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	<title>sarrelibre.de &#187; Stichworte</title>
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	<description>Geschichte &#038; Geschichten vom Land dazwischen</description>
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		<title>20. Hermann Röchling: Ehre, wem Ehre nicht gebührt</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Apr 2007 18:01:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1935-1945]]></category>
		<category><![CDATA[1945-1957]]></category>
		<category><![CDATA[Adolf Hitler]]></category>
		<category><![CDATA[Hermann Röchling]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Er schickte Tausende in Sklaverei und Tod. Dennoch wird ihm nach dem Krieg eine einmalige Ehre zuteil &#8230;

Hermann Röchling, wie er sich am liebsten sah: Der nette Großindustrielle von nebenan im Kreise der dankbaren Arbeiterfamilien.
Hermann Röchling, den Chef des Völklinger Stahlwerks, haben wir schon in einer früheren Folge kennen gelernt: Er kämpfte als Kopf der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Er schickte Tausende in Sklaverei und Tod. Dennoch wird ihm nach dem Krieg eine einmalige Ehre zuteil &#8230;</strong><span id="more-114"></span></p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image112" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Hermann-Roechling.jpg" alt="Hermann Röchling" /><br />
Hermann Röchling, wie er sich am liebsten sah: Der nette Großindustrielle von nebenan im Kreise der dankbaren Arbeiterfamilien.</div>
<p>Hermann Röchling, den Chef des Völklinger Stahlwerks, haben wir schon in einer früheren Folge kennen gelernt: Er kämpfte als Kopf der »Deutsch-Saarländischen Volkspartei« für den Anschluss des Saarlandes an das Reich (vgl.: <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-–-nur-nicht-gleich/">»11. Heim ins Reich – Nur nicht gleich!«</a>). </p>
<h3>Tipps für Hitler</h3>
<p>Direkt nach der Wiedervereinigung tritt er in die nationalsozialistische Partei ein und unterstützt als »Wehrwirtschaftsführer« und später »Oberster Beauftragter für Eisen und Stahl in den besetzten Gebieten« Hitler bei seinen Eroberungsfeldzügen. Für beide die ideale Symbiose: Hitler braucht Unmengen von Waffen – Hermann Röchling kann sie ihm verkaufen. Plus: Hitler kann Röchling die – seit dem Anschluss verbaute – Möglichkeit verschaffen, wieder günstig an französisches Eisenerz zu kommen. Röchling gibt Hitler daher Tipps, welche Gebiete mit Eisenerzvorkommen und Stahlindustrie am besten dem Reich anzuschließen seien. Außerdem ermuntert er Hitler, endlich die Sowjetunion zu überfallen. Bereits 1936 drängelt er:</p>
<blockquote><p>»Im Osten steht Russland mit seiner kommunistischen Staatsauffassung und der Gottlosenlehre im schärfsten Gegensatz zum nationalsozialistischen Deutschland, das ihm den Weg zur Weltrevolution versperrt. [...] Es ist nicht zu sehen, worin die  Möglichkeit bestehen sollte, den Entscheidungskampf zwischen Bolschewismus und Nationalsozialismus zu vermeiden.«</p></blockquote>
<h3>Der typisch saarländische Stahl-Patriarch</h3>
<p>Röchlings Ingenieure erfinden fleißig neue Waffen für Hitler. Die betonbrechende »Röchling-Granate« und die von Röchling liebevoll »Fleißiges Lieschen« genannte Langstreckenkanone V3 verbreiten in ganz Europa Terror und Tod. Für seine Untergebenen gibt Hermann Röchling den typisch saarländischen Stahl-Patriarchen, der mit gestrenger Hand gewerkschaftliche oder gar frankophile Umtriebe unterbindet und gleichzeitig mit sozialen Einrichtungen  und günstigen Bau-Krediten seinen Arbeitern ein väterlicher Fürsorger ist.</p>
<h3>Sklaven auf Antrag</h3>
<p>Als während des Krieges in den Stahlwerken Arbeitskräftemangel herrscht, hat Hermann Röchling wieder eine Idee: Kriegsgefangene aus Osteuropa sollen die an der Front befindlichen Stahlarbeiter ersetzen. Zehntausende Arbeitssklaven aus der Sowjetunion und anderen Ländern werden in Güterzügen ins Saarland verfrachtet und schuften in Hütten und Gruben. Doch nicht nur die Industrieanlagen profitierten von der billigen Arbeitskraft: auch saarländische Handwerksbetriebe können auf schriftlichen Antrag einen Sklaven zugeteilt bekommen.</p>
<p>Da sich die Motivation der neuen Arbeiter verständlicherweise in Grenzen hält, lässt Röchling in Köllerbach ein Straflager für »widerspenstige Fremdarbeiter« errichten. Hier werden Arbeiter,  die nicht spuren, schikaniert und misshandelt. Den Tod zahlloser Sklaven nimmt Röchling dabei billigend in Kauf.</p>
<h3>Keine Reue</h3>
<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image115" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/zwei-grosse-maenner.gif" alt="Image-Broschüre" /><br />
In der <del>Propag</del>  &#8230; Informations-Broschüre der Firma Röchling <a href="http://www.roechling.com/fileadmin/downloads/Roechling%20Gruppe/Roechling%20Magazin/370_35_RoechlingMagazine-3-2002.pdf">(PDF der Broschüre)</a> wird Hermann Röchling noch immer als »großer Mann« gepriesen, der bedauerlicherweise »von einem französischen Militärgericht als Kriegsverbrecher angeklagt« wird – nicht etwa, weil er zehntausende versklavt hat, sondern »wegen seiner politischen Nähe zum Hitler-Regime«.</div>
<p> Nach der Besetzung des Saarlandes durch Amerikaner und Franzosen im Jahr 1945 hält es Hermann Röchling für angebracht unterzutauchen. Nach anderthalb Jahren im Untergrund wird er schließlich von den Franzosen aufgestöbert und vor Gericht gestellt. Hermann Röchling bereut im Grunde nichts, höchstens dass man vielleicht hie und da ein wenig über die Stränge geschlagen habe. Er  wird wegen »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. </p>
<p>Hiermit könnte die traurige Geschichte von Hermann Röchling zu Ende sein. Ist sie aber nicht, denn es kommt noch doller! Die Verurteilung Röchlings führt zu einer erstaunlichen Reaktion aus dem Saarland: 111 Pensionäre der Völklinger Hütte bieten sich an, die Strafe nacheinander für »ihren« Papa Röchling zu verbüßen (was juristisch gesehen natürlich völliger Unfug ist). Auch die saarländische Regierung setzt sich für eine Freilassung ein. Als schließlich sogar Monsieur Gilbert Grandval (Frankreichs Statthalter im Saarland) zustimmt, kommt Röchling nach nur 5 Jahren Haft frei – allerdings mit der Auflage, das Saarland nie wieder zu betreten. Röchling zieht zu seiner Familie, die das Saarland direkt nach dem Krieg verlassen hatte, nach Mannheim, wo er 1955 im Alter von 82 Jahren entschlummert.</p>
<h3>Die Hermann-Röchling-Höhe</h3>
<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image116" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/hermann-roechling-hoehe-pict1846.jpg" alt="Hermann-Röchling-Höhe" /><br />
Kaum zu glauben, aber wahr: Nach Hermann Röchling wurde gleich eine ganze Ortschaft benannt.</div>
<p>Und immer noch ist die Geschichte nicht zu Ende: Ende 1955 wählen die Saarländer eine prodeutsche Koalition in die Regierung, die im Saarland eine deutschnationale Rolle rückwärts startet. Eine ihrer ersten Amtshandlungen ist es, die Völklinger Hütte der Familie Röchling zurückzugeben. Kurz danach benennt der Völklinger Stadtrat die Siedlung »Bouser Höhe« in »Hermann-Röchling-Höhe« um – eine in westlich-demokratischen Staaten ungewöhnliche Ehre.</p>
<p>1994 wird Röchlings inzwischen stillgelegte Hütte von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Noch heute steht das Denkmal des Völklinger Ehrenbürgers Röchling auf der Hermann-Röchling-Höhe – Ehre, wem Ehre nicht gebührt &#8230;</p>
<ul>
<li><a href="http://www.voelklinger-huette.org">Weltkulturerbe Völklinger Hütte</a> </li>
<li><a href="http://www.bouser-hoehe.de/">Einwohner kämpfen für die Umbenennung der »Hermann-Röchling-Höhe«  &#8211; Bitte unterzeichnen Sie die Petition!</a></li>
<li><a href="http://www.roechling.de">Röchlings Erben produzieren inzwischen Kunststoff </a></li>
<li><a href="http://guentherjacob.populus.org/rub/41">Bleibt ein Kriegsverbrecher der Namenspatron? (Rundfunk Berlin-Brandenburg)</a> </li>
</ul>
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</ul>
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		<title>19. Wie die Saarländer zu den Pfälzern der Lothringer wurden</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Feb 2007 09:52:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1935-1945]]></category>
		<category><![CDATA[Josef Bürckel]]></category>
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		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Zeitraum]]></category>

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		<description><![CDATA[
Hitler-Begeisterung der Lothringer Jugend: davon kann Gauleiter Bürckel nur träumen
Nach dem Sieg über Frankreich im Sommer 1940 wird der deutschsprachige Teil Lothringens  an den Gau »Saarpfalz« und damit an Deutschland angeschlossen – wieder ein grandioser Machtzugewinn für Gauleiter Bürckel, der ganz klein als Chef der bäuerlich geprägten Pfalz begann und nun, mit dem Saarland [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts" style="width:175px"><img id="image111" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Lothringens-jugend.jpg" alt="Lothringens Jugend bekennt sich zu Adolf Hitler" /><br />
Hitler-Begeisterung der Lothringer Jugend: davon kann Gauleiter Bürckel nur träumen</div>
<p><strong>Nach dem Sieg über Frankreich im Sommer 1940 wird der deutschsprachige Teil Lothringens  an den Gau »Saarpfalz« und damit an Deutschland angeschlossen – wieder ein grandioser Machtzugewinn für Gauleiter Bürckel, der ganz klein als Chef der bäuerlich geprägten Pfalz begann und nun, mit dem Saarland und Lothringen, über eines der wichtigsten Industriegebiete Mitteleuropas herrscht. </strong> <span id="more-110"></span></p>
<p>Ähnlich wie vorher im Saarland werden auch in Lothringen die Verwaltungsstellen und Bürgermeisterposten mit Pfälzern – nun aber zum Teil auch mit Saarländern –  besetzt (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/93/15-wie-adolf-hitler-fur-die-erfindung-des-pfalzerwitzes-sorgte/">Folge 15 »Wie Adolf Hitler für die Erfindung des Pfälzerwitzes sorgte.«</a>). Und klar, dass auch hier die französischen Ortsnamen verschwinden und durch zum Teil freie Erfindungen der Nazis ersetzt werden. Die »Germanisierung« Lothringens macht sogar vor  einem Verkaufsverbot von Baskenmützen nicht halt. Offizielle Hauptstadt des,  neuerdings »Westmark« genannten, Saar-Pfalz-Lothringen-Gaus wird Saarbrücken. Tatsächlich lenkt Bürckel die Geschicke der Region aber weiterhin von seinem Heimatort, dem pfälzischen Neustadt, aus.</p>
<p>Die meisten Lothringer verweigern demonstrativ die Zusammenarbeit mit den Nazis. Menschen, die vorher nur deutsch gesprochen haben, fangen an Französisch zu parlieren oder sitzen neuerdings über Sprachlehrbüchern. Bei einer Prozession zu Mariä Himmelfahrt  legen die Metzer Bürger Blumengebinde in den Farben Frankreichs nieder. Tausende Lothringer verlassen ihre Heimat und suchen in Frankreich ein neues Unterkommen. Und wer noch nicht freiwillig gegangen ist, der wird gegangen: Nicht weniger als 84.000 Lothringer, die entweder französische Muttersprachler sind oder sonst den Nazis nicht in den Kram passen, werden zwangsumgesiedelt. Das Eigentum der Geflüchteten und Deportierten wird beschlagnahmt und deutschen Siedlern zur Verfügung gestellt. Dass das Verhältnis der alteingesessenen Lothringer zu den Neuankömmlingen eher unterkühlt bleibt, ist wenig verwunderlich.</p>
<p>Immer wieder kommt es zu Reibereien zwischen Lothringer und saarländischen Bergleuten, die nach wie vor zusammen in den Gruben arbeiten. Noch zwei Jahre zuvor unterstützten die Lothringer ihre saarländischen Kollegen bei der Grenzgängerrevolte (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/97/16-die-saarlander-revoltieren-aber-nur-ein-bisschen/">Folge 16 » Die Saarländer revoltieren. Aber nur ein bisschen &#8230;«</a>). Doch nun sind sie auf ihre saarländischen Nachbarn nicht mehr gut zu sprechen. Die Saar-Bergleute werden beschimpft, teilweise kommt es zu Prügeleien. Das seit Jahrhunderten bestehende nachbarschaftliche Verhältnis ist vergiftet. Die Saarländer werden praktisch zu den Pfälzern der Lothringer &#8230;<br />
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		<title>18. Saarländer raus!</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Feb 2007 22:11:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1935-1945]]></category>
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Hitler lässt das Saarland mit lustigen Beton-Höckern dekorieren &#8230;
Die Saarländer stehen Hitlers Plänen im Weg und müssen raus aus dem Saarland &#8230;
Was die Saarländer alles in den ersten 4 Jahren nach dem Anschluss an Deutschland zu ertragen hatten, war noch harmlos im Vergleich zu dem was nun kommen soll: Hitler hat nämlich das Saarland als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image107" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Westwall.jpg" alt="Westwall" /><br />
Hitler lässt das Saarland mit lustigen Beton-Höckern dekorieren &#8230;</div>
<p><strong>Die Saarländer stehen Hitlers Plänen im Weg und müssen raus aus dem Saarland &#8230;</strong><span id="more-109"></span></p>
<p>Was die Saarländer alles in den ersten 4 Jahren nach dem Anschluss an Deutschland zu ertragen hatten, war noch harmlos im Vergleich zu dem was nun kommen soll: Hitler hat nämlich das Saarland als Kampfgebiet für seinen Krieg gegen Frankreich vorgesehen. Zu diesem Zweck wird unter der Bezeichnung »Westwall« das ganze Land mit 4.100 Bunkern, 340 Minenfeldern, 100 km Panzergräben und 60 Kilometer Höckerlinien verunstaltet – von der Festungsbaukunst eines Vauban ist nichts mehr übrig geblieben (vgl. Folge 3 <a href="http://www.sarrelibre.de/34/folge-3-der-sonnenkonig-an-der-saar/">»Der Sonnenkönig an der Saar«</a>). Bauern werden enteignet, Flüsse gestaut oder umgeleitet, Abhänge versteilt. Der <em>Führer</em> schaut persönlich an der Saar vorbei, um die Bauarbeiten zu überwachen. Die monströsen Beton-Gebilde sind zum Teil noch heute zu bewundern.</p>
<h3>Die rote Zone</h3>
<p>Der nächste Schritt ist 1939 die Räumung des Grenzgebiets, der »Roten Zone«. Flächenmäßig ist die Zone zwar nur ein 10 km breiter Streifen, dennoch sind die meisten Saarländer von der Evakuierung betroffen. Das Grenzgebiet ist schließlich mit den Städten Saarbrücken, Dillingen, Völklingen und Saarlouis/»Saarlautern« der am dichtesten besiedelte Teil des Landes. Doch nicht die Sorge um das Wohl und die Gesundheit seiner neuen saarländischen Volksgenossen treibt den <em>Führer</em> um, sondern eher die Angst, so mancher Saarländer könnte Schwierigkeiten haben, in seinem lothringischen Nachbarn,  Kollegen oder Schwager den »Erzfeind« zu sehen.</p>
<h3>Chaotische Szenen</h3>
<p>Am 7. September 1939, dem Tag der Kriegserklärung Großbritanniens und Frankreichs, müssen 300.000 Saarländer ihre Heimat verlassen. In den Städten und Dörfern spielen sich teilweise chaotische Szenen ab: Noch ehe die Männer von der Arbeit heimgekehrt sind, werden die saarländischen Frauen und Kinder schon abtransportiert. Ihr Hab und Gut müssen die Menschen unbeaufsichtigt zurücklassen – ebenso ihre Haustiere. Während dessen schieben sich die diversen Abteilungen der Nazi-Verwaltung die Schuld für die dilettantische Evakuierungsaktion gegenseitig in die Schuhe.</p>
<h3>Saarländer unter Kulturschock</h3>
<p>In Sonderzügen werden die Saarländer ins Innere des Reichs, nach Thüringen, Hessen und Franken, verfrachtet und den dortigen Einwohnern als eher ungebetene Gäste zugeteilt. Die missgestimmten Saarländer stoßen also auf übelgelaunte Gastgeber, die wenig Lust haben die »Saarfranzosen«, »Stockfranzosen« oder das »Zigeunervolk« bei sich zu beherbergen. Teilweise kommt es für die <em>savoir-vivre-</em>gewohnten Saarländer gar zum Kulturschock. So wird etwa aus dem Bezirksamt Ebermannstadt berichtet:</p>
<blockquote><p>»Ein Fehlgriff war es, die evakuierten Volksgenossen aus dem höher kultivierten Saarland in den ärmlichen Dörfern des Fränkischen Jura zu bergen &#8230; Die Bergungsmaßnahmen haben in all diesen Dörfern Unzufriedenheit und Missstimmung ausgelöst, und zwar bei den Saarländern deswegen, weil sie mit der primitiven Unterkunft und der rauen Kost nicht einverstanden sind.«</p></blockquote>
<p>Erst nach 1 Jahr in der Fremde dürfen die Evakuierten wieder in ihre Heimat zurück. Die meisten Saarländer haben Glück und ihre Häuser sind unbeschädigt, ihr Hab und Gut nicht geplündert und ihre Haustiere nicht elendig verendet. Viele Heimkehrer – vor allem aus dem Bliesgau –  stehen jedoch vor den Trümmern ihrer zerstörten Häuser.</p>
<p>Nur wenige ahnen, dass dies nur ein kleiner Vorgeschmack war auf die große Katastrophe, die  noch kommen sollte. Und diejenigen die es ahnen, haben das Land schon lange verlassen &#8230; (vgl. Folge 14 <a href="http://www.sarrelibre.de/90/14-saarlander-auf-der-flucht/">»Saarländer auf der Flucht«</a>)<br />
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		<pubDate>Sun, 15 Oct 2006 12:18:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Den Nazis kommt an der Saar manches französisch vor &#8230; 
Neue Straßennamen sind natürlich obligatorisch, vor allem wenn sie nach Franzosen, bekennenden Demokraten oder ähnlich unbeliebten Personen benannt waren. Über die »Straße des 13. Januar« haben wir ja schon gesprochen (vgl. Folge 12 &#8220;Der 13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren&#8221;) und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Den Nazis kommt an der Saar manches französisch vor &#8230;</strong><span id="more-100"></span> </p>
<p>Neue Straßennamen sind natürlich obligatorisch, vor allem wenn sie nach Franzosen, bekennenden Demokraten oder ähnlich unbeliebten Personen benannt waren. Über die »Straße des 13. Januar« haben wir ja schon gesprochen (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">Folge 12 &#8220;Der 13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren&#8221;</a>) und Saarbrückens »Rue«, die Bahnhofstraße, wird zur Adolf-Hitler-Straße. Doch dabei lassen es die neuen Machthaber nicht bewenden: Im Saarland werden auch allzu undeutsch klingende Ortschaften umbenannt.</p>
<h3>Erfinderische Nazis</h3>
<p>Aus »Beaumarais« wird daher ein behelfsmäßig übersetztes »Schönbruch«,  aus dem bereits mehrfach umbenannten »Bourg-Dauphin« wieder »Neuforweiler« und als dickster Brocken wird »Saarlouis« in das frei erfundene »Saarlautern« umbenannt. Außerdem werden die französisch-bourbonischen Lilien im Saarlouiser Stadtwappen durch ein Hakenkreuz ersetzt.</p>
<h3>Eine germanische Mustersiedlung</h3>
<p>Doch das ist noch nicht alles. Auch die saarländischen Dörfer passen nicht so recht ins deutsche Bild. Also werden vollkommen intakte Häuser abgerissen und durch Gebäude in »germanischer« Bauweise ersetzt. Mit dem »Dorf im Warndt« wird gar eine komplette deutsche Mustersiedlung aus dem Boden gestampft. </p>
<p>Dass das »Dorf im Warndt« ein Dorf im Warndt ist, ist dabei kein Zufall: der Warndt ist jener Zipfel im Südwesten des Landes, der an drei Seiten von Frankreich umschlossen ist (also die Vorderhufe des saarländischen Schweinchens) und dessen Bewohner schon öfter ihren Willen, zu Frankreich zu gehören, bekundet haben.</p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image101" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Forum.jpg" alt="Das Forum" /><br />
Und hier sehen Sie das Forum (geplant) &#8230;<br />
(Fühlt sich da jemand an <a href="http://www.amazon.de/Asterix-Geb-Bd-17-Die-Trabantenstadt/dp/3770400178/sr=1-2/qid=1160910927/ref=sr_1_2/303-5018893-9605003?ie=UTF8&#038;s=books/zippozimmermann">&#8220;Die Trabentenstadt&#8221;</a> erinnert?)</div>
<p>Für Saarbrücken, das »Bollwerk an der Grenze«, hat Gauleiter Bürckel Großes vorgesehen: Der neue »Befreiungsplatz« an der Mainzerstraße (dort wo heute die saarländische Lyoner-Industrie ihren Sitz hat) ist eine verkleinerte Variante des Reichsparteitagsgeländes von Nürnberg und erlaubt nicht weniger als 220.000 Menschen Nazi-Aufmärschen u. dgl. beizuwohnen. </p>
<p>Außerdem soll ein mächtiger Forumsplatz neben dem neuen Theater entstehen. Der Bahnhof soll durch einen Klotz mit riesigem Glockenturm ersetzt werden. Die Pläne für Forum und Bahnhof werden allerdings nicht umgesetzt, denn ab 1939 wird die Stadt nicht mehr zur Ruhe kommen &#8230;<br />
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		<title>16. Die Saarländer revoltieren. Aber nur ein bisschen &#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Oct 2006 14:34:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1935-1945]]></category>
		<category><![CDATA[Adolf Hitler]]></category>
		<category><![CDATA[Hermann Röchling]]></category>
		<category><![CDATA[Josef Bürckel]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
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		<description><![CDATA[
Das süße kleine Saarland wird von der lieben deutschen Mami in den Arm genommen – Schön wär&#8217;s!
Die Saarländer haben was zu meckern. Hitler ist unerwünscht (zumindest in der Schule). Die Grenzgänger revoltieren. Und die Nazis bringen den Closen um (und noch ein paar mehr) &#8230; 
Das Saarland wird in einer Blitzaktion ans Reich angeschlossen. Doch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image96" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/die-saar-kehrt-heim.jpg" alt="Die Saar kehrt heim" /><br />
Das süße kleine Saarland wird von der lieben deutschen Mami in den Arm genommen – Schön wär&#8217;s!</div>
<p><strong>Die Saarländer haben was zu meckern. Hitler ist unerwünscht (zumindest in der Schule). Die Grenzgänger revoltieren. Und die Nazis bringen den Closen um (und noch ein paar mehr) &#8230;</strong> <span id="more-97"></span></p>
<p>Das Saarland wird in einer Blitzaktion ans Reich angeschlossen. Doch nach den Jubelfeiern kommt der große Kater.</p>
<p>Die Franzosen machen beleidigt die Grenze dicht, und die saarländischen Gruben und Hütten sind von einem auf den anderen Tag von ihren Absatzmärkten und Zulieferern abgeschnitten. Die Arbeitslosenzahlen explodieren, die Preise steigen, die Löhne sinken, und die Saarländer sind sauer.  Mancher  Grubenwagen, der aus der Tiefe emporsteigt ist mit Protestparolen verziert: </p>
<blockquote><p>»Deutsch die Saar, immerdar, wär sie doch wieder was sie früher war«</p></blockquote>
<p>(Nebenbei: eine typisch saarländische Form des Protests)</p>
<p>Hinzu kommt, dass im Laufe des Jahres fast alle Juden das Saarland Richtung Frankreich verlassen. Aufgrund der Verträge Deutschlands mit dem Völkerbund (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/90/14-saarlander-auf-der-flucht/">Folge 14</a>) dürfen sie (im Gegensatz zu ihren Leidensgenossen im Reich) ihr Kapital mitnehmen, was der gebeutelten Wirtschaft des Saarlandes einen weiteren Schlag versetzt.  Neuer Lieblingsspruch der Saarländer: </p>
<blockquote><p>»Früher ging’s mir gut, heut geht’s mir besser.<br />
Ich wollt es ging mir wieder gut.«</p></blockquote>
<h3>Don Camillo und Peppone</h3>
<p>Der Versuch, den Einfluss der katholischen Kirche in Schule und Vereinen zurückzudrängen, führt  bei den frommen Saarländern zu Unmut. In vielen Dörfern stehen sich Pfarrer und Ortsgruppenleiter als saarländische Variante von »Don Camillo und Peppone« gegenüber.</p>
<h3>Jesus oder Hitler?</h3>
<p>Im Bergarbeiterdorf Frankenholz eskaliert die Situation: Der bisherige, katholische Schulleiter wird durch den ortsfremden NSDAP-Ortsgruppenleiter Klein ersetzt. Erste Amtshandlung des neuen Mannes: Das Christuskreuz wird durch ein Bild des »Führers« ausgetauscht. Während die Lehrer (bis auf eine Lehrerin) brav mitmachen, sind die Eltern entsetzt ob der gotteslästerlichen Freveltat und wenden sich an Pfarrer Layes. Dieser geißelt in seiner nächsten Sonntagspredigt das schändliche Tun des neuen Schulleiters. Die Eltern schicken daraufhin ihre Kinder nicht mehr zur Schule und fordern in einer Elternversammlung lautstark die Wiederkehr Jesu (an die Klassenzimmerwand). </p>
<p>Klein wendet sich an seine Vorgesetzten und hetzt den Frankenholzern die geheime Staatspolizei (Gestapo) auf den Hals. Auf der Suche nach »Rädelsführern« durchforsten Gestapo-Beamte das Dorf. In stundenlangen Verhören werden 60 Dorfbewohner vernommen. Die streikenden Eltern werden mit 2000 Mark Strafe belegt, die widerspenstige Lehrerin versetzt. </p>
<p>In einer spontanen Protestaktion legen nun die Bergleute der Frankenholzer Grube ihre Arbeit nieder. Doch jetzt schlägt der Nazistaat (für die Saarländer) unerwartet hart zu: 5 Eltern werden verhaftet, 17 Bergleute fristlos entlassen. Der Widerstand ist gebrochen. Die Frankenholzer versichern in einer Erklärung, dass sie treu zum Nationalsozialismus stehen und nur durch ihre religiösen Gefühle etwas verwirrt gewesen seien. Das Hitlerbild bleibt hängen. In anderen Schulen wagen sich die Nazis jedoch nicht mehr, den Jesus an der Wand anzutasten.</p>
<h3>Die Grenzgängerrevolte</h3>
<p>Der absurd unrealistische Umtauschkurs von Franc zu Mark erbost die über 6000  »Grenzgänger«, also diejenigen Saarländer, die in einer französischen Grube arbeiten. Trotz Verbot tauschen die Bergleute ihren Lohn nicht in Deutschland sondern in Frankreich.  Die Grenzposten, die den Auftrag haben, niemanden mit deutscher Währung durchzulassen, werden einfach zu tausenden überrannt. Die Staatsmacht reagiert mit 800 Haftbefehlen, die jedoch gar nicht in die Tat umgesetzt werden können, da überhaupt kein Platz in den Gefängnissen ist. Gleichzeitig wird den Arbeitern eine 30prozentige Ausgleichszahlung versprochen. </p>
<p>Doch damit geben sich die Bergleute nicht zufrieden. Die Kunde vom Protest der Grenzgänger verbreitet sich im ganzen Land. Demonstrationszüge gehen durch die Dörfer, Pfarrer halten Bittgottesdienste ab. Gauleiter Bürckel erhöht die Ausgleichszahlungen auf 50%, nach weiteren Protesten auf 60%. </p>
<p>Doch immer noch kehrt keine Ruhe ein: Nun fordern auch die Pensionäre, die ebenfalls in Franc ausbezahlt werden, Ausgleichszahlungen. Währendessen lassen sich die Bergarbeiter ihren Lohn in Weißbrot einbacken, um die Kontrolleure zu täuschen. </p>
<h3>»Die Nazis hann de Closen umgebrung!«</h3>
<p>Da nicht tausende von Bergarbeitern verhaftet werden können, pickt sich die Gestapo angebliche »Rädelsführer« unter den Bergleuten heraus. Einer davon ist der Lauterbacher Bergmann Andreas Closen. Der stämmige Closen ist dafür bekannt, dass er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält und gerne mal auf den Tisch haut, wenn ihm was nicht passt. Nach 4 Monaten Haft wird Andreas Closen seiner Familie im plombierten Sarg zurückgeschickt: »Todesursache: Lungenembolie«. </p>
<p>Die Familie öffnet trotz strikten Verbotes den Sarg und findet den misshandelten und abgemagerten Körper Closens vor. Wie ein Lauffeuer geht es durch den Ort: »Die Nazis hann de Closen umgebrung!« Die Dorfbewohner und die Bergleute aus nah und fern machen die Beerdigung zur Demonstration gegen die Brutalität des Regimes. Doch die Münder sind verschlossen, der Protest bleibt stumm. Der Terror hat Wirkung gezeigt.</p>
<p>Für die Nazis ist das Saarland also ein einziger Unruheherd. Die Saarländer sind wohl der Ansicht, dass Hitler ihnen, nach ihrem braven Abstimmungsverhalten, etwas mehr schuldet als ein popeliges Theater (das zudem noch die Stadt Saarbrücken zur Hälfte finanzieren musste) (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/93/15-wie-adolf-hitler-fur-die-erfindung-des-pfalzerwitzes-sorgte/">Folge 15</a>). Außerdem haben sie noch keine Bekanntschaft gemacht mit den Terrormethoden der Nazis und treten daher mutiger auf als die bereits eingeschüchterten Menschen im Reich.</p>
<div class="bildrechts" style="width:290px"><img id="image99" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Weinhold.gif" alt="Weinhold" /><br />
Die Weinholds sind nur eine von vielen saarländischen Firmen, die sich billig jüdisches Vermögen abgreifen.</div>
<p>Natürlich gibt es auch jede Menge Saarländer, die vom Anschluss ans Reich profitieren. Vor allem die Fürsprecher des Anschlusses werden mit Karrieren und Posten im neuen Regime belohnt. Der Völklinger Stahlbaron Hermann Röchling (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-%e2%80%93-nur-nicht-gleich/">Folge 11</a>) macht gar Karriere als Hitlers persönlicher Wirtschaftsberater. Viele saarländische Geschäfts- und Privatleute profitieren von den unter Wert abgestoßenen Immobilien der Flüchtlinge.</p>
<h3>Ein allgemeiner Aufstand?</h3>
<p>Vom benachbarten Frankreich aus beobachten die saarländischen Flüchtlinge erfreut die Proteste der Saarländer. Doch die Hoffnung, die Unzufriedenheit würde in einen allgemeinen Aufstand münden, trügt. Den Daheimgebliebenen geht es nicht darum das Regime wegzuputzen, sondern sie möchten einfach ihre vertraute Lebensweise und ihren gewohnten Lebensstandard beibehalten: Kruzifix an der Wand, Geld im Sack <em>unn Haupdsach gudd gess.</em> </p>
<p>Ab 1939 scheinen die Nazis die Lage endlich im Griff zu haben: Kleinere Zugeständnisse, kombiniert mit Terror und Einschüchterung, zeigen ihre Wirkung: Die Saarländer halten von nun an lieber die Klappe. Die wenigen mutigen Menschen, die noch den Mund aufmachen, wie der Saarbrücker Sozialdemokrat Christian Heist, der Sulzbacher Bergmann Matthias Warken, der Dudweiler Bauarbeiter Ludwig Geibig und viele mehr werden ins Konzentrationslager gesteckt oder, wie der Saarbrücker Student Willi Graf, der Malstatter Mechaniker Alois Bach, der Neunkircher Wirt Wilhelm Jung, der Elversberger Heinrich Konrath, der Sulzbacher Rudolf Malter oder der Dillinger Jakob Burger, ermordet.<br />
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		<title>15. Wie Adolf Hitler für die Erfindung des Pfälzerwitzes sorgte.</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Aug 2006 21:02:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[13. Januar]]></category>
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		<description><![CDATA[Hitler bringt den Saarländern ein Geschenk mit und lässt die Pfälzer ins Land. Die Saarländer reagieren auf ihre eigene Weise &#8230;
Für die Dagebliebenen geht alles auf einmal ganz schnell: Bereits am 1. März 1935, wenige Wochen nach Verkündung des Abstimmungsergebnisses (vgl. Folge 12), wird  das Saarland dem Deutschen Reich angeschlossen. Adolf Hitler und die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hitler bringt den Saarländern ein Geschenk mit und lässt die Pfälzer ins Land. Die Saarländer reagieren auf ihre eigene Weise &#8230;</strong><span id="more-93"></span></p>
<p>Für die Dagebliebenen geht alles auf einmal ganz schnell: Bereits am 1. März 1935, wenige Wochen nach Verkündung des Abstimmungsergebnisses (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">Folge 12</a>), wird  das Saarland dem Deutschen Reich angeschlossen. Adolf Hitler und die gesamte Nazi-Führungsriege kommen nach Saarbrücken und lassen sich feiern. </p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image92" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/theater-saar-mini.jpg" alt="Saarbrücker Theater" /><br />
Hitlers Theater beherrscht noch heute das Stadtbild von Saarbrücken. Der 30er-Jahre-Stil ist zwar unverkennbar, erfreulicherweise verzichtete man jedoch auf Elemente faschistischer Monumental-Architektur</div>
<h3>Ein Geschenk des Führers</h3>
<p>Der Führer hat auch ein kleines Geschenk mitgebracht: Er lässt in Saarbrücken, als »Bollwerk der deutschen Kultur in der Westmark«, ein Theater errichten, das »Gautheater Saar-Pfalz«.  Und dieser Name deutet auch schon den nächsten Ärger an: Das Saarland bleibt zwar als Verwaltungseinheit erhalten, wird aber dem Gau Pfalz angeschlossen, und die Saarländer, für die der Anschluss an Deutschland immer gleichgesetzt war mit dem Ende von Fremdherrschaft, sehen sich ein weiteres Mal enttäuscht. </p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image98" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/sb_front-JPG.jpg" alt="Gautheater Saar-Pfalz 1938" /><br />
»Bollwerk der deutschen Kultur in der Westmark«: Das Gau-Theater Saar-Pfalz 1938</div>
<h3>Saarländer vs. Pfälzer</h3>
<p>Die Franzosen räumen ihre Posten in der Verwaltung des Landes und der Gruben und werden eben nicht von Saarländern ersetzt, sondern von – – Pfälzern. Im Saarland gibt es nämlich noch gar keine nationalsozialistische Infrastruktur (schließlich spielte die Nazi-Partei nie eine große Rolle an der Saar) und vielleicht trauen die Nazis den »Saarfranzosen«, trotz des eindeutigen Abstimmungsergebnisses, noch nicht so recht über den Weg. Jedenfalls sehen sich die Saarländer wieder mit neuen Fremdlingen, die ins Land kommen, konfrontiert und reagieren darauf mit einer der bedeutendsten kulturellen Leistungen, die das Land bis heute hervorgebracht hat: der Erfindung des Pfälzerwitzes.</p>
<h3>Witzischkeit kennt keine Grenzen &#8230;</h3>
<p>Ein Witz geht etwa so (behutsam eingedeutscht): </p>
<blockquote><p>»Haschd du schon gehehrt? Die wolle jetzt de Saarbrigger Stadtwald abholze?«<br />
»Ei fürwas das dann?«<br />
»Damit aach jeder Pälzer e Poschde kriet!«</p></blockquote>
<p>Ein anderer geht folgendermaßen (ebenfalls behutsam eingedeutscht): </p>
<blockquote><p>Der Ober: »Darf ich Ihnen einen Pfälzer (Wein) anbieten?«<br />
»Geh fort! Die Pälzer hann ich schon gefress. Dann muss ich se net ach noch trinke!«</p></blockquote>
<p>In jener Zeit wird auch der – freilich für Nicht-Saarländer vollkommen unlustige – Spruch geprägt »Uff die Bääm! Die Pälzer kumme!« (»Auf die Bäume! Die Pfälzer kommen!«)</p>
<p>Der Anschluss an Deutschland bringt schließlich den dritten Schritt zum Land wie wir es heute kennen mit sich: Es heißt nämlich nun ganz offiziell so, wie es schon seit längerem genannt wird und wie wir es hier stets nennen, nämlich »Saarland« (die ersten beiden Schritte waren: 1. Die Festlegung der deutsch-französischen Grenze 1815 [vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/52/folge-7-die-vergesslichen-franzosen/">Folge 7</a>] und 2. Abtrennung von Deutschland 1920  [vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/61/folge-10-ein-land-wird-geboren/">Folge 10</a>]).</p>
<p>Hitlers Theater wird übrigens nach dem Krieg noch eine wichtige Rolle spielen – freilich eine ganz andere als von seinem Erbauer geplant. Doch das soll Thema einer anderen Folge von sarrelibre.de sein  &#8230;<br />
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		<title>14. Saarländer auf der Flucht</title>
		<link>http://www.sarrelibre.de/90/14-saarlander-auf-der-flucht/</link>
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		<pubDate>Tue, 15 Aug 2006 10:53:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[13. Januar]]></category>
		<category><![CDATA[1935]]></category>
		<category><![CDATA[1935-1945]]></category>
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		<category><![CDATA[Personen]]></category>
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		<category><![CDATA[Zeitraum]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Kämpfer für ein freies Saarland fliehen vor der Rache der Nazis und erleben dabei einige Abenteuer &#8230;

Was hat das Borstenvieh mit der saarländischen Geschichte zu schaffen? Die Antwort steht weiter unten im Text &#8230;
Als am 13. Januar 1935 fast 90% der Saarländer für einen Anschluss an Nazi-Deutschland votieren (vgl. Folge 12), kommen sogleich Stimmen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Kämpfer für ein freies Saarland fliehen vor der Rache der Nazis und erleben dabei einige Abenteuer &#8230;</strong><span id="more-90"></span></p>
<div class="bildrechts" style="width:150px"><img id="image89" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/schwein-photocase818967281742.jpg" alt="Schwein" /><br />
Was hat das Borstenvieh mit der saarländischen Geschichte zu schaffen? Die Antwort steht weiter unten im Text &#8230;</div>
<p>Als am 13. Januar 1935 fast 90% der Saarländer für einen Anschluss an Nazi-Deutschland votieren (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">Folge 12</a>), kommen sogleich Stimmen auf, dass das Ergebnis in dieser Höhe nur gefälscht sein kann.</p>
<p>Doch die Frage, ob gefälscht oder nicht, ist eigentlich unwichtig, da die Wahl ohnehin keinen demokratischen Standards genügte: Das Recht auf freie Meinungsäußerung war nämlich praktisch außer Kraft gesetzt worden (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-%e2%80%93-nur-nicht-gleich/">Folge 11</a> und <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">12</a>). Und diejenigen mutigen Männer (und auch Frauen) wie Max Braun oder Johannes Hoffmann, die sich dieses Recht trotzdem nicht haben nehmen lassen, müssen dafür mit der saarländischen Höchststrafe büßen: Sie müssen ihre Heimat verlassen. </p>
<p>Der für das Desaster mitschuldige Völkerbund hat sich immerhin bereits vorsorglich darum gekümmert, dass bei der Flucht alles mit Recht und Ordnung zugeht: Wohlwissend, dass bei einem Anschluss des Saarlandes an Deutschland der Terror ins Land einkehren würde, schließt er noch vor der Abstimmung einen Vertrag mit Deutschland ab, der jedem Saarländer 1 Jahr lang das Recht auf Ausreise zusichert.</p>
<h3>Flüchtlingslager für Saarländer</h3>
<p>Doch so lange warten die meisten gar nicht: Insgesamt ca. 8000 Saarländer verlassen, zum Teil von einem auf den anderen Tag, das Land – gar nicht mitgezählt die tausende von Flüchtlingen aus dem Reich, die zwischen 1933 und 1935 Zuflucht im Saarland gefunden haben, und nun weiterziehen müssen. Fast alle saarländischen Juden nutzen ihr »Ausreiserecht« im Laufe des Jahres 1935. </p>
<p>Max Braun gründet die »Beratungsstelle für Saarflüchtlinge« und kümmert sich darum, dass im französischen Forbach ein Auffanglager eingerichtet wird, in dem die Flüchtlinge ein erstes Unterkommen finden und mit Papieren ausgestattet werden.  Ein Grüppchen Saarflüchtlinge bleibt in Forbach und versucht von dort aus – einigermaßen erfolglos – den Widerstand gegen das Nazi-Regime im Saarland zu organisieren.<br />
Etliche Saarländer schließen sich der französischen Armee und später der <em>Resistance</em> an, während andere im spanischen Bürgerkrieg gegen das faschistische Regime kämpfen.</p>
<p>Doch nach Kriegsausbruch sind die flüchtigen Saarländer auch in Frankreich nicht mehr sicher. Nun müssen sie damit rechnen, von den Franzosen als feindliche Ausländer angesehen zu werden. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs wird der Boden endgültig zu heiß. Viele Saarländer werden von der deutschen Geheimpolizei (Gestapo) aufgespürt und verhaftet. Max Braun flieht nach England, wo er die Briten im deutschsprachigen Propagandafunk beim Kampf gegen die Nazis unterstützt. Braun stirbt 1947 in London, begraben wird er in Saarbrücken. Selbst nach seinem Tode soll Max Braun die Saarländer noch beschäftigen. Doch davon wird in einer späteren Folge zu erzählen sein &#8230;</p>
<h3>Der Chefredakteur als Schweinezüchter</h3>
<div class="bildrechts" style="width:150px"><img id="image94" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Johannes-Hoffmann-1941.jpg" alt="Johannes Hoffmann 1941" /><br />
Johannes Hoffmann 1941 (Foto der brasilianischen Einwanderungsbehörde)</div>
<p>Auch Johannes Hoffmann verlässt  noch im Januar 1935 Hals über Kopf das Saarland und lässt sich in Luxemburg nieder. Da er von den gelegentlichen Veröffentlichungen im »Luxemburger Wort« seine achtköpfige Familie nicht ernähren kann, pachtet der gelernte Journalist und ehemalige Chefredakteur einen Hof und widmet sich mehr schlecht als recht der Schweinezucht. Doch 1940 kommen die Nazis auch in Luxemburg an die Macht. Hoffmann flieht nach Paris, wo er für den deutschsprachigen Kanal des Staatsradios arbeitet. Seine Familie bleibt in Luxemburg. </p>
<p>Nach dem Überfall Deutschlands auf Frankreich packt die Franzosen die Furcht vor Spionen. Alle in Frankreich lebenden Deutschen werden festgenommen. Selbst der als Hitler-Gegner bekannte Johannes Hoffmann wird interniert. Hoffmann wird in ein Militärlager in der Bretagne verfrachtet, das schon bald an die deutschen Besatzungstruppen übergeben wird. Er weiß, wenn er hier nicht raus kommt, kann er die nächsten Jahre im Kerker versauern – und das auch nur, wenn er nicht schon vorher erschossen wird. </p>
<h3>Eine filmreife Odyssee</h3>
<div class="bildrechts" style="width:150px"><img id="image88" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/rio-j0403287.jpg" alt="Rio de Janeiro" /><br />
Brasilien – Zufluchtsort für viele Saarländer</div>
<p>Die nun folgende Odyssee ist filmreif: Mit einem Mitgefangenen entkommt Hoffmann aus dem Lager. Zu Fuß schlägt er sich, an den deutschen Patrouillen vorbei, quer durch das ganze Land in den unbesetzten Teil Frankreichs durch. Während die französischen Behörden nun mit den deutschen zusammenarbeiten, helfen ihm die einfachen Leute auf dem Lande bei der Flucht. In Südfrankreich angelangt, taucht er in einem Kloster des Oblaten-Ordens unter. Doch auch im unbesetzten Frankreich arbeitet die französische Polizei mit den Nazis zusammen (wie jeder weiß, der schon einmal »Casablanca« gesehen hat). Er muss also irgendwie raus aus dem Land.</p>
<p>Mit Hilfe von Freunden in Marseille und in der Schweiz verschafft sich Hoffmann eine neue Identität, ein Visum und eine Schiffsfahrkarte nach Brasilien – dem Land, das bereits im 19. Jahrhundert Tausenden von Auswanderern aus dem Saarland, dem Hunsrück und Luxemburg eine neue Heimat bot. Papst Pius XII sorgt für ein Transitvisum, der im Londoner Exil lebende tschechische Präsident Eduard Benes stellt einen neuen Pass aus. Ein gewisser Jan Jacub Hoffmann ist bald darauf auf dem Weg durch Frankreich und Spanien nach Lissabon, um rechtzeitig das Schiff in die Freiheit zu erreichen. Buchstäblich in letzter Minute erreicht er am 28. April 1941 den rettenden Dampfer gen Rio de Janeiro. Eine fast einjährige Odyssee ist zu Ende.</p>
<h3>Neue Ideen für das Saarland</h3>
<p>In Rio findet er Gastfreundschaft sowie einen Job als Butler im Haus des kanadischen Botschafters, den Hoffmann noch aus der Völkerbundszeit im Saarland kennt. Nach der Kapitulation der deutschen Armee 1945 gehört Johannes Hoffmann zu den ersten, die wieder ins Saarland zurückkehren. Doch das Wiedersehen  ist schmerzlich. Sein zweiter Sohn ist an der Front umgekommen, sein Heimatland ein rauchender Trümmerhaufen. Aus diesen Erlebnissen entwickelt Johannes Hoffmann seine ganz eigenen Vorstellungen, wie es mit dem Saarland weiter gehen soll. Welche das sind, erfahren wir in einer späteren Folge &#8230;</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3935731868/028-6935646-4950153?v=glance&#038;n=299956/zippozimmermann"><strong><em>Buchtipp:</em></strong><br />
Eine abenteuerliche Flucht durch Frankreich ins brasilianische Exil<br />
<strong>Johannes Hoffmann: »Am Rande des Hitlerkrieges«, Tagebuchblätter</strong><br />
Mit einer Karte des Fluchtweges und Anmerkungen von Heinrich Küppers</a> </p>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge: <a href="http://www.sarrelibre.de/93/15-wie-adolf-hitler-fur-die-erfindung-des-pfalzerwitzes-sorgte/">»Wie Adolf Hitler für die Erfindung des Pfälzerwitzes sorgte.«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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<li><a href="http://www.sarrelibre.de/85/13-die-cleveren-nachbarn-der-saarlander-teil-1/" rel="bookmark" title="17. Juli 2006">13. Die cleveren Nachbarn der Saarländer (Teil 1)</a></li>
<li><a href="http://www.sarrelibre.de/61/folge-10-ein-land-wird-geboren/" rel="bookmark" title="19. Juni 2006">10. Ein Land wird geboren</a></li>
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		<title>13. Die cleveren Nachbarn der Saarländer (Teil 1)</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Jul 2006 05:46:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1941-1942]]></category>
		<category><![CDATA[Adolf Hitler]]></category>
		<category><![CDATA[Heim ins Reich]]></category>
		<category><![CDATA[Lotharingien]]></category>
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		<category><![CDATA[Saar-Abstimmung]]></category>
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		<description><![CDATA[
Auch die Luxemburger
lieben’s eher beschaulich &#8230;
Foto: Laurenz Bobke
»Das ging ja einfach!« denkt sich der Führer, als sich die Saarländer nach Volksabstimmung dem Deutschen Reich anschließen (vgl. Folge 12 »Der 13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren«). Und so gibt er persönlich Gauleiter Simon die Anweisung, auch die Luxemburger sollen sich gefälligst freiwillig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts" ><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/luxembourg.jpg" title="Luxembourg"><img id="image86" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/luxembourg.thumbnail.jpg" alt="Luxembourg" /></a><br />
Auch die Luxemburger<br />
lieben’s eher beschaulich &#8230;<br />
<small>Foto: <a href="http://flickr.com/photos/travelphotos/64392864/">Laurenz Bobke</a></small></div>
<p><strong>»Das ging ja einfach!« denkt sich der Führer, als sich die Saarländer nach Volksabstimmung dem Deutschen Reich anschließen (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">Folge 12 »Der 13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren«</a>). Und so gibt er persönlich Gauleiter Simon die Anweisung, auch die Luxemburger sollen sich gefälligst freiwillig Deutschland anschließen &#8230; </strong><span id="more-85"></span></p>
<h3>Einen Tick cleverer &#8230;</h3>
<p>Die Luxemburger, die ein kleines Ländchen nordwestlich des Saarlandes bewohnen, haben mit den Saarländern einiges gemein: Luxemburg liegt an Einwohnerzahl und Fläche in etwa gleichauf mit dem Saarland. Auch hier gibt es eine bedeutende Stahlindustrie. Einst bewohnten Luxemburger und Saarländer zusammen Lotharingien, das »Land dazwischen« (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/22/folge-2-ein-land-dazwischen/">Folge 2 »Ein Land dazwischen«</a>), und beide sprechen die gleiche Sprache, das Moselfränkische (die Saarländer zumindest teilweise). Luxemburg stand ebenso wie das Saarland immer wieder unter dem Einfluss fremder Mächte wie Frankreich oder Preußen, und auch in Luxemburg ließ der Sonnenkönig von seinem Baumeister Vauban eine mächtige Festung errichten (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/34/folge-3-der-sonnenkonig-an-der-saar/">Folge 3 »Der Sonnenkönig an der Saar«</a>). Doch in einem unterscheiden sich die Luxemburger von den Saarländern: Sie sind einen Tick cleverer. Warum, das sehen wir erstmals im Jahr 1941 &#8230;</p>
<h3>»Heim ins Reich« auch für die Luxemburger</h3>
<p>Was bei den Saarländern so gut geklappt hat, versucht Gauleiter Simon nun auch bei den Luxemburgern: er startet nämlich eine Volksbefragung inkl. der dazugehörigen »Heim ins Reich«-Propaganda. In der so genannten »Personenstandsaufnahme« lässt Simon nach »Staatsangehörigkeit«, »Volkszugehörigkeit« und »Muttersprache« fragen. Um den Luxemburgern die »richtige« Antwort etwas zu erleichtern, gibt Simon allerdings nur zwei Wahlmöglichkeiten vor: Deutsch oder Französisch.</p>
<h3>»Drei mal Luxemburgisch!«</h3>
<p>Doch die Luxemburger Widerstandsbewegung macht Simon einen Strich durch die Rechnung: In Flugblatt-Aktionen und Mund-zu-Mund-Propaganda gibt sie die Parole aus »Drei mal Luxemburgisch!«. Und in der Tat, als man mit der Auszählung der Bögen beginnt, zeichnet sich ab, dass 90% der Luxemburger auf alle drei Fragen mit »Luxemburgisch« geantwortet haben. Das Ergebnis der Befragung verschwindet schnellstmöglich in der Schublade. 1942 wird Luxemburg ohne die Zustimmung seiner Einwohner annektiert. Das Hitler-Regime muss sein wahres Gesicht zeigen und die Luxemburger dürfen als Nazi-Gegner in die Geschichte eingehen. Ihre Städte und Dörfer bleiben vom Bombenterror verschont.</p>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge: <a href="http://www.sarrelibre.de/90/14-saarlander-auf-der-flucht/">»Saarländer auf der Flucht«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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<li><a href="http://www.sarrelibre.de/34/folge-3-der-sonnenkonig-an-der-saar/" rel="bookmark" title="1. Mai 2006">3. Der Sonnenkönig an der Saar</a></li>
<li><a href="http://www.sarrelibre.de/93/15-wie-adolf-hitler-fur-die-erfindung-des-pfalzerwitzes-sorgte/" rel="bookmark" title="21. August 2006">15. Wie Adolf Hitler für die Erfindung des Pfälzerwitzes sorgte.</a></li>
<li><a href="http://www.sarrelibre.de/100/17-wie-die-nazis-das-saarland-umbauten/" rel="bookmark" title="15. Oktober 2006">17. Wie die Nazis das Saarland umbauten</a></li>
<li><a href="http://www.sarrelibre.de/95/updates-die-saarlander-erfinden-den-roman-ein-saarlandischer-obelix-ein-dorf-auf-der-grenze-uvm/" rel="bookmark" title="7. September 2006">Updates: Die Saarländer erfinden den Roman, ein saarländischer Obelix, ein Dorf auf der Grenze u.v.m</a></li>
<li><a href="http://www.sarrelibre.de/58/folge-9-ubersinnliche-erscheinungen/" rel="bookmark" title="12. Juni 2006">9. Übersinnliche Erscheinungen</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>12. Der 13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren</title>
		<link>http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/</link>
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		<pubDate>Mon, 10 Jul 2006 05:18:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[13. Januar]]></category>
		<category><![CDATA[1933-1935]]></category>
		<category><![CDATA[1935]]></category>
		<category><![CDATA[Adolf Hitler]]></category>
		<category><![CDATA[Heim ins Reich]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Hoffmann]]></category>
		<category><![CDATA[Max Braun]]></category>
		<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Saar-Abstimmung]]></category>
		<category><![CDATA[Saargebiet]]></category>
		<category><![CDATA[Stichworte]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerbund]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitraum]]></category>

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		<description><![CDATA[
[Bild vergrößern]
Wer die Wahl hat, hat die Qual:
der Abstimmungszettel mit den 3 Möglichkeiten.
Die Augen der Welt sind auf das Saarland gerichtet. Musikalische Argumente werden aufgefahren. Psychoterror und Angst-Fahnen vermiesen die Laune. Und die Saarländer staunen über den  der ersten Blauhelm-Einsatz der Geschichte &#8230;
1935 steht das Saarland vor der Zerreißprobe:
– Anschluss an Deutschland, welches dummerweise [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts" style="width:140px"><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Wahlzettel-19351.jpg" title="Wahlzettel 1935"><img id="image81" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Wahlzettel-19351.thumbnail.jpg" alt="Wahlzettel 1935" /><br />
[Bild vergrößern]</a><br />
Wer die Wahl hat, hat die Qual:<br />
der Abstimmungszettel mit den 3 Möglichkeiten.</div>
<p><strong>Die Augen der Welt sind auf das Saarland gerichtet. Musikalische Argumente werden aufgefahren. Psychoterror und Angst-Fahnen vermiesen die Laune. Und die Saarländer staunen über den  der ersten Blauhelm-Einsatz der Geschichte &#8230;</strong><span id="more-78"></span></p>
<p>1935 steht das Saarland vor der Zerreißprobe:<br />
– Anschluss an Deutschland, welches dummerweise gerade zufällig von einem brutalen Diktator beherrscht wird.<br />
– Oder Weiterbestehen  (»Status quo«) der unbeliebten Völkerbundsherrschaft unter französischem Vorsitz (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-%e2%80%93-nur-nicht-gleich/">Folge 11 »Heim ins Reich – Nur nicht gleich!«</a>).</p>
<p>Hier noch einmal die Argumente der »Einheitsfront«, der Befürworter des Status Quo:</p>
<ol>
<li>Kein innen- und außenpolitischer Propaganda-Erfolg für Hitler durch die Zustimmung der Saarländer.</li>
<li>Keine Ausweitung von Hitlers Unrechtsregimes, das die grundlegendsten Menschen- und Freiheitsrechte mit den Füßen tritt, auf das Saarland.</li>
<li>Keine Legitimation für die weitere Ausdehnung des deutschen Reiches und der damit verbundenen Gefahr eines neuen Weltkrieges.</li>
<li>Das Saarland als freier Brückenkopf, von dem aus der Kampf gegen Hitler organisiert wird (zugegeben: ein wenig illusorisch dieser Wunsch, aber von Max Braun und Co. durchaus ernst gemeint)</li>
<li>Außerdem: Kein Anschluss an ein durch Wirtschaftskrise und Hyperinflation gebeuteltes Deutschland</li>
</ol>
<p>Die »Deutsche Front« (die Befürworter des Anschlusses) halten mit der folgenden Argumentation dagegen:</p>
<ol>
<li>Deutsch ist die Saar</li>
<li>Deutsch immerda</li>
<li>Und deutsch ist unseres Flusses Strand</li>
<li>Und ewig deutsch mein Heimatland</li>
<li>Mein Heimatla&#8230;ha&#8230;hand, mein Heimatland.</li>
</ol>
<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image82" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Fahnen-klein.gif" alt="Fahnenverkauf" /><br />
Saarländische Geschäftsleute erkennen die Zeichen der Zeit und verkaufen die derzeit so angesagten Wink-Elemente.<br />
Das Kaufhaus der Gebrüder Sinn hat offensichtlich sogar eine eigene Fahnen-Abteilung.</p>
<p>Die Sinns haben übrigens ihre ganz eigenen Gründe für den Anschluss zu werben: Sie haben nämlich ein fettes Gerichtsverfahren wegen Schmuggelei am Hals, das von den deutschen Gerichten natürlich nicht weiterverfolgt würde; die saarländisch-deutsche Grenze zu ignorieren gilt im Reich logischerweise nicht als Straf-, sondern als Heldentat &#8230;</p></div>
<p>Die Argumentation der »Deutschen Front« hat den entscheidenden Vorteil, dass sie sich zur Melodie des bei den Saarländern äußert populären Liedes »Glück auf, der Steiger kommt« singen lässt, während die Hymne der Gegenseite, Brechts »Haltet die Saar, Genossen!«, eine griffige <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hookline">Hookline</a> missen lässt (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-%e2%80%93-nur-nicht-gleich/">Folge 11 »Heim ins Reich – Nur nicht gleich!«</a>).</p>
<p>Doch noch ein weiteres Problem plagt die »Status-Quoler«: Der Völkerbund kann den Saarländern keine zweite Abstimmung nach dem Sturz Hitlers garantieren. Auch darüber, ob die Saarländer zukünftig selbst ihre Regierung wählen dürfen, hüllt man sich in der Genfer Völkerbunds-Zentrale in Schweigen.</p>
<h3>Angst-Fahnen und Psychoterror</h3>
<p>Kurz vor der Wahl erreicht der Psychoterror neue Dimensionen: Die Saarbrücker Zeitung fordert alle Saarländer auf, sich durch die Beflaggung ihrer Häuser öffentlich zu Deutschland zu bekennen. Als just an den Häusern von bekannt frankophilen Saarländern die größten Hakenkreuz-Flaggen wehen, kommt das Wort von den »Angst-Fahnen« auf. Gerüchte über »Schwarze Listen«, auf denen die Namen von »Vaterlandsverrätern« notiert sind,  machen die Runde. (Die Hakenkreuzflagge ist übrigens zu jener Zeit noch nicht das Gruselsymbol, das sie heute ist, sondern die offizielle Nationalflagge des Deutschen Reiches.)</p>
<p>Die Wahl-Kommission des Völkerbundes reagiert mit rührend hilflosen Aufforderungen zu mehr Fairness:</p>
<blockquote><p>»Die Propaganda, zu welcher jede Partei berechtigt ist, soll positiv sein, also vor allem die Gründe betonen, die zugunsten des eigenen Standpunktes sprechen, nicht aber darauf hinzielen, die anderen Parteien anzugreifen. Jedenfalls soll es unterlassen werden, die anderen Parteien in verächtlichem Tone zu behandeln und herabzusetzen. Ausdrücke wie &#8216;Landesverräter, Mordbande, Gesindel’ und dergl. können nicht geduldet werden.«</p></blockquote>
<h3>»Blauhelme« an der Saar</h3>
<p><img align="right" id="image84" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/wir-halten-die-saar.gif" alt="Wir halten die Saar" />Die Saar-Regierungskommission fürchtet, nicht mehr Herr der Lage zu werden und bittet den Völkerbund um Truppen-Unterstützung – der erste »Blauhelm«-Einsatz der Geschichte!</p>
<p>Unter dem neugierigen Staunen der Saarländer marschieren im Winter 1934 4000 Soldaten  aus Schweden, Großbritannien, Italien und den Niederlanden mitsamt Panzerfahrzeugen ins Saarland ein. Doch glücklicherweise kommt es nicht zur Konfrontation. Die »Blauhelme« vermeiden jeden Anschein von Besatzern und die Saarländer sind beeindruckt vom korrekten Verhalten der exotischen Fremdlinge: Gegenseitige Einladungen werden ausgesprochen, man veranstaltet »internationale« Fußballturniere.</p>
<p>Am 6. Januar 1935 finden die beiden letzten Großkundgebungen der beiden gegnerischen Parteien im Stadion Kieselhumes (Einheitsfront) und auf dem Sportplatz Wackenberg (Deutsche Front) statt – mit der Rekordbeteiligung von jeweils über 100.000 Teilnehmern. </p>
<h3>Im Brennpunkt der Weltöffentlichkeit</h3>
<p>Das einst beschauliche Saarbrücken ist nicht wiederzuerkennen: hunderte von Journalisten Fotografen, Filmteams aus der ganzen Welt tummeln sich in den Straßen, ergänzt durch patrouillierende Soldaten der internationalen Truppe. Vor dem Café Kiefer versammeln sich Scharen von Saar-Amerikanern auf der Suche nach einer Bleibe. Die Augen der Welt sind auf das Saarland gerichtet.</p>
<h3>»Erstes Gebot: Maul halten!«</h3>
<p><img align="right" id="image83" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/13-januar.gif" alt="13. Januar - Heim ins Reich" />Am Wintersonntag des 13. Januar des Jahres 1935 ist es dann so weit: Der Tag der Abstimmung. Die Saarländer karren alles was saarländisch ist und Beine hat (oder auch nicht) durch den Schneematsch zu den Wahllokalen. Tausende von Exil-Saarländern aus den USA reisen zur Abstimmung an. </p>
<p>Vor den Wahllokalen bilden sich lange Schlangen. Anhänger der deutschen Front halten Schilder hoch: »Erstes Gebot: Maul halten!« Tumulte oder Ausschreitungen könnten nämlich zur Ungültigkeit der Wahl führen. Journalisten und Filmteams wuseln um die Menschenschlangen. Immer wieder leuchten grell die Magnesium-Blitzlichter der Fotografen. Soldaten patrouillieren mit schussbereiten Waffen. Es kommt zu keinerlei Ausschreitungen. Die Wahl verläuft ruhig und geordnet.</p>
<h3>Hitler hört Radio</h3>
<p>Nach der Wahl werden die Urnen aus dem ganzen Land unter militärischer Bewachung in die Saarbrücker Wartburg zur Auszählung gebracht.</p>
<p>Die Verkündigung des Wahlergebnis am Morgen des 15. Januar ist dann wohl das erste politische Ereignis, dessen Ablauf durch die Medien bestimmt wird: Der schwedische Präsident der Wahlkommission darf die Zahlen nämlich erst verkünden, als alle Leitungen für die weltweite Live-Übertragung stehen. Auch Hitler selbst erfährt das Ergebnis erst aus dem Radio: Um Informationslecks auszuschalten wurden alle aus dem Saarland herausführenden Telefonleitungen gekappt. </p>
<p>Und so sieht’s aus:<br />
46.613 Saarländerinnen und Saarländer (8,87%) stimmten für den Beibehalt der Völkerbundsregierung (Status quo), 477.119 (90,73%) stimmten für die Vereinigung mit Deutschland und 2.124 (0,40%) für die Vereinigung mit Frankreich. Wahlbeteiligung: 97,88% (!). Wobei das Ergebnis ein leichtes  Südwest-Nordost-Gefälle hat: In den Städten an der französischen Grenze (Saarlouis und Saarbrücken) ist die Zustimmung für den Status Quo etwas höher, in den ländlichen Gebieten nahe der deutschen Grenze liegt dagegen die Zustimmung für den Anschluss bei nahezu 99%.</p>
<p>Wie auch immer:  Über 90% der Wahlberechtigten haben für Deutschland gestimmt und bereiten damit Hitler einen grandiosen Prestige-Erfolg und Image-Gewinn. Selbst für die glühendsten Nationalisten ist das Ergebnis eine Sensation. Die  Anhänger der »Einheitsfront« sind wie vor den Kopf geschlagen. Max Braun und Johannes Hoffmann sind sich sicher, dass das Ergebnis gefälscht sein muss. Braun verkündet noch am gleichen Tag: »Wir kämpfen weiter!« Ein Journalist im Publikum fragt: »Wieso? Wo? Womit?« </p>
<h3>»Ri, ra, ratsch – weg mit Statuts Quatsch!«</h3>
<p>Derweil kommen die Menschen in den Straßen zu spontanen Jubelfeiern zusammen. Auf dem Lande »beerdigen« Jugendliche mit »Matz Braun« und »Status Quo« beschriftete Strohpuppen und rufen »Ri, ra, ratsch – weg mit Statuts Quatsch!«. Die Regierungskommission teilt Max Braun und Johannes Hoffmann mit, dass sie für deren Sicherheit nicht mehr garantieren könne. </p>
<div class="bildrechts"><img id="image87" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/schild01mittel.jpg" alt="Strasse des 13. Januar" /><br />
Vom Schlachthof zur Polizeikaserne:<br />
Straße des 13. Januar<br />
<small>Foto: <a href="http://www.fragment.de/installationen/strasse_des_13_januar/strasse_des_13_januarhtml/strasse_des_13_januar.html">Mia Unverzagt</a></small></div>
<p>Die Regierung Deutschlands ordnet an, dass in den deutschen Städten »Saarlandstraßen« bzw. »Saarstraßen« zu benennen seien (falls Sie in einer wohnen sollten: jetzt wissen Sie warum sie so heißt). Außerdem werden in den saarländischen Städten je eine »Straße des 13. Januar« und ein »Befreiungsplatz« benannt.<br />
Die Saarbrücker »Straße des 13. Januar« heißt noch heute so. Sie führt vom Schlachthof zur Polizeikaserne.</p>
<p>15 Jahre lang war »Deutsch ist die Saar« praktisch das Credo der Saarländer und »Wir sind unterdrückt und fremdbeherrscht« ihre Selbstdefinition. 15 Jahre lang fieberten sie dem Tag der Abstimmung, dem Tag der Erlösung, entgegen, und den wollten sie sich weder von den Nazis noch den Nazi-Gegnern miesmachen lassen. Psychoterror, Gruppendruck und massive Propaganda-Unterstützung aus dem Reich taten ein übriges. Und dem Wort der Bischöfe zu widersprechen fiel den frommen Saarländern ohnehin nicht ein &#8230;</p>
<div class="bild"><img class="bildlinks" id="image117" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/tablett1935-3.jpg" alt="Tablett" />
<p><small>Tablett der damals in Ensheim ansässigen Gebr. Adt, gefertigt aus gelacktem Pappmaché, mit Hakenkreuz als aufgehende Sonne. Merchandising der frühesten Art &#8230;<br />
(Dank an Paul Glass)</small></p>
</div>
<p>Waren also über 90% der Saarländer Nazis? Sicher nicht. Sicher ist allerdings, dass über 90% der Saarländer ziemlich dumm waren. Das schöne kleine Land gerät so in die Fänge des brutalen Diktators Hitler. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf &#8230;</p>
<p>Am 13. Januar 1945 fliegen britische Bomber den letzten vernichtenden Angriff auf Saarbrücken, während die wenigen Einwohner, die noch in der geräumten Stadt geblieben sind, den zehnten Jahrestag der Abstimmung feiern. Ob sie einen Zusammenhang erkennen &#8230; ?</p>
<ul>
<li><a href="http://members.fortunecity.com/reisenge/SAAR/1935/1935b.htm">Bilder der internationalen Truppen im Saarland 1934 und 1935</a></li>
<li><a href="http://www.fragment.de/index.php?id=319&#038;L=de">Plakataktion der saarländischen Künstlerin Mia Unverzagt zur »Straße des 13. Januar«</a></li>
<li><a href="http://www.bild.t-online.de/BTO/sport/wm2006/aktuell/06/12/ballack-italien-shirt/ballack-italien-t-shirt.html">Anscheinend gibt es neuerdings wieder Flaggen-Pflicht:<br />
»Ganz Deutschland trägt Schwarz-Rot-Gold – außer Ballack«</a></li>
<li><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3935731760/028-7247118-3674911?v=glance&#038;n=299956/zippozimmermann">Buchtipp:<br />
<strong>»Hier spricht die Saar &#8211; Ein Land wird interviewt«</strong>,<br />
Die Volksabstimmung 1935 im Fokus der internationalen Presse.<br />
Drei Reportagen von Theodor Balk, Ilya Ehrenburg, Philippe Soupault,<br />
mit Fotos von Robert Capa</a></li>
</ul>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge: <a href="http://www.sarrelibre.de/85/13-die-cleveren-nachbarn-der-saarlander-teil-1/">»Die cleveren Nachbarn der Saarländer (Teil 1)«</a></em></p>
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		<item>
		<title>11. Heim ins Reich – Nur nicht gleich!</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jun 2006 05:52:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[13. Januar]]></category>
		<category><![CDATA[1933-1935]]></category>
		<category><![CDATA[Adolf Hitler]]></category>
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		<category><![CDATA[Völkerbund]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitraum]]></category>

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		<description><![CDATA[Oder: Wer kriegt den Schlüssel zur Ludwigskirche?
Hitler kommt  an die Macht. Und die Saarländer sind verwirrt &#8230;

Darf der da &#8230; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160; &#160; &#160; &#160; &#160; &#160; &#160;&#160;&#160;  &#8230; da rein?

Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Kanzler des deutschen Reiches ernannt. Und die Saarländer sind sich auf einmal gar nicht mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Oder: Wer kriegt den Schlüssel zur Ludwigskirche?</h4>
<p><strong>Hitler kommt  an die Macht. Und die Saarländer sind verwirrt &#8230;</strong></p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image75" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/hitler-ludwigskirche.jpg" alt="Hitler in die Ludwigskirche?" /><br />
Darf der da &#8230; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;  &#8230; da rein?</div>
<p><span id="more-70"></span></p>
<p>Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Kanzler des deutschen Reiches ernannt. Und die Saarländer sind sich auf einmal gar nicht mehr so einig. Bis zu diesem Datum war klar, dass man von der Quasi-Kolonialherrschaft Frankreichs die Nase voll hatte und sich bei der anstehenden Volksabstimmung für den Anschluss an Deutschland entscheiden würde. Aber sollen die saarländischen Parteien immer noch für die Rückkehr in ein Deutschland werben, in dem Hitler alle anderen Parteien verboten hat? Sollen die Katholiken den antikatholischen Hitler wählen, die Sozialdemokraten den antisozialdemokratischen, die Liberalen den antiliberalen, die Kommunisten den antikommunistischen Hitler?</p>
<p>Die Antwort lautet: – – Ja. Die saarländischen Parteien halten kurz inne, machen dann aber weiter wie bisher. Die Kommunisten tönen gar völlig hirnfrei: »Zurück zu Deutschland, und wenn’s ins KZ geht!«. Einzig eine Gruppe, die sich unter der Führung des Journalisten Johannes Hoffmann von der katholischen Zentrumspartei abgespalten hat, verkündet eine neue Maxime: Anschluss an Deutschland: Ja – aber nicht sofort, sondern erst wenn Hitler wieder abgesetzt ist und im Reich wieder Demokratie und Freiheit herrschen. Oder kurz: »Heim ins Reich – nur nicht gleich!« Bis es soweit ist (Hoffmann &#038; Co hoffen auf ein baldiges Ende des Nazi-Spuks), sollen die Saarländer den »Status quo«, also die Fortsetzung der Völkerbundsverwaltung, wählen. </p>
<p>Ein Anschluss an Frankreich steht jedoch auch bei den Hitler-Gegnern nicht zur Debatte. Die Saarländer trauen nach den vergangenen Erfahrungen den Franzosen nicht zu, dass sie die Kultur und Sprache der Saarländer respektieren würden.</p>
<h3>Promis mischen sich ein</h3>
<div style="width:230px" class="bildrechts">
<div class="bildrechts"><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/01.jpg" title="Wasserscheide"><img id="image73" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/01.thumbnail.jpg" alt="Wasserscheide" /></a><br />
<small><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/01.jpg" title="Wasserscheide">[Bild vergrößern]</a></small></div>
<p>»Das Saarland den Saarländern!« – Die Franzosen werben mit geologischer Logik:<br />
Alle Flüsse im Saarland fließen in die Mosel, während die deutschen Flüsse in den Rhein fließen. Die Wasserscheide (»Ligne de partage des eaux«) trennt also Deutschland und das Saarland.<br />
Leider wird die schöne Logik dadurch zerstört, dass die Mosel ebenfalls in den Rhein fließt &#8230;</p>
<p>Aber auch die Deutschen bemühen sich um »wissenschaftliche Beweise« für die Zugehörigkeit des Saarlandes zu Deutschland – mit Hilfe der eigens gegründeten Frankfurter »Saar-Forschungsgemeinschaft«.</p></div>
<p>Während Hitler im Reich eine Terrorherrschaft errichtet, wird das Saarland zum letzten freien Zipfel Deutschlands. Für Hitlergegner, Politiker, Schriftsteller, Intellektuelle aus dem ganzen Reich wird das Saarland zum Zufluchtsort. Bertolt Brecht fordert mit seinem Lied <a href="http://www.uni-saarland.de/~ref61hby/PM-0101.html">»Haltet die Saar, Genossen!«</a> die Saarländer zum Votum gegen Hitler auf (»Das Deutschland das wir wollen / Muß ein anderes Deutschland sein.«). Kriegsberichterstatter Robert Capa (später durch seine Foto-Dokumentation der Kriege in Spanien und Vietnam berühmt) dokumentiert die gespannte Lage an der Saar. Auch die Schriftsteller Heinrich und Thomas Mann, Kurt Tucholsky, Filmregisseur Max Ophüls sowie der Künstler John Heartfield werben für den »Status Quo«. Die noch freie saarländische Presse und die zahlreichen Flüchtlinge aus dem Reich berichten von den Verbrechen Hitlers.</p>
<h3>Wir schlagen Hitler an der Saar!</h3>
<div style="width:190px" class="bildrechts"><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/spsb.jpg" title="Anti-Hitler-Flyer"><img id="image72" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/spsb.thumbnail.jpg" alt="Anti-Hitler-Flyer" /><br />
[Bild vergrößern]</a><br />
Saarländer gegen Hitler: Ein Pro-&#8221;Status quo&#8221;-Flyer appelliert an die Vernunft mit erschreckend realistischen Warnungen.</p>
<p>Soviel auch zum Thema »Das hammir doch sellemols alles garnet gewisst!«.</p></div>
<p>Die neue Situation führt inzwischen auch bei Sozialdemokraten und Kommunisten zur Einsicht, dass ein Saarland unter Naziherrschaft in keiner Weise wünschenswert sein kann und sie schließen sich 1934 mit Hoffmanns Katholiken zur »Einheitsfront« zusammen. Kopf der Einheitsfront wird der erbitterte Hitler-Gegner und Sozialdemokrat Max Braun. Enthusiastisch und optimistisch verkündet er das neue Motto: »Wir schlagen Hitler an der Saar!« Besonders eifriger Kämpfer der saarländischen Kommunisten gegen den Wiederanschluss ist übrigens ein gewisser Erich Honecker.</p>
<h3>Nazis ziehen die Fäden</h3>
<div style="width:150px" class="bildrechts"><img id="image76" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/200-klein.jpg" alt="Deutsch ist die Saar" /><br />
Auch damals tat man schon mit <em>badges</em> und <em>buttons</em> seine politische Meinung kund.</div>
<p>Bereits ein Jahr zuvor haben sich die Pro-Anschluss-Parteien – also das katholische Zentrum, die Nationalsozialisten und die kleineren nationalen und liberalen Parteien – zur »Deutschen Front« (DF) zusammengeschlossen. Die Deutsche Front darf sich über massive Propaganda-Unterstützung aus dem Reich freuen. Obwohl die Nationalsozialistische Partei (NSDAP) im Vergleich zur Volkspartei »Zentrum« nur ein kleines Licht ist, übernimmt sie dank ihrer besten Connections zum Reich bald die inoffizielle Führungsrolle in der »Deutschen Front«. Nach außen tritt die DF jedoch mit einer bürgerlich-katholischen Führungsriege aus angesehehenen Unternehmern und Geistlichen auf. Von Berlin aus unterstützt der saarländische Nationalsozialist Heinrich Schneider die Aktionen der Deutschen Front (Schneider wird uns 20 Jahre später noch einmal begegnen &#8230;). </p>
<p>Das Leitmedium &#8220;Saarbrücker Zeitung&#8221; wird von Nazis unterwandert und zur Stimme der Deutschen Front umgebaut. Die ohnehin schon national angehauchten saarländischen Turn- und Gesangsvereine werden mit großzügigen Zuschüssen bedacht für sogenannte »Saarkundgebungen« – Massenspektakel der »vaterländischen Treue« – und für Vereinsfahrten ins Reich. Die Vereine erweisen sich dankbar, indem sie »unpatriotische« Mitglieder rauswerfen.</p>
<h3>Drei Vaterunser für das Vaterland</h3>
<p>Desweiteren kann die Deutsche Front auf zwei mächtige Unterstützer setzen: Die Kirche und der Stahlbaron. Der Völklinger Industrielle Herrmann Röchling hat in den vergangenen Jahren mit Hilfe von national gesinnten Kreditgebern aus dem Reich allen Übernahmeversuchen der Franzosen getrotzt. Nun setzt er massiv seine Arbeiter unter Druck und droht nach alter Tradition des Königs von Saarabien mit Entlassung bei politisch unliebsamen Äußerungen (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/58/folge-9-ubersinnliche-erscheinungen/">Folge 9 »Der König von Saarabien«</a>). Währenddessen fordert der Trierer Bischof Franz Rudolf Bornewasser, von der Angst getrieben mit dem Saarland den größten Teil seines Bistums zu verlieren, in einem Hirtenbrief seine Schäfchen auf, für den Anschluss an Deutschland zu stimmen. </p>
<p>Zwar wagen es die saarländischen Geistlichen nicht, ihrem Chef öffentlich zu widersprechen, dennoch gibt es auch vereinzelte Gottesdiener, die sich angesichts der Verbrechen Hitlers für den »Status quo« einsetzen. </p>
<p>Die Bischöfe im Reich setzen derweil auf die Kraft des Gebets: </p>
<blockquote><p>»Als deutsche Katholiken sind wir verpflichtet, für die Größe, die Wohlfahrt und den Frieden unseres Vaterlandes uns einzusetzen. Deshalb verordnen wir, dass an genanntem Sonntag in allen Kirchen nach dem allgemeinen Gebet 3 Vaterunser und Ave Maria mit den Gläubigen gebetet werden, um einen für unser deutsches Volk segensreichen Ausgang der Saarabstimmung zu erflehen.«</p></blockquote>
<p>Katholik Hoffmann setzt dagegen:</p>
<blockquote><p>»Wir wollen das Saarvolk nicht der brutalen und frivolen Gewalt Hitlers ausliefern. Zu diesem Regime uns zu bekennen, das den guten Namen Deutschlands schändet, täglich schändet, das lehnen wir ab mit aller Entschiedenheit.«</p></blockquote>
<p>Doch die Stimme der Vernunft hat es nicht leicht: Überall werden die »Status-Quoler« verspottet, geschnitten, ausgegrenzt und ausgeschlossen, beleidigt, als »Verräter« gebrandmarkt und mit »Abrechnung« nach der Abstimmung bedroht.</p>
<h3>Hitler auf Wahlkampf-Tour</h3>
<div style="width:190px" class="bildrechts"><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/appell.jpg" title="Treuekundgebung"><img id="image77" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/appell-klein.jpg" alt="Treuekundgebung" /><br />
[Bild vergrößern]</a><br />
Hitler weiß wie man eine fetzige Wahlkampf-Veranstaltung aufzieht.</div>
<p>Während die Franzosen das Interesse am Saarland anscheinend verloren haben, geht Hitler auf Wahlkampf-Tour. Zwar darf er nicht ins Saarland einreisen, inszeniert aber im Grenzgebiet »Treuekundgebung« genannte Massenspektakel speziell für die Saarländer. Höhepunkt ist die Treuekundgebung in Koblenz, zu der 200 000 Saarländer (= fast ein Viertel  der  Bevölkerung) in 56 Sonderzügen herangekarrt werden, um  ihrem künftigen Führer zuzujubeln. Wohl wissend, dass man die bieder-katholisch-konservativen Saarländer nicht mit martialischen »Blut und Boden«-Sprüchen und germanischem Mystik-Schmuh ködern kann, gibt sich Hitler ganz friedsam, lobt das Christentum und bezeichnet das Saarland als die  »einzige Territorialfrage zwischen Frankreich und Deutschland«.</p>
<blockquote><p>»Der Hitler, der jemals die Saar bekäme, bliebe an der Saargrenze nicht stehen, sondern mit dem Schlüssel der Ludwigskirche würde er den Versuch machen, in das Straßburger und Metzer Münster einzudringen.«<br />
<cite>Max Braun, saarländischer Chef-Sozialdemokrat</cite>
</p></blockquote>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge am 10. Juli: <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">»13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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		<item>
		<title>10. Ein Land wird geboren</title>
		<link>http://www.sarrelibre.de/61/folge-10-ein-land-wird-geboren/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Jun 2006 05:03:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1914-1933]]></category>
		<category><![CDATA[Saargebiet]]></category>
		<category><![CDATA[Stichworte]]></category>
		<category><![CDATA[Völkerbund]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Franzosen sind wieder da. Es gibt mal wieder Ärger. Und die Saarländer zeigen Flagge – leider die falsche &#8230;
Rüstungswahn und Nationalismus stürzen Europa in den ersten Weltkrieg, Deutschland mit Überfällen auf seine Nachbarn vorneweg. Auch viele junge Saarländer melden sich in nationaler Begeisterung freiwillig an die Front. Darunter auch ein gewisser Johannes Hoffmann, von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img id="image63" align="right"  src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/flagge.gif" alt="Frankreich Trikolore" /><strong>Die Franzosen sind wieder da. Es gibt mal wieder Ärger. Und die Saarländer zeigen Flagge – leider die falsche &#8230;</strong><span id="more-61"></span></p>
<p>Rüstungswahn und Nationalismus stürzen Europa in den ersten Weltkrieg, Deutschland mit Überfällen auf seine Nachbarn vorneweg. Auch viele junge Saarländer melden sich in nationaler Begeisterung freiwillig an die Front. Darunter auch ein gewisser Johannes Hoffmann, von dem wir später noch hören sollen.</p>
<p>Ein Kriegsteilnehmer nach dem anderen fängt an die <a href="http://rk19-bielefeld-mitte.de/info/Recht/Haager_Landkriegsordnung/inhalt.htm">Haager Landkriegsordnung</a> zu ignorieren, den letzten Überrest Zivilisation. Moderne Waffentechnik wie Panzer, U-Boote und Flugzeuge, Maschinengewehre und Giftgas fordern 10 Millionen Tote und lassen im Nachhinein das Gemetzel von 1870 (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/58/folge-9-ubersinnliche-erscheinungen/">Folge 9</a>) als Kindergeburtstag erscheinen. Nach 4 mörderischen Kriegsjahren hat Deutschland den übermächtigen alliierten Truppen nichts mehr entgegenzusetzen und kapituliert. </p>
<h3>Die Herzen der Saarländer</h3>
<div class="bildrechts" style="width:170px"><img id="image64" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/pe03906-klein_.jpg" alt="Franzose" /><br />Sollen die Saarländer zukünftig so aussehen?<br />
Naja, Stangenweißbrot essen sie ja schon. Rotwein ist auch OK. Aber diese komischen Mützen? Näää &#8230;</div>
<p>Im Friedensvertrag von Versailles werden wieder einmal neue Grenzlinien gezogen. Bei dieser Gelegenheit möchte sich Frankreich das Saarland flugs unter den Nagel reißen. Doch US-Präsident Wilson verkündet die neueste Maxime, die da lautet »Selbstbestimmungsrecht der Völker«. Die Saarländer haben also in einer Volksabstimmung die einmalige Chance, selbst zu entscheiden, zu welchem Land sie gehören wollen. Doch bis es soweit ist, darf Frankreich die Kohlengruben des Saarlandes 15 Jahre lang ausbeuten (als Entschädigung für die Zerstörungen durch die deutsche Armee). Verwaltet wird das Land in dieser Zeit von einer Regierungskommission des Völkerbundes (eine Art Vorläufer der UNO), unter dem Vorsitz Frankreichs. 15 Jahre Zeit also für Frankreich »die Herzen der Saarländer zu gewinnen«.</p>
<p>Dieser Vertrag von Versailles gilt als die eigentliche Geburtsstunde des Saarlandes. Es taucht 1920 zum ersten Mal in ungefähr der Form, wie wir es heute kennen, auf der Landkarte auf. </p>
<p>Während also im übrigen Deutschen Reich (von den Saarländern ab jetzt kurz »es Reich« genannt) erstmalig Demokratie und Freiheit einkehren, haben es die Saarländer wieder einmal mit neuen Herren zu tun.</p>
<p>Die Franzosen belassen es nicht bei der Ausbeutung der Kohlengruben, sondern kaufen sich in die Stahlwerke ein, gliedern das Saarland in den französischen Wirtschaftsraum ein und führen schließlich den französischen Franc als alleiniges Zahlungsmittel ein. Letzteres bekommt den Saarländern gar nicht so schlecht, erweist sich doch das Franzosengeld als deutlich stabiler als die deutsche Mark.</p>
<h3>Franzosen gegen Saarländer</h3>
<p><img align="right" id="image62" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/eiffelturm.gif" alt="Eiffel-Turm" />Die Strategie Frankreichs, die Volksabstimmung zu gewinnen, ist, aus den Saarländern Franzosen zu machen (in der Fantasie des französischen Ministerpräsidenten Clemenceau leben im Saarland ohnehin bereits 150 000 »Saarfranzosen«). Frankophile Vereinigungen und Zeitungen werden großzügig unterstützt. Zwangsweise werden französische Schulen eingeführt.  Die gesamte Verwaltung wird mit französischen Beamten besetzt, die oft kein deutsch können. Auch der saarländische Regierungschef Victor Rault ist der deutschen Sprache nicht mächtig. </p>
<p>Doch die Französisierungsmaßnahmen haben genau den gegenteiligen Effekt: die Saarländer wehren sich durch Streiks – die Regierungskommission antwortet mit dem Kriegsrecht. Und die älteren Saarländer haben ein Deja vu (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/52/folge-7-die-vergesslichen-franzosen/">Folge 7 »Adieu Sarre-libre!«</a>). </p>
<p>Bevor es zur Eskalation kommt, schalten sich die übrigen Völkerbundsmitglieder ein und ermahnen die Regierungskomission grundlegende Freiheitsrechte einzuhalten. Die Saarländer bekommen daraufhin sogar ein frei gewähltes Parlament spendiert, das jedoch einen kleinen Schönheitsfehler hat: Es hat überhaupt nichts zu sagen. </p>
<h3>Die Lieblingsparteien der Saarländer</h3>
<p>Nichtsdestotrotz gewährt es schon mal einen Einblick, wie die Saarländer politisch so ticken: Ganz im Gegensatz zu anderen Industrierevieren wählen die Saarländer mehrheitlich die katholische Zentrumspartei, während Sozialdemokraten, Kommunisten und die Liberalen eine untergeordnete und die Nationalsozialisten überhaupt keine Rolle spielen. Letztere tauchen erst 1932 mit mageren 6,7% im Parlament auf, während sie in dieser Zeit im »Reich« bereits Wahltriumphe feiern können.</p>
<div class="bildrechts" style="width:150px"><img id="image66" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/deutschland-flagge.gif" alt="Flagge der Weimarer Republik" /><br />
So ist&#8217;s brav:<br />
Flagge des demokratischen Deutschland (»Weimarer Republik«)</p>
<p><img id="image65" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/kaiserreich-flagge.gif" alt="Flagge des deutschen Kaiserreiches" /><br />
So nicht:<br />
Flagge des deutschen Kaiserreichs von 1871</div>
<h3>Die Saarländer zeigen Flagge – nur leider die falsche &#8230;</h3>
<p>Zur bewusst pro-deutschen (und damit anti-französischen) Demonstration wird  – organisiert von den saarländischen Vereinen – 1925 die »Rheinische Jahrtausendfeier« inszeniert. Sie soll an den Anschluss Lotharingiens (also auch der »Rheinlande«) zu Deutschland erinnern – ein heute vollkommen in Vergessenheit geratenes Ereignis (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/22/folge-2-ein-land-dazwischen/">Folge 2: »Ein Land dazwischen«</a>). Im ganzen Land werden Freudenfeuer entzündet und Fahnen geschwenkt – allerdings zumeist das Schwarz-Weiß-Rot des Kaiserreiches und nicht das Schwarz-Rot-Gold des demokratischen Deutschlands. In Frankreich ist die Message jedenfalls angekommen: »Die Partie war schön. Wir haben sie verpfuscht.« »Le Plébiscite est fait – die Abstimmung ist gelaufen«</p>
<p>Die »Herz-Gewinnungs«-Aktionen Frankreichs sind also grandios gescheitert und für die Saarländer – gleich welcher politischen Richtung sie zugeneigt sind – ist demnach vollkommen klar, dass sie sich bei der anstehenden Volksabstimmung für den Anschluss an Deutschland entscheiden werden &#8230;</p>
<p>&#8230; bis zum 30. Januar 1933 &#8230;</p>
<p><a href="http://www.memotransfront.uni-saarland.de/htm/2x3.htm#Regionalhistorischer">»» Mehr über den Streit um die französischen Schulen »»</a></p>
<p><em>Lesen Sie die in der nächste Folge am 26. Juni: <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-–-nur-nicht-gleich/">»Heim ins Reich – Nur nicht gleich!«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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		<title>9. Übersinnliche Erscheinungen</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Jun 2006 05:41:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1815-1914]]></category>
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		<category><![CDATA[Französische Revolution]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Gemetzel findet statt. Die Jungfrau Maria erscheint. Und eine Hexenjagd beginnt &#8230;

Schaut auch mal im Saarland vorbei: die hl. Jungfrau Maria 
 Die feindselige Stimmung den Preußen gegenüber ändert sich allmählich: 1870 wird Saarbrücken von den Franzosen besetzt. In einem bis dato beispiellosen Gemetzel vor den Toren der Stadt, bei dem 7000 Menschen sterben, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Gemetzel findet statt. Die Jungfrau Maria erscheint. Und eine Hexenjagd beginnt &#8230;</strong><span id="more-58"></span></p>
<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image59" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/madonna.jpg" alt="Madonna von Marpingen" /><br />
Schaut auch mal im Saarland vorbei: die hl. Jungfrau Maria </div>
<p> Die feindselige Stimmung den Preußen gegenüber ändert sich allmählich: 1870 wird Saarbrücken von den Franzosen besetzt. In einem bis dato beispiellosen Gemetzel vor den Toren der Stadt, bei dem 7000 Menschen sterben, besiegt die preußische Armee schließlich das französische Heer. </p>
<h3>Es Schultze Kathrin</h3>
<p>Zum saarländischen Mythos wird dabei Katharine Weißgerber, genannt »Schultze Kathrin«. Die Saarbrücker Hausangestellte kümmert sich selbstlos um die Verwundeten auf beiden Seiten – eine gern erzählte Geschichte, um dem unbarmherzigen Massaker noch etwas Menschliches abzugewinnen.</p>
<p>Die Preußen werden von nun an als Schutztruppe vor den Franzosen gefeiert. Der Sieg über Frankreich und die darauf folgende Vereinigung der deutschen Staaten zu einem neuen Kaiserreich lässt den deutschnationalen Rausch auch ins Saarland schwappen. Der deutschsprachige Teil Lothringens und das Elsass werden dem deutschen Reich einverleibt und das Saarland liegt auf einmal wieder mitten in Deutschland (naja: fast). Der saarländischen Industrie, die sich jetzt Richtung Westen orientiert, gibt dies jedenfalls weiteren Auftrieb.</p>
<h3>Brutale Preußen gegen fromme Saarländer</h3>
<p>Doch es geht auch künftig nicht ohne Reibereien: 1876 erscheint im saarländischen Marpingen, glaubwürdigen Augenzeugenberichten zufolge, die heilige Jungfrau Maria höchstselbst. Täglich pilgern bis zu 20 000 Gläubige zur Stätte des Wunders. Wunderheilungen finden statt. Doch dem antikirchlich eingestellten Preußen ist die Frömmigkeit der tiefgläubigen Saarländer suspekt. Die preußische Regierung schickt Truppen nach Marpingen, um die Versammlungen aufzulösen. Die Soldaten vertreiben die Betenden mit aufgesetzem Bajonett und Kolbenschlägen, besetzen das Dorf, schütten die »Gnadenquelle« zu und riegeln die Erscheinungsstätte ab. Erst 1919, wenn die Preußen die Macht im Saarland wieder an die Franzosen abgeben, wird das Betreten der wundersamen Stätte wieder erlaubt sein.</p>
<h3>Der König von Saarabien</h3>
<p>Auch an der Lage der Arbeiter ändert sich nichts; sozialdemokratische Umtriebe werden nicht geduldet. Insbesondere Stahlbaron Carl Ferdinand von Stumm (genannt »der König von Saarabien«) veranstaltet eine Hexenjagd auf echte und vermeintliche Sozialdemokraten. Schon in einer Kneipe gesehen zu werden, in der eine unerwünschte Zeitung ausliegt, kann den Job kosten:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir entlassen jeden Arbeiter, der einem sozialdemokratischen Vereine beitritt, der eine sozialdemokratische Zeitung liest, oder der selbst ein Wirtshaus besucht, in dem sozialdemokratische Versammlungen abgehalten werden oder in dem ein sozialdemokratisches Blatt ausliegt.&#8221;<cite>Carl Ferdinand von Stumm 1880 vor dem deutschen Reichstag</cite></p></blockquote>
<p>Gleichzeitig begeistern sich die Saarländer für den deutschen Kaiser und das deutsche Reich. 1904 errichten die Städte Saarbrücken und St. Johann gar ein riesiges Reiterstandbild für den Kaiser. Das nationale Thema wird geboren. Es wird bis in die 1950er Jahre eine wichtige Rolle in dem kleinen Land spielen.</p>
<p><em><a href="http://www.gottesmutter.de">Â» Die Madonna von Marpingen is back und hat inzwischen eine eigene Homepage zwecks Online-Verehrung: www.gottesmutter.de Â»</a><br />
</em></p>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge am 19. Juni: <a href="http://www.sarrelibre.de/61/folge-10-ein-land-wird-geboren/">»Ein Land wird geboren«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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		<title>8. Die Saarländer entdecken das Bier</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jun 2006 07:17:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1815-1914]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Saarländer reden auf einmal ganz anders und entdecken die Vorzüge der Hopfenkaltschale &#8230;

&#8230; werden immer häufiger nachgefragt: Produkte der »Bayrischen Brauerei zum Karlsberg« 
Mit der Industrialisierung explodiert die Bevölkerungszahl des Saarlandes. Hunderttausende von Einwanderern – nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus vielen anderen Ländern Europas – finden Arbeit in den Gruben und Hütten. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Saarländer reden auf einmal ganz anders und entdecken die Vorzüge der Hopfenkaltschale &#8230;</strong><span id="more-54"></span></p>
<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image55" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/HansiUrPils.jpg" alt="Hansi Urpils" /><br />
&#8230; werden immer häufiger nachgefragt: Produkte der »Bayrischen Brauerei zum Karlsberg« </div>
<p>Mit der Industrialisierung explodiert die Bevölkerungszahl des Saarlandes. Hunderttausende von Einwanderern – nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus vielen anderen Ländern Europas – finden Arbeit in den Gruben und Hütten. Malstatt-Burbach wird zur neuen Boomtown. Das Zwerg-Städtchen, das 1818 gerade mal 800 Einwohner zählt, vervierzigfacht (!) seine Einwohnerzahl innerhalb weniger Jahrzehnte auf 32 000 (Ironie der Geschichte: die Ex-Boomtown ist heute Saarlands Problemviertel Nummer 1).</p>
<p>Dennoch leben die meisten Saarländer weiterhin auf dem Land: Um von dem kargen Lohn ihre Familien durchzubringen, sind die Arbeiter nämlich gezwungen, nebenher noch Landwirtschaft zu betreiben. </p>
<p>Daneben hat der Bevölkerungszustrom noch zwei eher kuriose Folgen: </p>
<ol>
<li>Die Mundartgrenzen verschieben sich. Sprachen die Saarländer noch Anfang des 19. Jahrhunderts vorwiegend Moselfränkisch, so wird der Dialekt in der industriereichen Südhälfte des Landes vom Rheinfränkischen verdrängt. Gleichzeitig wird das einst protestantische Saarbrücken von katholischen Einwanderern aus der Pfalz, Luxemburg, dem Hunsrück und Lothringen überschwemmt. Saarbrücken ist jetzt – genau wie bereits das übrige Saarland – katholisch.</li>
<li>Die harte Arbeit in den Gruben und Hütten verlangt nach energie- und flüssigkeitsreichen Getränken: die Saarländer werden von Wein- zu Biertrinkern. In den meisten Teilen des Landes verschwinden die Weingärten, die so charakteristisch für die saarländische Hügellandschaft waren, und stattdessen schießen allenthalben die Brauereien aus dem Boden.</li>
</ol>
<p><em>Dann mal</em> Prost <em>und</em> À la votre <em>bis zur nächsten Folge am 12. Juni: <a href="http://www.sarrelibre.de/58/folge-9-ubersinnliche-erscheinungen/">»Übersinnliche Erscheinungen«</a></em><br />
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		<title>7. Die vergesslichen Franzosen</title>
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		<pubDate>Mon, 29 May 2006 06:20:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1815-1914]]></category>
		<category><![CDATA[Napoleon]]></category>
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		<description><![CDATA[
Die Saarländer bekommen Zugang zur Nordsee
Die Franzosen ziehen ab und vergessen jemanden. Und die neuen Herren an der Saar scheffeln reichlich Kohle &#8230; 
Nach Napoleons Niederlage beraten 1815 die Mächtigen über die neue Landkarte Europas: Erst einigt man sich darauf, das Saarland bei Frankreich zu belassen, bei neuen Verhandlungen muss Frankreich jedoch auf die Saar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts" style="width:150px"><img id="image53" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Brandung.PICT3724.jpg" alt="Meer" /><br />
Die Saarländer bekommen Zugang zur Nordsee</div>
<p><strong>Die Franzosen ziehen ab und vergessen jemanden. Und die neuen Herren an der Saar scheffeln reichlich Kohle &#8230; </strong><span id="more-52"></span></p>
<p>Nach Napoleons Niederlage beraten 1815 die Mächtigen über die neue Landkarte Europas: Erst einigt man sich darauf, das Saarland bei Frankreich zu belassen, bei neuen Verhandlungen muss Frankreich jedoch auf die Saar verzichten und bekommt dafür das Elsass und ein saarlandloses Lothringen. Die Einwohner der jeweiligen Länder werden natürlich nicht gefragt.  Dieser »Zweite Vertrag von Paris« ist ein weiterer Schritt zum Saarland, wie wir es heute kennen: Die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich verläuft jetzt nämlich erstmals dort, wo sie auch heute (wieder) ist. </p>
<h3>Ein Dorf auf der Grenze</h3>
<p>Doch die teilweise willkürlich erscheinende neue Grenzziehung sorgt für Irritationen: Ebenso überrascht wie entsetzt sind die Einwohner des Dorfes Leidingen darüber, dass die deutsch-französische Grenze nun mitten durch ihr Dorf verläuft. Doch nach der anfänglichen Verwirrung beschließen die Leidinger einfach die Grenze zu ignorieren und an ihrem gemeinsamen Dorfalltag festzuhalten. Erst 1939 wird auf der französischen Seite eine eigene Kirche eingeweiht werden – als bewusster Akt der Distanzierung von Nazi-Deutschland.</p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0" width="100%">
<tr>
<td valign="top">
<blockquote><small>»Am hällen Dach<br />
metten of da Gass<br />
han aich de Grenz gefonn.<br />
Wat hòtt dii dòò valooa<br />
valooa?«</small></p></blockquote>
</td>
<td valign="top">
<blockquote><small>Am helllichten Tag<br />
mitten auf der Straße<br />
hab ich die Grenze<br />
gefunden.<br />
Was hatte die da<br />
verloren?</small></p></blockquote>
</td>
<td valign="top">
<blockquote><small>En plein jour<br />
au beau milieu de la route<br />
j&#8217;ai trouvé<br />
la frontière.<br />
Qu&#8217;y avait-elle<br />
perdu?<br />
<cite>Alfred Gulden</cite></small></p></blockquote>
</td>
</tr>
</table>
<p>Die Franzosen ziehen also ab und das Saarland wird aufgeteilt zwischen den beiden deutschen Staaten Preußen und Bayern – bis auf einen winzigen Teil im Norden, der nun sozusagen einen Zugang zum Meer bekommt:  Die Grafschaft »Birkenfeld« wird nämlich als Enklave dem Großherzogtum Oldenburg zugesprochen. </p>
<p>Dabei darf man sich die damaligen deutschen Staaten nicht wie die heutigen Bundesländer vorstellen: Sie waren autonome Gebilde mit Zollgrenzen, bewachten Grenzübergängen, eigener Währung und sogar eigenen Maßen und Gewichten.</p>
<h3>Ein braver Franzmann</h3>
<div class="bildrechts" style="width:180px"><img id="image51" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/lacroix.jpg" alt="Soldat Lacroix" /><br />
Als Bronzemann hält Lacroix noch immer Wache in Saarlouis <small>(Foto: Stadtarchiv Saarlouis)</small></div>
<p>Auch Sarre-Louis wird nun erstmals deutsch. Beim Abzug aus der Festung vergessen die Franzosen allerdings einen ihrer Soldaten: Als die Preußen die Stadt übernehmen wollen, schiebt er weiterhin unverzagt Wache. Der Mann, der als »der brave Soldat Lacroix« in die Geschichte  (oder besser »in die Geschichten«) eingehen sollte, wird zunächst verhört. Doch es stellt sich schnell heraus, dass Meister Lacroix weder Spion noch Saboteur ist, sondern einfach eine Kombination aus Dienstbeflissenheit und schlichtem Gemüt. </p>
<p>Die Preußen sind von der Standhaftigkeit des Mannes derart beeindruckt, dass sie ihn mit Proviant, Pfeife und Tabak ausstatten, bis zur Grenze eskortieren und seinen abgezogenen Kameraden hinterherschicken. Die Sarrelouiser küren später den braven Franzmann zu ihrem Maskottchen und setzen ihm ein Denkmal.</p>
<h3>Adieu Sarre-libre!</h3>
<p>Während im bayrischen Teil des Saarlandes viele freiheitliche Errungenschaften der französischen Revolution beibehalten werden, ist es im preußischen Teil nun vorbei mit dem Sarre-libre. </p>
<p>Für Preußen ist das Saarland sowohl eine Goldgrube als auch wichtige Ressource für die Aufrüstung zur europäischen Militärmacht. Die bereits im 18. Jahrhundert begonnene Industrialisierung wird forciert, die Landesverwaltung und die Aufsicht über die Gruben preußischen Beamten unterstellt. </p>
<p>Die gigantischen Gewinne des reichen Landes fließen nach Berlin und in die Taschen der Stahlbarone, während die saarländischen Arbeiter in Armut leben. Aufkeimende Proteste und Streiks werden von den preußischen Truppen rücksichtslos unterdrückt. </p>
<p>Zum Erstaunen der bürgerlichen Presse engagieren sich auch die saarländischen Frauen im Kampf der Bergarbeiter:</p>
<blockquote><p>»Eine ganz neue Erscheinung in dem Ausstande ist die Betheiligung der Frauen.  (&#8230;) Es sind die reinsten Furien, alte und junge Mütter reizen Gatten und Söhne zum Ausstand an und entfalten eine agitatorische Thätigkeit, die ihres Gleichen sucht&#8230; Überall im ganzen Gebiete ziehen die Frauen jedes Alters mit in die Versammlungen und höhnen und schmähen in den gemeinsten Ausdrücken die arbeitswilligen Bergleute und deren Frauen«<br />
<cite>Kölnische Zeitung</cite></p></blockquote>
<p>Viele freiheitlich gesinnte Saarländer flüchten in den bayrischen Teil des Landes. Die Bayern werden nicht so sehr als Besatzer wahrgenommen (auch wenn die wirtschaftliche Situation der Arbeiter nicht besser ist) und noch heute wird auf Volksfesten im ehemaligen bayrischen Teil des Saarlandes gelegentlich die weiß-blaue Flagge gehisst.</p>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge am 5. Juni<a href="http://www.sarrelibre.de/54/folge-8-die-saarlander-entdecken-das-bier/"> »Die Saarländer entdecken das Bier«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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		<item>
		<title>6. Napoleon und sein saarländischer General</title>
		<link>http://www.sarrelibre.de/49/napoleon-und-sein-saarlandischer-general/</link>
		<comments>http://www.sarrelibre.de/49/napoleon-und-sein-saarlandischer-general/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 22 May 2006 05:31:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Stichworte]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitraum]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Handwerkersohn aus Saarlouis wird zu einem der mächtigsten Männer Frankreichs [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Handwerkersohn aus Saarlouis wird zu einem der mächtigsten Männer Frankreichs &#8230;</strong><span id="more-49"></span></p>
<div class="bildrechts" style="width:150px"><img id="image48" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/ney.jpg" alt="Michel Ney" /><br />
Wohl der einzige Saarländer, der es bis zur Zinnfigur geschafft hat: Michel Ney.</div>
<p>Zwar begrüßten die Saarländer die französische Revolution, weniger begeistert waren sie allerdings über den Kriegsdienst in Napoleons Heer. Nichtsdestotrotz ging daraus eine recht schillernde Gestalt hervor: Michel Ney, Sohn eines Sarrelouiser (oder zu jener Zeit besser »Sarrelibrer«) Küfers.</p>
<p>Ney tritt in Napoleons Heer ein, macht dort eine rasante Karriere und steigt zum Top-General und »Marschall von Frankreich« auf (Vor der französischen Revolution wäre ein solcher Posten für einen Handwerkersohn undenkbar gewesen!). Mehr als einmal riskiert Ney Kopf und Kragen für Napoleon und wird dafür von seinem Chef zum »brave des braves« (»der Tapferste der Tapferen«) erklärt.</p>
<p>Als Ney jedoch den Wahnsinn von Napoleons Angriffskriegen erkennt, versucht er zunächst seinen Chef davon abzuhalten und stürzt sich schließlich dann doch voller Elan als »brave des braves« in genau den Russlandfeldzug, den er eigentlich versucht hat zu verhindern.</p>
<p>Später gelingt es ihm, Napoleon vom Marsch auf Paris abzuhalten und so einen Bürgerkrieg zu verhindern. Nach Napoleons Rückkehr aus dem Exil stellt er sich jedoch wieder auf dessen Seite und kämpft wie ein Besessener in der Schlacht von Waterloo, obwohl ihm klar ist, dass es da nichts mehr zu reißen gibt.</p>
<p>1815 wird Michel Ney nach einem Schauprozess wegen »Verrats an der französischen Nation« erschossen &#8230;<br />
&#8230; zumindest scheint es so. Nach dem angeblichen Tod von Ney taucht nämlich im amerikanischen Carolina ein gewisser »Peter Stewart Ney« auf, der relativ unauffällig als Lehrer wirkt – bis auf die Tatsache, dass er gerne mal einen über den Durst trinkt und dann von seinen angeblichen militärischen Heldentaten in den napoleonischen Kriegen prahlt.<br />
Die Wahrheit ist irgendwo da draußen &#8230;</p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image50" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/neygrab.jpg" alt="Grab von Michel Ney?" /><br />
Liegt hier in Cleveland/North Carolina tatsächlich Michel Ney begraben?</div>
<p><a href="http://www.memotransfront.uni-saarland.de/htm/3x55.htm">Mehr über Michel Ney »»</a><br />
<a href="http://library.davidson.edu/archives/ency/ney.asp">Mehr über den geheimnisvollen Peter Stewart Ney (Englisch) »»</a></p>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge am 29. Mai: <a href="http://www.sarrelibre.de/52/folge-7-die-vergesslichen-franzosen/">»Die vergesslichen Franzosen«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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		<title>5. Die Saarländer als Revoluzzer (Update 26.7.2009)</title>
		<link>http://www.sarrelibre.de/46/folge-5-die-saarlander-als-revoluzzer/</link>
		<comments>http://www.sarrelibre.de/46/folge-5-die-saarlander-als-revoluzzer/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 15 May 2006 06:23:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1789-1815]]></category>
		<category><![CDATA[Französische Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken]]></category>
		<category><![CDATA[Saarlouis]]></category>
		<category><![CDATA[Stichworte]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitraum]]></category>

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		<description><![CDATA[Die französische Revolution macht auch im Saarland Station und in »Sarre Libre« rollen die Köpfe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die französische Revolution macht auch im Saarland Station, und in »Sarre Libre« rollen die Köpfe &#8230;</strong><span id="more-46"></span></p>
<p>In der Zeit der französischen Revolution (ab 1789) revolutionieren die Saarländer fleißig mit. Viele saarländische Gemeinden begrüßen die französischen Revolutionstruppen und schließen sich spontan der neuen Republik Frankreich an.</p>
<blockquote><p>Die Leidenschaften der Menschen an der Saar erwachten, und das Feuer der Begehrlichkeit wuchs unter ihnen heran; gedemütigte Städter und unterdrückte Bauern, Unzufriedene wie Wohlmeinende kamen aus ihren Häusern, Hütten und Höfen und eilten, die Trikolore entfaltend, durch die Straßen und Gassen. Sie strömten in hellen Scharen auf die Märkte und Plätze und schrien die Parolen der Revolution – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit –  aus ehrlich begeistertem Herzen. Tapfere St. Johanner traten aus ihren Bürgerhäusern, Kaufläden und Werkhallen heraus, erhoben ihr stolzes Haupt und zeigten kühn das freie Antlitz. Sie steckten sich die Kokarde an den Hut, zogen, die Marseillaise singend, zum Marktbrunnen, pflanzten auf dem Rathausplatz die schönste Fichte aus dem Stadtwald als Freiheitsbaum auf und ließen den Ruf erschallen: Es lebe die Republik!</p></blockquote>
<p>Noch 1918 lobt der spätere französische Außenminister André Tardieu die saarländischen Revoluzzer:</p>
<blockquote><p>»Für das französische Geschichtsbewusstsein werden die Saarländer durch diesen Akt zu Gliedern der Gemeinschaft der Franzosen. Weder Blut noch Sprachzugehörigkeit verlangt die französische Nation von ihren Kindern, sondern die Mitwirkung an der &#8216;Großen Revolution’.«</p></blockquote>
<h3>Wendezeit und Wendehälse</h3>
<p>Die Saarbrücker sind da zurückhaltender und nutzen die Wendestimmung, um ihrem Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken eine fünfseitige Liste mit Forderungen zu unterbreiten (von Einsicht in die Landeskasse und dem Wegfall von Hausdurchsuchungen bis zur Streichung der Gebühr zur Haltung einer Ziege und der Erlaubnis des Kartenspiels). Um seinen Thron zu retten, wird Ludwig zum Wendehals und darf erst mal weiter regieren. Sogar mit den französischen Revolutionstruppen arrangiert sich der Fürst: Sie dürfen sich im Schloss einquartieren; er selbst zieht um in sein Neunkircher Jagdschlösschen.</p>
<p>Unterdessen werden die Revolutionäre in Frankreich immer radikaler, und als 1793 von Paris die Order ausgeht, alle Adligen zu verhaften, hält Ludwig es nun doch für angebracht, sich von der ohnehin schwindenden Macht zu verabschieden und dem schönen Saarland den Rücken zu kehren. Als das Verhaftungskommando an die Pforte des Neunkircher Jagdschlosses klopft, ist der Fürst längst bei Verwandten jenseits des Rheins untergekommen (wo die Welt noch in absolutistischer Ordnung ist).</p>
<p><img id="image45" style="border: 0px initial initial;" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/schlossbrand1793-klein.jpg" alt="Brand des Saarbrücker Schloss" /><br />
Revoluzzer am Werk? Das Saarbrücker Schloss in Flammen</p>
<h3>Das Schloss in Flammen</h3>
<p>Kurz nachdem Ludwig sich aus dem Staub gemacht hat, steht das Saarbrücker Schloss in Flammen. Doch wer waren die Brandstifter?</p>
<ol type="a">
<li>Saarbrücker Revolutionäre? Würde nicht so viel Sinn ergeben; zu revolutionieren gab’s ja nix mehr: Der Fürst war längst weg.</li>
<li>Franzosen? Die nutzten das leere Schloss als Truppenquartier; wieso sollten sie sich selbst in Brand stecken?</li>
<li>Konterrevolutionäre? Na, da würde sich der Fürst aber schön freuen, wenn seine Freunde sein prächtiges Schloss abfackelten.</li>
</ol>
<p>Wie auch immer: Großen Schaden richtete das Feuer nicht mehr an. Die wirklich wertvollen Sachen hatte der Fürst ins Exil mitgenommen, und den Rest hatten sich längst clevere Saarbrücker Bürger still und heimlich unter den Nagel gerissen. Noch im späten 19. Jahrhundert werden immer wieder gar fürstlich anmutende Möbelstücke in Saarbrücker Wohnhäusern entdeckt.</p>
<p>Die Theorie von den zündelnden Franzosen wird im 19. und 20. Jahrhundert natürlich gerne von der deutschnationalen Propaganda aufgegriffen und findet sich als »wissenschaftliche Tatsache« gar bis heute in diversen Geschichtsbüchern wieder.</p>
<p>Fürst Ludwig war übrigens der Pechvogel des Herrschergeschlechts zu Nassau: Die Nachfahren seiner adligen Verwandten – Königin Beatrix der Niederlande und Großherzog Henri von Luxemburg – sitzen noch heute auf ihren Thronen.</p>
<h3>Sarrelibre!</h3>
<p>Noch weitaus turbulenter geht es allerdings in Sarre-Louis zu: Während die Saarbrücker Fürsten in den letzen Jahrzehnten den Wohlstand ihrer Untertanen mit wirtschaftlichen Reformen gemehrt hatten (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/42/folge-4-eine-weise-stadt/">Folge 4</a>), war Sarre-Louis inzwischen nur noch eine Enklave – der östlichste Außenposten Frankreichs, wirtschaftlich und kulturell abgeschnitten vom Mutterland. Die Sarre-Louiser nennen ihre nach dem König benannte Stadt kurzerhand in »Sarre-Libre« um (aha!) und zählen fortan zu den radikalsten Revolutionären Frankreichs. Mit einer eigens konstruierten mobilen Guillotine werden auf dem Großen Markt Hinrichtungen an »Revolutionsfeinden« vollzogen.</p>
<p>Ob Saarbrücker Wendehälse oder Saarlouiser Radikalos: Alle zusammen werden mit dem deutschen Gebiet diesseits des Rheins schließlich 1797 der neuen Republik Frankreich angeschlossen. Wieder wird die Provinz »Sarre« eingerichtet, doch diesmal mit – man höre und staune – Trier als Hauptstadt (heute: Rheinland-Pfalz).</p>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge: <a href="http://www.sarrelibre.de/49/napoleon-und-sein-saarlandischer-general/">»Napoleon und sein saarländischer General«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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		<title>3. Der Sonnenkönig an der Saar</title>
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		<pubDate>Mon, 01 May 2006 09:08:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1643-1715]]></category>
		<category><![CDATA[Lotharingien]]></category>
		<category><![CDATA[Lothringen]]></category>
		<category><![CDATA[Ludwig XIV]]></category>
		<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Saarlouis]]></category>
		<category><![CDATA[Stichworte]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitraum]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Franzosen kommen! Und der Sonnenkönig spendiert den Saarländern eine neue Stadt  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Saarländer erfinden den Roman. Und der Sonnenkönig spendiert den Saarländern eine neue Stadt &#8230;</strong><span id="more-34"></span></p>
<p>Das nun deutsche Lotharingien verliert jetzt auch noch seine Nordteile (die Niederlande). Der übrig gebliebene Rest heißt nun einfach kurz »Lothringen«. In dieser Form übersteht das Land mitsamt der Saar relativ friedlich das Mittelalter. </p>
<p>Im 15. Jahrhundert erfinden die Saarländer gar den deutschen Roman – oder genauer gesagt: eine Saarländerin. Elisabeth von Lothringen schreibt um 1437 deutsche Fassungen von französischen Ritterromanen. Bis dahin gab es nämlich nur Gedichte und Lieder auf deutsch, aber keine Prosa. Nebenbei ist die rührige Elisabeth auch noch Oberhaupt der Grafschaft Saarbrücken, nachdem ihr Mann 1429 das Zeitliche gesegnet hat. Ihr Grabmal kann man in der Saarbrücker Stiftskirche St. Arnual besichtigen.</p>
<h3> Die Franzosen kommen!</h3>
<p>Im 17. Jahrhundert ist jedoch das ruhige Leben der Saarländer vorbei: Es kommt immer wieder zu Zu- und Übergriffen Frankreichs auf das »Land dazwischen«.  Im dreißigjährigen Krieg werden zum ersten Mal Teile des Saarlandes von Frankreich annektiert. Im sogenannten »Reunionskrieg« versucht der französische König mit juristischen Tricks oder – wo das nicht funktioniert – mit Waffengewalt das ehemalige Lotharingien mit Frankreich &#8220;wiederzuvereinen&#8221; und fackelt dabei Saarbrücken bis auf 8 Häuser ab.</p>
<div class="bildrechts" style="width:150px"><img id="image32" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Saarlouis-1693-klein.jpg" alt="Plan von Saarlouis" /><br />
Ein echtes Juwel, die neue Stadt. Auch Chef-Architekt Vauban zeigt sich zufrieden mit seinem Werk: »Einer der schönsten und angenehmsten Orte im Königreich!«<br />
<img id="image30" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Saarlouis-stadtwappen.gif" alt="Saarlouis Wappen" /><br />
Saarlouiser Wappen:<br />
»Dissipat Atque Fovet – (Die Sonne) zerstreut und erwärmt«<br />
<img id="image29" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Saarlouisfu%C3%9Fizone.jpg" alt="Saarlouis heute" /><br />
So sieht’s in der einst schönsten Stadt Frankreichs heute aus. Immerhin legt sie Zeugnis ab von einem friedlicheren Europa: Die Festungsanlagen sind nun Kneipen. <small>(Foto: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Saarlouisfu%C3%9Fizone.jpg">wikipedia</a>)</small></div>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image33" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Lothringen-Mittelalter.jpg" alt="Lothringen" /><br />
Friedliche Zeiten: die Saarländer als Lothringer</div>
<p>Aber auch in Zeiten in denen das Saarland ganz oder teilweise zu Frankreich gehört, sprechen seine Bewohner nicht Französisch, sondern immer noch – genau wie ihre umliegenden Nachbarn im angrenzenden Frankreich, in Luxemburg, an der Mosel oder in der Pfalz – die fränkischen Dialekte; später dann auch Hochdeutsch (zumindest versuchen sie es). </p>
<p>Dies ändert sich zunächst als der französische König Ludwig XIV – auch bekannt als Louis Quatorze, der Sonnenkönig – seine Grenze mittels einer Festung sichern will. Tausende von französischen Soldaten und Handwerkern aus dem Landesinnern errichten 1680 die Festungsstadt Sarre-Louis (Saarlouis) und werden dort oder in den eigens gegründeten neuen Siedlungen in der Umgebung sesshaft. Die Einwanderer assimilieren sich jedoch schnell und heute zeugen nur noch diverse französische Familien- und Ortsnamen sowie natürlich die Stadt Saarlouis selbst vom Zuzug der »französischen Franzosen«. Das Stadtwappen von Saarlouis ziert allerdings nach wie vor eine Sonne – das Zeichen des Sonnenkönigs.</p>
<p>In dieser Zeit tritt das Saarland auch erstmals namentlich in Erscheinung und zwar als französische Provinz »Sarre« mit der Hauptstadt Sarre-Louis. Der Sonnenkönig lässt es sich dabei übrigens nicht nehmen, zur Einweihung der neuen Stadt, persönlich an die Saar zu reisen.</p>
<div class="bildbeschreibung" style="clear:both"><img id="image31" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/festungsmodell01_400x278.jpg" alt="Saarlouis" />
<p>Sarre Louis: Städtebau vom Reißbrett <small>(Foto: Stadtarchiv Saarlouis)</small></p>
</div>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge, am 6. Mai: <a href="http://www.sarrelibre.de/42/folge-4-eine-weise-stadt/">»Eine weiße Stadt«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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		<title>2. Ein Land dazwischen</title>
		<link>http://www.sarrelibre.de/22/folge-2-ein-land-dazwischen/</link>
		<comments>http://www.sarrelibre.de/22/folge-2-ein-land-dazwischen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 24 Apr 2006 07:17:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lotharingien]]></category>
		<category><![CDATA[Lothringen]]></category>
		<category><![CDATA[Stichworte]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitraum]]></category>
		<category><![CDATA[ 500-925]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sarrelibre.de/22/folge-2-ein-land-dazwischen/</guid>
		<description><![CDATA[Das Saarland wird Teil eines seltsamen Landes dazwischen. Und ein Zankapfel wird geboren &#8230;
 Das ist er: Lothar I. Namensgeber und Herrscher vom Land dazwischen
Nach dem Zerfall des römischen Imperiums um etwa 500 nach Christus, erobern die germanischen Franken unter anderem auch das Saarland und gründen das mächtige, sich über ganz Mitteleuropa erstreckende, Frankenreich (recht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Saarland wird Teil eines seltsamen Landes dazwischen. Und ein Zankapfel wird geboren &#8230;</strong><span id="more-22"></span></p>
<div class="bildrechts"><img id="image28" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Lothar_I.jpg" alt="Lothar I." /><br /> Das ist er: Lothar I. <br />Namensgeber und Herrscher<br /> vom Land dazwischen</div>
<p>Nach dem Zerfall des römischen Imperiums um etwa 500 nach Christus, erobern die germanischen Franken unter anderem auch das Saarland und gründen das mächtige, sich über ganz Mitteleuropa erstreckende, Frankenreich (recht bekannt wird der Frankenkönig »Karl der Große«). Bereits die Franken beginnen im Saarland Steinkohle abzubauen und Eisen zu gewinnen. Die gallorömischen Saarländer erweisen sich wieder einmal als flexibel und lernen fleißig fränkisch. 70 km weiter westlich passiert das Umgekehrte: da lernen die Franken Gallorömisch (die Sprache, die später unter dem Namen »Französisch« eine gewisse Berühmtheit erlangen sollte). </p>
<p>843 wird auch das Frankenreich in drei Teile geteilt: das Westfrankenreich (später dann kurz »Frankreich« genannt), das Ostfrankenreich (später besser bekannt unter dem Namen »Deutschland«) und ein seltsames Land dazwischen, das in einem schmalen Streifen von der Nordsee bis Italien durch ganz Europa geht, genannt »Lotharingien«, das »Reich Lothars« – und das Saarland natürlich mittendrin.  Lothars Reich sieht zwar in seiner Länglichkeit etwas seltsam aus, umfasst jedoch die Top-Metropolen des Frankrenreichs, wie Aachen, Metz, Trier, Worms, Diedenhofen oder Ingelheim.</p>
<h3> Ein Zankapfel wird geboren</h3>
<div class="bildrechts"><img id="image24" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/saarland-wappen.gif" alt="Wappen des Saarlandes" /><br />Das aktuelle Saarland-<br />Wappen. Links-unten:<br />das Zeichen Lothringens</div>
<p>Zunächst kommen Lotharingien die Südteile (Burgund und Italien) abhanden. Das übrig gebliebene Kernlothringen wird zum Zankapfel zwischen den West- und Ost-Franken, also Frankreich und Deutschland. Nach einigem kriegerischem Gezerre kommt Lotharingien 925 schließlich zu Deutschland und bleibt da erst mal ein paar Jahrhunderte. </p>
<p>1000 Jahre später sollte dieses Ereignis gerne als der Anlass genommen werden, warum die Saarländer sich so deutsch fühlen. Komischerweise hat das bei seinen lotharingischen Nachbarn im (heutigen) Luxemburg, Belgien oder Frankreich nicht so recht geklappt mit dem deutschfühlen &#8230; </p>
<p>Heute noch erinnert der Name der französischen Region Lothringen (Lorraine) sowie das Zeichen Lothringens im aktuellen Wappen des Saarlandes an das »Land dazwischen« – und vielleicht auch ein wenig die Mentalität der Leute in der Region auf der Grenze &#8230;</p>
<blockquote><p>»Gallien zählt uns zu den Bewohnern seiner abgelegensten Gebiete, Germanien zu seinen nächsten Angehörigen. Was uns betrifft, so sind wir weder das eine noch das andere, sondern beides zugleich.«<br />
(Die Domherren zu Lüttich) </p></blockquote>
<p><em>Übrigens, Lotharingien lebt: unter dem Namen <a href="http://www.grande-region.net/de/index.html">»Großregion«</a> bezieht man sich wieder auf die <a href="http://www.grande-region.net/de/grande_region/index_history.html">gemeinsame Geschichte. »»</a></em></p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image21" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Lotharingien.gif" alt="Das Frankenreich um 855" /><br />Das Frankenreich um 855</div>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge am 2. Mai: <a href="http://www.sarrelibre.de/34/folge-3-der-sonnenkonig-an-der-saar/">»Der Sonnenkönig an der Saar«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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