Namenspatron? (Rundfunk Berlin-Brandenburg)</a> </li>
</ul>
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		<title>16. Die Saarländer revoltieren. Aber nur ein bisschen &#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Oct 2006 14:34:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1935-1945]]></category>
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		<description><![CDATA[
Das süße kleine Saarland wird von der lieben deutschen Mami in den Arm genommen – Schön wär&#8217;s!
Die Saarländer haben was zu meckern. Hitler ist unerwünscht (zumindest in der Schule). Die Grenzgänger revoltieren. Und die Nazis bringen den Closen um (und noch ein paar mehr) &#8230; 
Das Saarland wird in einer Blitzaktion ans Reich angeschlossen. Doch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image96" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/die-saar-kehrt-heim.jpg" alt="Die Saar kehrt heim" /><br />
Das süße kleine Saarland wird von der lieben deutschen Mami in den Arm genommen – Schön wär&#8217;s!</div>
<p><strong>Die Saarländer haben was zu meckern. Hitler ist unerwünscht (zumindest in der Schule). Die Grenzgänger revoltieren. Und die Nazis bringen den Closen um (und noch ein paar mehr) &#8230;</strong> <span id="more-97"></span></p>
<p>Das Saarland wird in einer Blitzaktion ans Reich angeschlossen. Doch nach den Jubelfeiern kommt der große Kater.</p>
<p>Die Franzosen machen beleidigt die Grenze dicht, und die saarländischen Gruben und Hütten sind von einem auf den anderen Tag von ihren Absatzmärkten und Zulieferern abgeschnitten. Die Arbeitslosenzahlen explodieren, die Preise steigen, die Löhne sinken, und die Saarländer sind sauer.  Mancher  Grubenwagen, der aus der Tiefe emporsteigt ist mit Protestparolen verziert: </p>
<blockquote><p>»Deutsch die Saar, immerdar, wär sie doch wieder was sie früher war«</p></blockquote>
<p>(Nebenbei: eine typisch saarländische Form des Protests)</p>
<p>Hinzu kommt, dass im Laufe des Jahres fast alle Juden das Saarland Richtung Frankreich verlassen. Aufgrund der Verträge Deutschlands mit dem Völkerbund (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/90/14-saarlander-auf-der-flucht/">Folge 14</a>) dürfen sie (im Gegensatz zu ihren Leidensgenossen im Reich) ihr Kapital mitnehmen, was der gebeutelten Wirtschaft des Saarlandes einen weiteren Schlag versetzt.  Neuer Lieblingsspruch der Saarländer: </p>
<blockquote><p>»Früher ging’s mir gut, heut geht’s mir besser.<br />
Ich wollt es ging mir wieder gut.«</p></blockquote>
<h3>Don Camillo und Peppone</h3>
<p>Der Versuch, den Einfluss der katholischen Kirche in Schule und Vereinen zurückzudrängen, führt  bei den frommen Saarländern zu Unmut. In vielen Dörfern stehen sich Pfarrer und Ortsgruppenleiter als saarländische Variante von »Don Camillo und Peppone« gegenüber.</p>
<h3>Jesus oder Hitler?</h3>
<p>Im Bergarbeiterdorf Frankenholz eskaliert die Situation: Der bisherige, katholische Schulleiter wird durch den ortsfremden NSDAP-Ortsgruppenleiter Klein ersetzt. Erste Amtshandlung des neuen Mannes: Das Christuskreuz wird durch ein Bild des »Führers« ausgetauscht. Während die Lehrer (bis auf eine Lehrerin) brav mitmachen, sind die Eltern entsetzt ob der gotteslästerlichen Freveltat und wenden sich an Pfarrer Layes. Dieser geißelt in seiner nächsten Sonntagspredigt das schändliche Tun des neuen Schulleiters. Die Eltern schicken daraufhin ihre Kinder nicht mehr zur Schule und fordern in einer Elternversammlung lautstark die Wiederkehr Jesu (an die Klassenzimmerwand). </p>
<p>Klein wendet sich an seine Vorgesetzten und hetzt den Frankenholzern die geheime Staatspolizei (Gestapo) auf den Hals. Auf der Suche nach »Rädelsführern« durchforsten Gestapo-Beamte das Dorf. In stundenlangen Verhören werden 60 Dorfbewohner vernommen. Die streikenden Eltern werden mit 2000 Mark Strafe belegt, die widerspenstige Lehrerin versetzt. </p>
<p>In einer spontanen Protestaktion legen nun die Bergleute der Frankenholzer Grube ihre Arbeit nieder. Doch jetzt schlägt der Nazistaat (für die Saarländer) unerwartet hart zu: 5 Eltern werden verhaftet, 17 Bergleute fristlos entlassen. Der Widerstand ist gebrochen. Die Frankenholzer versichern in einer Erklärung, dass sie treu zum Nationalsozialismus stehen und nur durch ihre religiösen Gefühle etwas verwirrt gewesen seien. Das Hitlerbild bleibt hängen. In anderen Schulen wagen sich die Nazis jedoch nicht mehr, den Jesus an der Wand anzutasten.</p>
<h3>Die Grenzgängerrevolte</h3>
<p>Der absurd unrealistische Umtauschkurs von Franc zu Mark erbost die über 6000  »Grenzgänger«, also diejenigen Saarländer, die in einer französischen Grube arbeiten. Trotz Verbot tauschen die Bergleute ihren Lohn nicht in Deutschland sondern in Frankreich.  Die Grenzposten, die den Auftrag haben, niemanden mit deutscher Währung durchzulassen, werden einfach zu tausenden überrannt. Die Staatsmacht reagiert mit 800 Haftbefehlen, die jedoch gar nicht in die Tat umgesetzt werden können, da überhaupt kein Platz in den Gefängnissen ist. Gleichzeitig wird den Arbeitern eine 30prozentige Ausgleichszahlung versprochen. </p>
<p>Doch damit geben sich die Bergleute nicht zufrieden. Die Kunde vom Protest der Grenzgänger verbreitet sich im ganzen Land. Demonstrationszüge gehen durch die Dörfer, Pfarrer halten Bittgottesdienste ab. Gauleiter Bürckel erhöht die Ausgleichszahlungen auf 50%, nach weiteren Protesten auf 60%. </p>
<p>Doch immer noch kehrt keine Ruhe ein: Nun fordern auch die Pensionäre, die ebenfalls in Franc ausbezahlt werden, Ausgleichszahlungen. Währendessen lassen sich die Bergarbeiter ihren Lohn in Weißbrot einbacken, um die Kontrolleure zu täuschen. </p>
<h3>»Die Nazis hann de Closen umgebrung!«</h3>
<p>Da nicht tausende von Bergarbeitern verhaftet werden können, pickt sich die Gestapo angebliche »Rädelsführer« unter den Bergleuten heraus. Einer davon ist der Lauterbacher Bergmann Andreas Closen. Der stämmige Closen ist dafür bekannt, dass er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält und gerne mal auf den Tisch haut, wenn ihm was nicht passt. Nach 4 Monaten Haft wird Andreas Closen seiner Familie im plombierten Sarg zurückgeschickt: »Todesursache: Lungenembolie«. </p>
<p>Die Familie öffnet trotz strikten Verbotes den Sarg und findet den misshandelten und abgemagerten Körper Closens vor. Wie ein Lauffeuer geht es durch den Ort: »Die Nazis hann de Closen umgebrung!« Die Dorfbewohner und die Bergleute aus nah und fern machen die Beerdigung zur Demonstration gegen die Brutalität des Regimes. Doch die Münder sind verschlossen, der Protest bleibt stumm. Der Terror hat Wirkung gezeigt.</p>
<p>Für die Nazis ist das Saarland also ein einziger Unruheherd. Die Saarländer sind wohl der Ansicht, dass Hitler ihnen, nach ihrem braven Abstimmungsverhalten, etwas mehr schuldet als ein popeliges Theater (das zudem noch die Stadt Saarbrücken zur Hälfte finanzieren musste) (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/93/15-wie-adolf-hitler-fur-die-erfindung-des-pfalzerwitzes-sorgte/">Folge 15</a>). Außerdem haben sie noch keine Bekanntschaft gemacht mit den Terrormethoden der Nazis und treten daher mutiger auf als die bereits eingeschüchterten Menschen im Reich.</p>
<div class="bildrechts" style="width:290px"><img id="image99" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Weinhold.gif" alt="Weinhold" /><br />
Die Weinholds sind nur eine von vielen saarländischen Firmen, die sich billig jüdisches Vermögen abgreifen.</div>
<p>Natürlich gibt es auch jede Menge Saarländer, die vom Anschluss ans Reich profitieren. Vor allem die Fürsprecher des Anschlusses werden mit Karrieren und Posten im neuen Regime belohnt. Der Völklinger Stahlbaron Hermann Röchling (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-%e2%80%93-nur-nicht-gleich/">Folge 11</a>) macht gar Karriere als Hitlers persönlicher Wirtschaftsberater. Viele saarländische Geschäfts- und Privatleute profitieren von den unter Wert abgestoßenen Immobilien der Flüchtlinge.</p>
<h3>Ein allgemeiner Aufstand?</h3>
<p>Vom benachbarten Frankreich aus beobachten die saarländischen Flüchtlinge erfreut die Proteste der Saarländer. Doch die Hoffnung, die Unzufriedenheit würde in einen allgemeinen Aufstand münden, trügt. Den Daheimgebliebenen geht es nicht darum das Regime wegzuputzen, sondern sie möchten einfach ihre vertraute Lebensweise und ihren gewohnten Lebensstandard beibehalten: Kruzifix an der Wand, Geld im Sack <em>unn Haupdsach gudd gess.</em> </p>
<p>Ab 1939 scheinen die Nazis die Lage endlich im Griff zu haben: Kleinere Zugeständnisse, kombiniert mit Terror und Einschüchterung, zeigen ihre Wirkung: Die Saarländer halten von nun an lieber die Klappe. Die wenigen mutigen Menschen, die noch den Mund aufmachen, wie der Saarbrücker Sozialdemokrat Christian Heist, der Sulzbacher Bergmann Matthias Warken, der Dudweiler Bauarbeiter Ludwig Geibig und viele mehr werden ins Konzentrationslager gesteckt oder, wie der Saarbrücker Student Willi Graf, der Malstatter Mechaniker Alois Bach, der Neunkircher Wirt Wilhelm Jung, der Elversberger Heinrich Konrath, der Sulzbacher Rudolf Malter oder der Dillinger Jakob Burger, ermordet.<br />
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		<title>11. Heim ins Reich – Nur nicht gleich!</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jun 2006 05:52:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Oder: Wer kriegt den Schlüssel zur Ludwigskirche?
Hitler kommt  an die Macht. Und die Saarländer sind verwirrt &#8230;

Darf der da &#8230; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160; &#160; &#160; &#160; &#160; &#160; &#160;&#160;&#160;  &#8230; da rein?

Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Kanzler des deutschen Reiches ernannt. Und die Saarländer sind sich auf einmal gar nicht mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Oder: Wer kriegt den Schlüssel zur Ludwigskirche?</h4>
<p><strong>Hitler kommt  an die Macht. Und die Saarländer sind verwirrt &#8230;</strong></p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image75" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/hitler-ludwigskirche.jpg" alt="Hitler in die Ludwigskirche?" /><br />
Darf der da &#8230; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;  &#8230; da rein?</div>
<p><span id="more-70"></span></p>
<p>Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Kanzler des deutschen Reiches ernannt. Und die Saarländer sind sich auf einmal gar nicht mehr so einig. Bis zu diesem Datum war klar, dass man von der Quasi-Kolonialherrschaft Frankreichs die Nase voll hatte und sich bei der anstehenden Volksabstimmung für den Anschluss an Deutschland entscheiden würde. Aber sollen die saarländischen Parteien immer noch für die Rückkehr in ein Deutschland werben, in dem Hitler alle anderen Parteien verboten hat? Sollen die Katholiken den antikatholischen Hitler wählen, die Sozialdemokraten den antisozialdemokratischen, die Liberalen den antiliberalen, die Kommunisten den antikommunistischen Hitler?</p>
<p>Die Antwort lautet: – – Ja. Die saarländischen Parteien halten kurz inne, machen dann aber weiter wie bisher. Die Kommunisten tönen gar völlig hirnfrei: »Zurück zu Deutschland, und wenn’s ins KZ geht!«. Einzig eine Gruppe, die sich unter der Führung des Journalisten Johannes Hoffmann von der katholischen Zentrumspartei abgespalten hat, verkündet eine neue Maxime: Anschluss an Deutschland: Ja – aber nicht sofort, sondern erst wenn Hitler wieder abgesetzt ist und im Reich wieder Demokratie und Freiheit herrschen. Oder kurz: »Heim ins Reich – nur nicht gleich!« Bis es soweit ist (Hoffmann &#038; Co hoffen auf ein baldiges Ende des Nazi-Spuks), sollen die Saarländer den »Status quo«, also die Fortsetzung der Völkerbundsverwaltung, wählen. </p>
<p>Ein Anschluss an Frankreich steht jedoch auch bei den Hitler-Gegnern nicht zur Debatte. Die Saarländer trauen nach den vergangenen Erfahrungen den Franzosen nicht zu, dass sie die Kultur und Sprache der Saarländer respektieren würden.</p>
<h3>Promis mischen sich ein</h3>
<div style="width:230px" class="bildrechts">
<div class="bildrechts"><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/01.jpg" title="Wasserscheide"><img id="image73" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/01.thumbnail.jpg" alt="Wasserscheide" /></a><br />
<small><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/01.jpg" title="Wasserscheide">[Bild vergrößern]</a></small></div>
<p>»Das Saarland den Saarländern!« – Die Franzosen werben mit geologischer Logik:<br />
Alle Flüsse im Saarland fließen in die Mosel, während die deutschen Flüsse in den Rhein fließen. Die Wasserscheide (»Ligne de partage des eaux«) trennt also Deutschland und das Saarland.<br />
Leider wird die schöne Logik dadurch zerstört, dass die Mosel ebenfalls in den Rhein fließt &#8230;</p>
<p>Aber auch die Deutschen bemühen sich um »wissenschaftliche Beweise« für die Zugehörigkeit des Saarlandes zu Deutschland – mit Hilfe der eigens gegründeten Frankfurter »Saar-Forschungsgemeinschaft«.</p></div>
<p>Während Hitler im Reich eine Terrorherrschaft errichtet, wird das Saarland zum letzten freien Zipfel Deutschlands. Für Hitlergegner, Politiker, Schriftsteller, Intellektuelle aus dem ganzen Reich wird das Saarland zum Zufluchtsort. Bertolt Brecht fordert mit seinem Lied <a href="http://www.uni-saarland.de/~ref61hby/PM-0101.html">»Haltet die Saar, Genossen!«</a> die Saarländer zum Votum gegen Hitler auf (»Das Deutschland das wir wollen / Muß ein anderes Deutschland sein.«). Kriegsberichterstatter Robert Capa (später durch seine Foto-Dokumentation der Kriege in Spanien und Vietnam berühmt) dokumentiert die gespannte Lage an der Saar. Auch die Schriftsteller Heinrich und Thomas Mann, Kurt Tucholsky, Filmregisseur Max Ophüls sowie der Künstler John Heartfield werben für den »Status Quo«. Die noch freie saarländische Presse und die zahlreichen Flüchtlinge aus dem Reich berichten von den Verbrechen Hitlers.</p>
<h3>Wir schlagen Hitler an der Saar!</h3>
<div style="width:190px" class="bildrechts"><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/spsb.jpg" title="Anti-Hitler-Flyer"><img id="image72" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/spsb.thumbnail.jpg" alt="Anti-Hitler-Flyer" /><br />
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Saarländer gegen Hitler: Ein Pro-&#8221;Status quo&#8221;-Flyer appelliert an die Vernunft mit erschreckend realistischen Warnungen.</p>
<p>Soviel auch zum Thema »Das hammir doch sellemols alles garnet gewisst!«.</p></div>
<p>Die neue Situation führt inzwischen auch bei Sozialdemokraten und Kommunisten zur Einsicht, dass ein Saarland unter Naziherrschaft in keiner Weise wünschenswert sein kann und sie schließen sich 1934 mit Hoffmanns Katholiken zur »Einheitsfront« zusammen. Kopf der Einheitsfront wird der erbitterte Hitler-Gegner und Sozialdemokrat Max Braun. Enthusiastisch und optimistisch verkündet er das neue Motto: »Wir schlagen Hitler an der Saar!« Besonders eifriger Kämpfer der saarländischen Kommunisten gegen den Wiederanschluss ist übrigens ein gewisser Erich Honecker.</p>
<h3>Nazis ziehen die Fäden</h3>
<div style="width:150px" class="bildrechts"><img id="image76" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/200-klein.jpg" alt="Deutsch ist die Saar" /><br />
Auch damals tat man schon mit <em>badges</em> und <em>buttons</em> seine politische Meinung kund.</div>
<p>Bereits ein Jahr zuvor haben sich die Pro-Anschluss-Parteien – also das katholische Zentrum, die Nationalsozialisten und die kleineren nationalen und liberalen Parteien – zur »Deutschen Front« (DF) zusammengeschlossen. Die Deutsche Front darf sich über massive Propaganda-Unterstützung aus dem Reich freuen. Obwohl die Nationalsozialistische Partei (NSDAP) im Vergleich zur Volkspartei »Zentrum« nur ein kleines Licht ist, übernimmt sie dank ihrer besten Connections zum Reich bald die inoffizielle Führungsrolle in der »Deutschen Front«. Nach außen tritt die DF jedoch mit einer bürgerlich-katholischen Führungsriege aus angesehehenen Unternehmern und Geistlichen auf. Von Berlin aus unterstützt der saarländische Nationalsozialist Heinrich Schneider die Aktionen der Deutschen Front (Schneider wird uns 20 Jahre später noch einmal begegnen &#8230;). </p>
<p>Das Leitmedium &#8220;Saarbrücker Zeitung&#8221; wird von Nazis unterwandert und zur Stimme der Deutschen Front umgebaut. Die ohnehin schon national angehauchten saarländischen Turn- und Gesangsvereine werden mit großzügigen Zuschüssen bedacht für sogenannte »Saarkundgebungen« – Massenspektakel der »vaterländischen Treue« – und für Vereinsfahrten ins Reich. Die Vereine erweisen sich dankbar, indem sie »unpatriotische« Mitglieder rauswerfen.</p>
<h3>Drei Vaterunser für das Vaterland</h3>
<p>Desweiteren kann die Deutsche Front auf zwei mächtige Unterstützer setzen: Die Kirche und der Stahlbaron. Der Völklinger Industrielle Herrmann Röchling hat in den vergangenen Jahren mit Hilfe von national gesinnten Kreditgebern aus dem Reich allen Übernahmeversuchen der Franzosen getrotzt. Nun setzt er massiv seine Arbeiter unter Druck und droht nach alter Tradition des Königs von Saarabien mit Entlassung bei politisch unliebsamen Äußerungen (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/58/folge-9-ubersinnliche-erscheinungen/">Folge 9 »Der König von Saarabien«</a>). Währenddessen fordert der Trierer Bischof Franz Rudolf Bornewasser, von der Angst getrieben mit dem Saarland den größten Teil seines Bistums zu verlieren, in einem Hirtenbrief seine Schäfchen auf, für den Anschluss an Deutschland zu stimmen. </p>
<p>Zwar wagen es die saarländischen Geistlichen nicht, ihrem Chef öffentlich zu widersprechen, dennoch gibt es auch vereinzelte Gottesdiener, die sich angesichts der Verbrechen Hitlers für den »Status quo« einsetzen. </p>
<p>Die Bischöfe im Reich setzen derweil auf die Kraft des Gebets: </p>
<blockquote><p>»Als deutsche Katholiken sind wir verpflichtet, für die Größe, die Wohlfahrt und den Frieden unseres Vaterlandes uns einzusetzen. Deshalb verordnen wir, dass an genanntem Sonntag in allen Kirchen nach dem allgemeinen Gebet 3 Vaterunser und Ave Maria mit den Gläubigen gebetet werden, um einen für unser deutsches Volk segensreichen Ausgang der Saarabstimmung zu erflehen.«</p></blockquote>
<p>Katholik Hoffmann setzt dagegen:</p>
<blockquote><p>»Wir wollen das Saarvolk nicht der brutalen und frivolen Gewalt Hitlers ausliefern. Zu diesem Regime uns zu bekennen, das den guten Namen Deutschlands schändet, täglich schändet, das lehnen wir ab mit aller Entschiedenheit.«</p></blockquote>
<p>Doch die Stimme der Vernunft hat es nicht leicht: Überall werden die »Status-Quoler« verspottet, geschnitten, ausgegrenzt und ausgeschlossen, beleidigt, als »Verräter« gebrandmarkt und mit »Abrechnung« nach der Abstimmung bedroht.</p>
<h3>Hitler auf Wahlkampf-Tour</h3>
<div style="width:190px" class="bildrechts"><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/appell.jpg" title="Treuekundgebung"><img id="image77" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/appell-klein.jpg" alt="Treuekundgebung" /><br />
[Bild vergrößern]</a><br />
Hitler weiß wie man eine fetzige Wahlkampf-Veranstaltung aufzieht.</div>
<p>Während die Franzosen das Interesse am Saarland anscheinend verloren haben, geht Hitler auf Wahlkampf-Tour. Zwar darf er nicht ins Saarland einreisen, inszeniert aber im Grenzgebiet »Treuekundgebung« genannte Massenspektakel speziell für die Saarländer. Höhepunkt ist die Treuekundgebung in Koblenz, zu der 200 000 Saarländer (= fast ein Viertel  der  Bevölkerung) in 56 Sonderzügen herangekarrt werden, um  ihrem künftigen Führer zuzujubeln. Wohl wissend, dass man die bieder-katholisch-konservativen Saarländer nicht mit martialischen »Blut und Boden«-Sprüchen und germanischem Mystik-Schmuh ködern kann, gibt sich Hitler ganz friedsam, lobt das Christentum und bezeichnet das Saarland als die  »einzige Territorialfrage zwischen Frankreich und Deutschland«.</p>
<blockquote><p>»Der Hitler, der jemals die Saar bekäme, bliebe an der Saargrenze nicht stehen, sondern mit dem Schlüssel der Ludwigskirche würde er den Versuch machen, in das Straßburger und Metzer Münster einzudringen.«<br />
<cite>Max Braun, saarländischer Chef-Sozialdemokrat</cite>
</p></blockquote>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge am 10. Juli: <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">»13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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