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	<title>sarrelibre.de &#187; Saar-Abstimmung</title>
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	<description>Geschichte &#038; Geschichten vom Land dazwischen</description>
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		<title>15. Wie Adolf Hitler für die Erfindung des Pfälzerwitzes sorgte.</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Aug 2006 21:02:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hitler bringt den Saarländern ein Geschenk mit und lässt die Pfälzer ins Land. Die Saarländer reagieren auf ihre eigene Weise &#8230;
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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hitler bringt den Saarländern ein Geschenk mit und lässt die Pfälzer ins Land. Die Saarländer reagieren auf ihre eigene Weise &#8230;</strong><span id="more-93"></span></p>
<p>Für die Dagebliebenen geht alles auf einmal ganz schnell: Bereits am 1. März 1935, wenige Wochen nach Verkündung des Abstimmungsergebnisses (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">Folge 12</a>), wird  das Saarland dem Deutschen Reich angeschlossen. Adolf Hitler und die gesamte Nazi-Führungsriege kommen nach Saarbrücken und lassen sich feiern. </p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image92" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/theater-saar-mini.jpg" alt="Saarbrücker Theater" /><br />
Hitlers Theater beherrscht noch heute das Stadtbild von Saarbrücken. Der 30er-Jahre-Stil ist zwar unverkennbar, erfreulicherweise verzichtete man jedoch auf Elemente faschistischer Monumental-Architektur</div>
<h3>Ein Geschenk des Führers</h3>
<p>Der Führer hat auch ein kleines Geschenk mitgebracht: Er lässt in Saarbrücken, als »Bollwerk der deutschen Kultur in der Westmark«, ein Theater errichten, das »Gautheater Saar-Pfalz«.  Und dieser Name deutet auch schon den nächsten Ärger an: Das Saarland bleibt zwar als Verwaltungseinheit erhalten, wird aber dem Gau Pfalz angeschlossen, und die Saarländer, für die der Anschluss an Deutschland immer gleichgesetzt war mit dem Ende von Fremdherrschaft, sehen sich ein weiteres Mal enttäuscht. </p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image98" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/sb_front-JPG.jpg" alt="Gautheater Saar-Pfalz 1938" /><br />
»Bollwerk der deutschen Kultur in der Westmark«: Das Gau-Theater Saar-Pfalz 1938</div>
<h3>Saarländer vs. Pfälzer</h3>
<p>Die Franzosen räumen ihre Posten in der Verwaltung des Landes und der Gruben und werden eben nicht von Saarländern ersetzt, sondern von – – Pfälzern. Im Saarland gibt es nämlich noch gar keine nationalsozialistische Infrastruktur (schließlich spielte die Nazi-Partei nie eine große Rolle an der Saar) und vielleicht trauen die Nazis den »Saarfranzosen«, trotz des eindeutigen Abstimmungsergebnisses, noch nicht so recht über den Weg. Jedenfalls sehen sich die Saarländer wieder mit neuen Fremdlingen, die ins Land kommen, konfrontiert und reagieren darauf mit einer der bedeutendsten kulturellen Leistungen, die das Land bis heute hervorgebracht hat: der Erfindung des Pfälzerwitzes.</p>
<h3>Witzischkeit kennt keine Grenzen &#8230;</h3>
<p>Ein Witz geht etwa so (behutsam eingedeutscht): </p>
<blockquote><p>»Haschd du schon gehehrt? Die wolle jetzt de Saarbrigger Stadtwald abholze?«<br />
»Ei fürwas das dann?«<br />
»Damit aach jeder Pälzer e Poschde kriet!«</p></blockquote>
<p>Ein anderer geht folgendermaßen (ebenfalls behutsam eingedeutscht): </p>
<blockquote><p>Der Ober: »Darf ich Ihnen einen Pfälzer (Wein) anbieten?«<br />
»Geh fort! Die Pälzer hann ich schon gefress. Dann muss ich se net ach noch trinke!«</p></blockquote>
<p>In jener Zeit wird auch der – freilich für Nicht-Saarländer vollkommen unlustige – Spruch geprägt »Uff die Bääm! Die Pälzer kumme!« (»Auf die Bäume! Die Pfälzer kommen!«)</p>
<p>Der Anschluss an Deutschland bringt schließlich den dritten Schritt zum Land wie wir es heute kennen mit sich: Es heißt nämlich nun ganz offiziell so, wie es schon seit längerem genannt wird und wie wir es hier stets nennen, nämlich »Saarland« (die ersten beiden Schritte waren: 1. Die Festlegung der deutsch-französischen Grenze 1815 [vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/52/folge-7-die-vergesslichen-franzosen/">Folge 7</a>] und 2. Abtrennung von Deutschland 1920  [vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/61/folge-10-ein-land-wird-geboren/">Folge 10</a>]).</p>
<p>Hitlers Theater wird übrigens nach dem Krieg noch eine wichtige Rolle spielen – freilich eine ganz andere als von seinem Erbauer geplant. Doch das soll Thema einer anderen Folge von sarrelibre.de sein  &#8230;<br />
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		<title>14. Saarländer auf der Flucht</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Aug 2006 10:53:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Kämpfer für ein freies Saarland fliehen vor der Rache der Nazis und erleben dabei einige Abenteuer &#8230;

Was hat das Borstenvieh mit der saarländischen Geschichte zu schaffen? Die Antwort steht weiter unten im Text &#8230;
Als am 13. Januar 1935 fast 90% der Saarländer für einen Anschluss an Nazi-Deutschland votieren (vgl. Folge 12), kommen sogleich Stimmen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Kämpfer für ein freies Saarland fliehen vor der Rache der Nazis und erleben dabei einige Abenteuer &#8230;</strong><span id="more-90"></span></p>
<div class="bildrechts" style="width:150px"><img id="image89" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/schwein-photocase818967281742.jpg" alt="Schwein" /><br />
Was hat das Borstenvieh mit der saarländischen Geschichte zu schaffen? Die Antwort steht weiter unten im Text &#8230;</div>
<p>Als am 13. Januar 1935 fast 90% der Saarländer für einen Anschluss an Nazi-Deutschland votieren (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">Folge 12</a>), kommen sogleich Stimmen auf, dass das Ergebnis in dieser Höhe nur gefälscht sein kann.</p>
<p>Doch die Frage, ob gefälscht oder nicht, ist eigentlich unwichtig, da die Wahl ohnehin keinen demokratischen Standards genügte: Das Recht auf freie Meinungsäußerung war nämlich praktisch außer Kraft gesetzt worden (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-%e2%80%93-nur-nicht-gleich/">Folge 11</a> und <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">12</a>). Und diejenigen mutigen Männer (und auch Frauen) wie Max Braun oder Johannes Hoffmann, die sich dieses Recht trotzdem nicht haben nehmen lassen, müssen dafür mit der saarländischen Höchststrafe büßen: Sie müssen ihre Heimat verlassen. </p>
<p>Der für das Desaster mitschuldige Völkerbund hat sich immerhin bereits vorsorglich darum gekümmert, dass bei der Flucht alles mit Recht und Ordnung zugeht: Wohlwissend, dass bei einem Anschluss des Saarlandes an Deutschland der Terror ins Land einkehren würde, schließt er noch vor der Abstimmung einen Vertrag mit Deutschland ab, der jedem Saarländer 1 Jahr lang das Recht auf Ausreise zusichert.</p>
<h3>Flüchtlingslager für Saarländer</h3>
<p>Doch so lange warten die meisten gar nicht: Insgesamt ca. 8000 Saarländer verlassen, zum Teil von einem auf den anderen Tag, das Land – gar nicht mitgezählt die tausende von Flüchtlingen aus dem Reich, die zwischen 1933 und 1935 Zuflucht im Saarland gefunden haben, und nun weiterziehen müssen. Fast alle saarländischen Juden nutzen ihr »Ausreiserecht« im Laufe des Jahres 1935. </p>
<p>Max Braun gründet die »Beratungsstelle für Saarflüchtlinge« und kümmert sich darum, dass im französischen Forbach ein Auffanglager eingerichtet wird, in dem die Flüchtlinge ein erstes Unterkommen finden und mit Papieren ausgestattet werden.  Ein Grüppchen Saarflüchtlinge bleibt in Forbach und versucht von dort aus – einigermaßen erfolglos – den Widerstand gegen das Nazi-Regime im Saarland zu organisieren.<br />
Etliche Saarländer schließen sich der französischen Armee und später der <em>Resistance</em> an, während andere im spanischen Bürgerkrieg gegen das faschistische Regime kämpfen.</p>
<p>Doch nach Kriegsausbruch sind die flüchtigen Saarländer auch in Frankreich nicht mehr sicher. Nun müssen sie damit rechnen, von den Franzosen als feindliche Ausländer angesehen zu werden. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs wird der Boden endgültig zu heiß. Viele Saarländer werden von der deutschen Geheimpolizei (Gestapo) aufgespürt und verhaftet. Max Braun flieht nach England, wo er die Briten im deutschsprachigen Propagandafunk beim Kampf gegen die Nazis unterstützt. Braun stirbt 1947 in London, begraben wird er in Saarbrücken. Selbst nach seinem Tode soll Max Braun die Saarländer noch beschäftigen. Doch davon wird in einer späteren Folge zu erzählen sein &#8230;</p>
<h3>Der Chefredakteur als Schweinezüchter</h3>
<div class="bildrechts" style="width:150px"><img id="image94" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Johannes-Hoffmann-1941.jpg" alt="Johannes Hoffmann 1941" /><br />
Johannes Hoffmann 1941 (Foto der brasilianischen Einwanderungsbehörde)</div>
<p>Auch Johannes Hoffmann verlässt  noch im Januar 1935 Hals über Kopf das Saarland und lässt sich in Luxemburg nieder. Da er von den gelegentlichen Veröffentlichungen im »Luxemburger Wort« seine achtköpfige Familie nicht ernähren kann, pachtet der gelernte Journalist und ehemalige Chefredakteur einen Hof und widmet sich mehr schlecht als recht der Schweinezucht. Doch 1940 kommen die Nazis auch in Luxemburg an die Macht. Hoffmann flieht nach Paris, wo er für den deutschsprachigen Kanal des Staatsradios arbeitet. Seine Familie bleibt in Luxemburg. </p>
<p>Nach dem Überfall Deutschlands auf Frankreich packt die Franzosen die Furcht vor Spionen. Alle in Frankreich lebenden Deutschen werden festgenommen. Selbst der als Hitler-Gegner bekannte Johannes Hoffmann wird interniert. Hoffmann wird in ein Militärlager in der Bretagne verfrachtet, das schon bald an die deutschen Besatzungstruppen übergeben wird. Er weiß, wenn er hier nicht raus kommt, kann er die nächsten Jahre im Kerker versauern – und das auch nur, wenn er nicht schon vorher erschossen wird. </p>
<h3>Eine filmreife Odyssee</h3>
<div class="bildrechts" style="width:150px"><img id="image88" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/rio-j0403287.jpg" alt="Rio de Janeiro" /><br />
Brasilien – Zufluchtsort für viele Saarländer</div>
<p>Die nun folgende Odyssee ist filmreif: Mit einem Mitgefangenen entkommt Hoffmann aus dem Lager. Zu Fuß schlägt er sich, an den deutschen Patrouillen vorbei, quer durch das ganze Land in den unbesetzten Teil Frankreichs durch. Während die französischen Behörden nun mit den deutschen zusammenarbeiten, helfen ihm die einfachen Leute auf dem Lande bei der Flucht. In Südfrankreich angelangt, taucht er in einem Kloster des Oblaten-Ordens unter. Doch auch im unbesetzten Frankreich arbeitet die französische Polizei mit den Nazis zusammen (wie jeder weiß, der schon einmal »Casablanca« gesehen hat). Er muss also irgendwie raus aus dem Land.</p>
<p>Mit Hilfe von Freunden in Marseille und in der Schweiz verschafft sich Hoffmann eine neue Identität, ein Visum und eine Schiffsfahrkarte nach Brasilien – dem Land, das bereits im 19. Jahrhundert Tausenden von Auswanderern aus dem Saarland, dem Hunsrück und Luxemburg eine neue Heimat bot. Papst Pius XII sorgt für ein Transitvisum, der im Londoner Exil lebende tschechische Präsident Eduard Benes stellt einen neuen Pass aus. Ein gewisser Jan Jacub Hoffmann ist bald darauf auf dem Weg durch Frankreich und Spanien nach Lissabon, um rechtzeitig das Schiff in die Freiheit zu erreichen. Buchstäblich in letzter Minute erreicht er am 28. April 1941 den rettenden Dampfer gen Rio de Janeiro. Eine fast einjährige Odyssee ist zu Ende.</p>
<h3>Neue Ideen für das Saarland</h3>
<p>In Rio findet er Gastfreundschaft sowie einen Job als Butler im Haus des kanadischen Botschafters, den Hoffmann noch aus der Völkerbundszeit im Saarland kennt. Nach der Kapitulation der deutschen Armee 1945 gehört Johannes Hoffmann zu den ersten, die wieder ins Saarland zurückkehren. Doch das Wiedersehen  ist schmerzlich. Sein zweiter Sohn ist an der Front umgekommen, sein Heimatland ein rauchender Trümmerhaufen. Aus diesen Erlebnissen entwickelt Johannes Hoffmann seine ganz eigenen Vorstellungen, wie es mit dem Saarland weiter gehen soll. Welche das sind, erfahren wir in einer späteren Folge &#8230;</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3935731868/028-6935646-4950153?v=glance&#038;n=299956/zippozimmermann"><strong><em>Buchtipp:</em></strong><br />
Eine abenteuerliche Flucht durch Frankreich ins brasilianische Exil<br />
<strong>Johannes Hoffmann: »Am Rande des Hitlerkrieges«, Tagebuchblätter</strong><br />
Mit einer Karte des Fluchtweges und Anmerkungen von Heinrich Küppers</a> </p>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge: <a href="http://www.sarrelibre.de/93/15-wie-adolf-hitler-fur-die-erfindung-des-pfalzerwitzes-sorgte/">»Wie Adolf Hitler für die Erfindung des Pfälzerwitzes sorgte.«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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		<title>13. Die cleveren Nachbarn der Saarländer (Teil 1)</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Jul 2006 05:46:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1941-1942]]></category>
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		<description><![CDATA[
Auch die Luxemburger
lieben’s eher beschaulich &#8230;
Foto: Laurenz Bobke
»Das ging ja einfach!« denkt sich der Führer, als sich die Saarländer nach Volksabstimmung dem Deutschen Reich anschließen (vgl. Folge 12 »Der 13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren«). Und so gibt er persönlich Gauleiter Simon die Anweisung, auch die Luxemburger sollen sich gefälligst freiwillig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts" ><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/luxembourg.jpg" title="Luxembourg"><img id="image86" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/luxembourg.thumbnail.jpg" alt="Luxembourg" /></a><br />
Auch die Luxemburger<br />
lieben’s eher beschaulich &#8230;<br />
<small>Foto: <a href="http://flickr.com/photos/travelphotos/64392864/">Laurenz Bobke</a></small></div>
<p><strong>»Das ging ja einfach!« denkt sich der Führer, als sich die Saarländer nach Volksabstimmung dem Deutschen Reich anschließen (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">Folge 12 »Der 13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren«</a>). Und so gibt er persönlich Gauleiter Simon die Anweisung, auch die Luxemburger sollen sich gefälligst freiwillig Deutschland anschließen &#8230; </strong><span id="more-85"></span></p>
<h3>Einen Tick cleverer &#8230;</h3>
<p>Die Luxemburger, die ein kleines Ländchen nordwestlich des Saarlandes bewohnen, haben mit den Saarländern einiges gemein: Luxemburg liegt an Einwohnerzahl und Fläche in etwa gleichauf mit dem Saarland. Auch hier gibt es eine bedeutende Stahlindustrie. Einst bewohnten Luxemburger und Saarländer zusammen Lotharingien, das »Land dazwischen« (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/22/folge-2-ein-land-dazwischen/">Folge 2 »Ein Land dazwischen«</a>), und beide sprechen die gleiche Sprache, das Moselfränkische (die Saarländer zumindest teilweise). Luxemburg stand ebenso wie das Saarland immer wieder unter dem Einfluss fremder Mächte wie Frankreich oder Preußen, und auch in Luxemburg ließ der Sonnenkönig von seinem Baumeister Vauban eine mächtige Festung errichten (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/34/folge-3-der-sonnenkonig-an-der-saar/">Folge 3 »Der Sonnenkönig an der Saar«</a>). Doch in einem unterscheiden sich die Luxemburger von den Saarländern: Sie sind einen Tick cleverer. Warum, das sehen wir erstmals im Jahr 1941 &#8230;</p>
<h3>»Heim ins Reich« auch für die Luxemburger</h3>
<p>Was bei den Saarländern so gut geklappt hat, versucht Gauleiter Simon nun auch bei den Luxemburgern: er startet nämlich eine Volksbefragung inkl. der dazugehörigen »Heim ins Reich«-Propaganda. In der so genannten »Personenstandsaufnahme« lässt Simon nach »Staatsangehörigkeit«, »Volkszugehörigkeit« und »Muttersprache« fragen. Um den Luxemburgern die »richtige« Antwort etwas zu erleichtern, gibt Simon allerdings nur zwei Wahlmöglichkeiten vor: Deutsch oder Französisch.</p>
<h3>»Drei mal Luxemburgisch!«</h3>
<p>Doch die Luxemburger Widerstandsbewegung macht Simon einen Strich durch die Rechnung: In Flugblatt-Aktionen und Mund-zu-Mund-Propaganda gibt sie die Parole aus »Drei mal Luxemburgisch!«. Und in der Tat, als man mit der Auszählung der Bögen beginnt, zeichnet sich ab, dass 90% der Luxemburger auf alle drei Fragen mit »Luxemburgisch« geantwortet haben. Das Ergebnis der Befragung verschwindet schnellstmöglich in der Schublade. 1942 wird Luxemburg ohne die Zustimmung seiner Einwohner annektiert. Das Hitler-Regime muss sein wahres Gesicht zeigen und die Luxemburger dürfen als Nazi-Gegner in die Geschichte eingehen. Ihre Städte und Dörfer bleiben vom Bombenterror verschont.</p>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge: <a href="http://www.sarrelibre.de/90/14-saarlander-auf-der-flucht/">»Saarländer auf der Flucht«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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<p align="left"><a class="tt" href="http://twitter.com/home/?status=13.+Die+cleveren+Nachbarn+der+Saarl%C3%A4nder+%28Teil+1%29+http://kfens.th8.us" title="Post to Twitter"><img class="nothumb" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-twitter.png" alt="Post to Twitter" /></a> <a class="tt" href="http://twitter.com/home/?status=13.+Die+cleveren+Nachbarn+der+Saarl%C3%A4nder+%28Teil+1%29+http://kfens.th8.us" title="Post to Twitter">Tweet This Post</a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>12. Der 13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Jul 2006 05:18:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[13. Januar]]></category>
		<category><![CDATA[1933-1935]]></category>
		<category><![CDATA[1935]]></category>
		<category><![CDATA[Adolf Hitler]]></category>
		<category><![CDATA[Heim ins Reich]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Hoffmann]]></category>
		<category><![CDATA[Max Braun]]></category>
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		<category><![CDATA[Saar-Abstimmung]]></category>
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		<category><![CDATA[Zeitraum]]></category>

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		<description><![CDATA[
[Bild vergrößern]
Wer die Wahl hat, hat die Qual:
der Abstimmungszettel mit den 3 Möglichkeiten.
Die Augen der Welt sind auf das Saarland gerichtet. Musikalische Argumente werden aufgefahren. Psychoterror und Angst-Fahnen vermiesen die Laune. Und die Saarländer staunen über den  der ersten Blauhelm-Einsatz der Geschichte &#8230;
1935 steht das Saarland vor der Zerreißprobe:
– Anschluss an Deutschland, welches dummerweise [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts" style="width:140px"><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Wahlzettel-19351.jpg" title="Wahlzettel 1935"><img id="image81" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Wahlzettel-19351.thumbnail.jpg" alt="Wahlzettel 1935" /><br />
[Bild vergrößern]</a><br />
Wer die Wahl hat, hat die Qual:<br />
der Abstimmungszettel mit den 3 Möglichkeiten.</div>
<p><strong>Die Augen der Welt sind auf das Saarland gerichtet. Musikalische Argumente werden aufgefahren. Psychoterror und Angst-Fahnen vermiesen die Laune. Und die Saarländer staunen über den  der ersten Blauhelm-Einsatz der Geschichte &#8230;</strong><span id="more-78"></span></p>
<p>1935 steht das Saarland vor der Zerreißprobe:<br />
– Anschluss an Deutschland, welches dummerweise gerade zufällig von einem brutalen Diktator beherrscht wird.<br />
– Oder Weiterbestehen  (»Status quo«) der unbeliebten Völkerbundsherrschaft unter französischem Vorsitz (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-%e2%80%93-nur-nicht-gleich/">Folge 11 »Heim ins Reich – Nur nicht gleich!«</a>).</p>
<p>Hier noch einmal die Argumente der »Einheitsfront«, der Befürworter des Status Quo:</p>
<ol>
<li>Kein innen- und außenpolitischer Propaganda-Erfolg für Hitler durch die Zustimmung der Saarländer.</li>
<li>Keine Ausweitung von Hitlers Unrechtsregimes, das die grundlegendsten Menschen- und Freiheitsrechte mit den Füßen tritt, auf das Saarland.</li>
<li>Keine Legitimation für die weitere Ausdehnung des deutschen Reiches und der damit verbundenen Gefahr eines neuen Weltkrieges.</li>
<li>Das Saarland als freier Brückenkopf, von dem aus der Kampf gegen Hitler organisiert wird (zugegeben: ein wenig illusorisch dieser Wunsch, aber von Max Braun und Co. durchaus ernst gemeint)</li>
<li>Außerdem: Kein Anschluss an ein durch Wirtschaftskrise und Hyperinflation gebeuteltes Deutschland</li>
</ol>
<p>Die »Deutsche Front« (die Befürworter des Anschlusses) halten mit der folgenden Argumentation dagegen:</p>
<ol>
<li>Deutsch ist die Saar</li>
<li>Deutsch immerda</li>
<li>Und deutsch ist unseres Flusses Strand</li>
<li>Und ewig deutsch mein Heimatland</li>
<li>Mein Heimatla&#8230;ha&#8230;hand, mein Heimatland.</li>
</ol>
<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image82" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Fahnen-klein.gif" alt="Fahnenverkauf" /><br />
Saarländische Geschäftsleute erkennen die Zeichen der Zeit und verkaufen die derzeit so angesagten Wink-Elemente.<br />
Das Kaufhaus der Gebrüder Sinn hat offensichtlich sogar eine eigene Fahnen-Abteilung.</p>
<p>Die Sinns haben übrigens ihre ganz eigenen Gründe für den Anschluss zu werben: Sie haben nämlich ein fettes Gerichtsverfahren wegen Schmuggelei am Hals, das von den deutschen Gerichten natürlich nicht weiterverfolgt würde; die saarländisch-deutsche Grenze zu ignorieren gilt im Reich logischerweise nicht als Straf-, sondern als Heldentat &#8230;</p></div>
<p>Die Argumentation der »Deutschen Front« hat den entscheidenden Vorteil, dass sie sich zur Melodie des bei den Saarländern äußert populären Liedes »Glück auf, der Steiger kommt« singen lässt, während die Hymne der Gegenseite, Brechts »Haltet die Saar, Genossen!«, eine griffige <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hookline">Hookline</a> missen lässt (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-%e2%80%93-nur-nicht-gleich/">Folge 11 »Heim ins Reich – Nur nicht gleich!«</a>).</p>
<p>Doch noch ein weiteres Problem plagt die »Status-Quoler«: Der Völkerbund kann den Saarländern keine zweite Abstimmung nach dem Sturz Hitlers garantieren. Auch darüber, ob die Saarländer zukünftig selbst ihre Regierung wählen dürfen, hüllt man sich in der Genfer Völkerbunds-Zentrale in Schweigen.</p>
<h3>Angst-Fahnen und Psychoterror</h3>
<p>Kurz vor der Wahl erreicht der Psychoterror neue Dimensionen: Die Saarbrücker Zeitung fordert alle Saarländer auf, sich durch die Beflaggung ihrer Häuser öffentlich zu Deutschland zu bekennen. Als just an den Häusern von bekannt frankophilen Saarländern die größten Hakenkreuz-Flaggen wehen, kommt das Wort von den »Angst-Fahnen« auf. Gerüchte über »Schwarze Listen«, auf denen die Namen von »Vaterlandsverrätern« notiert sind,  machen die Runde. (Die Hakenkreuzflagge ist übrigens zu jener Zeit noch nicht das Gruselsymbol, das sie heute ist, sondern die offizielle Nationalflagge des Deutschen Reiches.)</p>
<p>Die Wahl-Kommission des Völkerbundes reagiert mit rührend hilflosen Aufforderungen zu mehr Fairness:</p>
<blockquote><p>»Die Propaganda, zu welcher jede Partei berechtigt ist, soll positiv sein, also vor allem die Gründe betonen, die zugunsten des eigenen Standpunktes sprechen, nicht aber darauf hinzielen, die anderen Parteien anzugreifen. Jedenfalls soll es unterlassen werden, die anderen Parteien in verächtlichem Tone zu behandeln und herabzusetzen. Ausdrücke wie &#8216;Landesverräter, Mordbande, Gesindel’ und dergl. können nicht geduldet werden.«</p></blockquote>
<h3>»Blauhelme« an der Saar</h3>
<p><img align="right" id="image84" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/wir-halten-die-saar.gif" alt="Wir halten die Saar" />Die Saar-Regierungskommission fürchtet, nicht mehr Herr der Lage zu werden und bittet den Völkerbund um Truppen-Unterstützung – der erste »Blauhelm«-Einsatz der Geschichte!</p>
<p>Unter dem neugierigen Staunen der Saarländer marschieren im Winter 1934 4000 Soldaten  aus Schweden, Großbritannien, Italien und den Niederlanden mitsamt Panzerfahrzeugen ins Saarland ein. Doch glücklicherweise kommt es nicht zur Konfrontation. Die »Blauhelme« vermeiden jeden Anschein von Besatzern und die Saarländer sind beeindruckt vom korrekten Verhalten der exotischen Fremdlinge: Gegenseitige Einladungen werden ausgesprochen, man veranstaltet »internationale« Fußballturniere.</p>
<p>Am 6. Januar 1935 finden die beiden letzten Großkundgebungen der beiden gegnerischen Parteien im Stadion Kieselhumes (Einheitsfront) und auf dem Sportplatz Wackenberg (Deutsche Front) statt – mit der Rekordbeteiligung von jeweils über 100.000 Teilnehmern. </p>
<h3>Im Brennpunkt der Weltöffentlichkeit</h3>
<p>Das einst beschauliche Saarbrücken ist nicht wiederzuerkennen: hunderte von Journalisten Fotografen, Filmteams aus der ganzen Welt tummeln sich in den Straßen, ergänzt durch patrouillierende Soldaten der internationalen Truppe. Vor dem Café Kiefer versammeln sich Scharen von Saar-Amerikanern auf der Suche nach einer Bleibe. Die Augen der Welt sind auf das Saarland gerichtet.</p>
<h3>»Erstes Gebot: Maul halten!«</h3>
<p><img align="right" id="image83" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/13-januar.gif" alt="13. Januar - Heim ins Reich" />Am Wintersonntag des 13. Januar des Jahres 1935 ist es dann so weit: Der Tag der Abstimmung. Die Saarländer karren alles was saarländisch ist und Beine hat (oder auch nicht) durch den Schneematsch zu den Wahllokalen. Tausende von Exil-Saarländern aus den USA reisen zur Abstimmung an. </p>
<p>Vor den Wahllokalen bilden sich lange Schlangen. Anhänger der deutschen Front halten Schilder hoch: »Erstes Gebot: Maul halten!« Tumulte oder Ausschreitungen könnten nämlich zur Ungültigkeit der Wahl führen. Journalisten und Filmteams wuseln um die Menschenschlangen. Immer wieder leuchten grell die Magnesium-Blitzlichter der Fotografen. Soldaten patrouillieren mit schussbereiten Waffen. Es kommt zu keinerlei Ausschreitungen. Die Wahl verläuft ruhig und geordnet.</p>
<h3>Hitler hört Radio</h3>
<p>Nach der Wahl werden die Urnen aus dem ganzen Land unter militärischer Bewachung in die Saarbrücker Wartburg zur Auszählung gebracht.</p>
<p>Die Verkündigung des Wahlergebnis am Morgen des 15. Januar ist dann wohl das erste politische Ereignis, dessen Ablauf durch die Medien bestimmt wird: Der schwedische Präsident der Wahlkommission darf die Zahlen nämlich erst verkünden, als alle Leitungen für die weltweite Live-Übertragung stehen. Auch Hitler selbst erfährt das Ergebnis erst aus dem Radio: Um Informationslecks auszuschalten wurden alle aus dem Saarland herausführenden Telefonleitungen gekappt. </p>
<p>Und so sieht’s aus:<br />
46.613 Saarländerinnen und Saarländer (8,87%) stimmten für den Beibehalt der Völkerbundsregierung (Status quo), 477.119 (90,73%) stimmten für die Vereinigung mit Deutschland und 2.124 (0,40%) für die Vereinigung mit Frankreich. Wahlbeteiligung: 97,88% (!). Wobei das Ergebnis ein leichtes  Südwest-Nordost-Gefälle hat: In den Städten an der französischen Grenze (Saarlouis und Saarbrücken) ist die Zustimmung für den Status Quo etwas höher, in den ländlichen Gebieten nahe der deutschen Grenze liegt dagegen die Zustimmung für den Anschluss bei nahezu 99%.</p>
<p>Wie auch immer:  Über 90% der Wahlberechtigten haben für Deutschland gestimmt und bereiten damit Hitler einen grandiosen Prestige-Erfolg und Image-Gewinn. Selbst für die glühendsten Nationalisten ist das Ergebnis eine Sensation. Die  Anhänger der »Einheitsfront« sind wie vor den Kopf geschlagen. Max Braun und Johannes Hoffmann sind sich sicher, dass das Ergebnis gefälscht sein muss. Braun verkündet noch am gleichen Tag: »Wir kämpfen weiter!« Ein Journalist im Publikum fragt: »Wieso? Wo? Womit?« </p>
<h3>»Ri, ra, ratsch – weg mit Statuts Quatsch!«</h3>
<p>Derweil kommen die Menschen in den Straßen zu spontanen Jubelfeiern zusammen. Auf dem Lande »beerdigen« Jugendliche mit »Matz Braun« und »Status Quo« beschriftete Strohpuppen und rufen »Ri, ra, ratsch – weg mit Statuts Quatsch!«. Die Regierungskommission teilt Max Braun und Johannes Hoffmann mit, dass sie für deren Sicherheit nicht mehr garantieren könne. </p>
<div class="bildrechts"><img id="image87" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/schild01mittel.jpg" alt="Strasse des 13. Januar" /><br />
Vom Schlachthof zur Polizeikaserne:<br />
Straße des 13. Januar<br />
<small>Foto: <a href="http://www.fragment.de/installationen/strasse_des_13_januar/strasse_des_13_januarhtml/strasse_des_13_januar.html">Mia Unverzagt</a></small></div>
<p>Die Regierung Deutschlands ordnet an, dass in den deutschen Städten »Saarlandstraßen« bzw. »Saarstraßen« zu benennen seien (falls Sie in einer wohnen sollten: jetzt wissen Sie warum sie so heißt). Außerdem werden in den saarländischen Städten je eine »Straße des 13. Januar« und ein »Befreiungsplatz« benannt.<br />
Die Saarbrücker »Straße des 13. Januar« heißt noch heute so. Sie führt vom Schlachthof zur Polizeikaserne.</p>
<p>15 Jahre lang war »Deutsch ist die Saar« praktisch das Credo der Saarländer und »Wir sind unterdrückt und fremdbeherrscht« ihre Selbstdefinition. 15 Jahre lang fieberten sie dem Tag der Abstimmung, dem Tag der Erlösung, entgegen, und den wollten sie sich weder von den Nazis noch den Nazi-Gegnern miesmachen lassen. Psychoterror, Gruppendruck und massive Propaganda-Unterstützung aus dem Reich taten ein übriges. Und dem Wort der Bischöfe zu widersprechen fiel den frommen Saarländern ohnehin nicht ein &#8230;</p>
<div class="bild"><img class="bildlinks" id="image117" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/tablett1935-3.jpg" alt="Tablett" />
<p><small>Tablett der damals in Ensheim ansässigen Gebr. Adt, gefertigt aus gelacktem Pappmaché, mit Hakenkreuz als aufgehende Sonne. Merchandising der frühesten Art &#8230;<br />
(Dank an Paul Glass)</small></p>
</div>
<p>Waren also über 90% der Saarländer Nazis? Sicher nicht. Sicher ist allerdings, dass über 90% der Saarländer ziemlich dumm waren. Das schöne kleine Land gerät so in die Fänge des brutalen Diktators Hitler. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf &#8230;</p>
<p>Am 13. Januar 1945 fliegen britische Bomber den letzten vernichtenden Angriff auf Saarbrücken, während die wenigen Einwohner, die noch in der geräumten Stadt geblieben sind, den zehnten Jahrestag der Abstimmung feiern. Ob sie einen Zusammenhang erkennen &#8230; ?</p>
<ul>
<li><a href="http://members.fortunecity.com/reisenge/SAAR/1935/1935b.htm">Bilder der internationalen Truppen im Saarland 1934 und 1935</a></li>
<li><a href="http://www.fragment.de/index.php?id=319&#038;L=de">Plakataktion der saarländischen Künstlerin Mia Unverzagt zur »Straße des 13. Januar«</a></li>
<li><a href="http://www.bild.t-online.de/BTO/sport/wm2006/aktuell/06/12/ballack-italien-shirt/ballack-italien-t-shirt.html">Anscheinend gibt es neuerdings wieder Flaggen-Pflicht:<br />
»Ganz Deutschland trägt Schwarz-Rot-Gold – außer Ballack«</a></li>
<li><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3935731760/028-7247118-3674911?v=glance&#038;n=299956/zippozimmermann">Buchtipp:<br />
<strong>»Hier spricht die Saar &#8211; Ein Land wird interviewt«</strong>,<br />
Die Volksabstimmung 1935 im Fokus der internationalen Presse.<br />
Drei Reportagen von Theodor Balk, Ilya Ehrenburg, Philippe Soupault,<br />
mit Fotos von Robert Capa</a></li>
</ul>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge: <a href="http://www.sarrelibre.de/85/13-die-cleveren-nachbarn-der-saarlander-teil-1/">»Die cleveren Nachbarn der Saarländer (Teil 1)«</a></em></p>
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</ul>
<p><!-- Similar Posts took 6.728 ms --></p>
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		</item>
		<item>
		<title>11. Heim ins Reich – Nur nicht gleich!</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jun 2006 05:52:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[13. Januar]]></category>
		<category><![CDATA[1933-1935]]></category>
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		<category><![CDATA[Völkerbund]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitraum]]></category>

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		<description><![CDATA[Oder: Wer kriegt den Schlüssel zur Ludwigskirche?
Hitler kommt  an die Macht. Und die Saarländer sind verwirrt &#8230;

Darf der da &#8230; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160; &#160; &#160; &#160; &#160; &#160; &#160;&#160;&#160;  &#8230; da rein?

Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Kanzler des deutschen Reiches ernannt. Und die Saarländer sind sich auf einmal gar nicht mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Oder: Wer kriegt den Schlüssel zur Ludwigskirche?</h4>
<p><strong>Hitler kommt  an die Macht. Und die Saarländer sind verwirrt &#8230;</strong></p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image75" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/hitler-ludwigskirche.jpg" alt="Hitler in die Ludwigskirche?" /><br />
Darf der da &#8230; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;  &#8230; da rein?</div>
<p><span id="more-70"></span></p>
<p>Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Kanzler des deutschen Reiches ernannt. Und die Saarländer sind sich auf einmal gar nicht mehr so einig. Bis zu diesem Datum war klar, dass man von der Quasi-Kolonialherrschaft Frankreichs die Nase voll hatte und sich bei der anstehenden Volksabstimmung für den Anschluss an Deutschland entscheiden würde. Aber sollen die saarländischen Parteien immer noch für die Rückkehr in ein Deutschland werben, in dem Hitler alle anderen Parteien verboten hat? Sollen die Katholiken den antikatholischen Hitler wählen, die Sozialdemokraten den antisozialdemokratischen, die Liberalen den antiliberalen, die Kommunisten den antikommunistischen Hitler?</p>
<p>Die Antwort lautet: – – Ja. Die saarländischen Parteien halten kurz inne, machen dann aber weiter wie bisher. Die Kommunisten tönen gar völlig hirnfrei: »Zurück zu Deutschland, und wenn’s ins KZ geht!«. Einzig eine Gruppe, die sich unter der Führung des Journalisten Johannes Hoffmann von der katholischen Zentrumspartei abgespalten hat, verkündet eine neue Maxime: Anschluss an Deutschland: Ja – aber nicht sofort, sondern erst wenn Hitler wieder abgesetzt ist und im Reich wieder Demokratie und Freiheit herrschen. Oder kurz: »Heim ins Reich – nur nicht gleich!« Bis es soweit ist (Hoffmann &#038; Co hoffen auf ein baldiges Ende des Nazi-Spuks), sollen die Saarländer den »Status quo«, also die Fortsetzung der Völkerbundsverwaltung, wählen. </p>
<p>Ein Anschluss an Frankreich steht jedoch auch bei den Hitler-Gegnern nicht zur Debatte. Die Saarländer trauen nach den vergangenen Erfahrungen den Franzosen nicht zu, dass sie die Kultur und Sprache der Saarländer respektieren würden.</p>
<h3>Promis mischen sich ein</h3>
<div style="width:230px" class="bildrechts">
<div class="bildrechts"><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/01.jpg" title="Wasserscheide"><img id="image73" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/01.thumbnail.jpg" alt="Wasserscheide" /></a><br />
<small><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/01.jpg" title="Wasserscheide">[Bild vergrößern]</a></small></div>
<p>»Das Saarland den Saarländern!« – Die Franzosen werben mit geologischer Logik:<br />
Alle Flüsse im Saarland fließen in die Mosel, während die deutschen Flüsse in den Rhein fließen. Die Wasserscheide (»Ligne de partage des eaux«) trennt also Deutschland und das Saarland.<br />
Leider wird die schöne Logik dadurch zerstört, dass die Mosel ebenfalls in den Rhein fließt &#8230;</p>
<p>Aber auch die Deutschen bemühen sich um »wissenschaftliche Beweise« für die Zugehörigkeit des Saarlandes zu Deutschland – mit Hilfe der eigens gegründeten Frankfurter »Saar-Forschungsgemeinschaft«.</p></div>
<p>Während Hitler im Reich eine Terrorherrschaft errichtet, wird das Saarland zum letzten freien Zipfel Deutschlands. Für Hitlergegner, Politiker, Schriftsteller, Intellektuelle aus dem ganzen Reich wird das Saarland zum Zufluchtsort. Bertolt Brecht fordert mit seinem Lied <a href="http://www.uni-saarland.de/~ref61hby/PM-0101.html">»Haltet die Saar, Genossen!«</a> die Saarländer zum Votum gegen Hitler auf (»Das Deutschland das wir wollen / Muß ein anderes Deutschland sein.«). Kriegsberichterstatter Robert Capa (später durch seine Foto-Dokumentation der Kriege in Spanien und Vietnam berühmt) dokumentiert die gespannte Lage an der Saar. Auch die Schriftsteller Heinrich und Thomas Mann, Kurt Tucholsky, Filmregisseur Max Ophüls sowie der Künstler John Heartfield werben für den »Status Quo«. Die noch freie saarländische Presse und die zahlreichen Flüchtlinge aus dem Reich berichten von den Verbrechen Hitlers.</p>
<h3>Wir schlagen Hitler an der Saar!</h3>
<div style="width:190px" class="bildrechts"><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/spsb.jpg" title="Anti-Hitler-Flyer"><img id="image72" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/spsb.thumbnail.jpg" alt="Anti-Hitler-Flyer" /><br />
[Bild vergrößern]</a><br />
Saarländer gegen Hitler: Ein Pro-&#8221;Status quo&#8221;-Flyer appelliert an die Vernunft mit erschreckend realistischen Warnungen.</p>
<p>Soviel auch zum Thema »Das hammir doch sellemols alles garnet gewisst!«.</p></div>
<p>Die neue Situation führt inzwischen auch bei Sozialdemokraten und Kommunisten zur Einsicht, dass ein Saarland unter Naziherrschaft in keiner Weise wünschenswert sein kann und sie schließen sich 1934 mit Hoffmanns Katholiken zur »Einheitsfront« zusammen. Kopf der Einheitsfront wird der erbitterte Hitler-Gegner und Sozialdemokrat Max Braun. Enthusiastisch und optimistisch verkündet er das neue Motto: »Wir schlagen Hitler an der Saar!« Besonders eifriger Kämpfer der saarländischen Kommunisten gegen den Wiederanschluss ist übrigens ein gewisser Erich Honecker.</p>
<h3>Nazis ziehen die Fäden</h3>
<div style="width:150px" class="bildrechts"><img id="image76" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/200-klein.jpg" alt="Deutsch ist die Saar" /><br />
Auch damals tat man schon mit <em>badges</em> und <em>buttons</em> seine politische Meinung kund.</div>
<p>Bereits ein Jahr zuvor haben sich die Pro-Anschluss-Parteien – also das katholische Zentrum, die Nationalsozialisten und die kleineren nationalen und liberalen Parteien – zur »Deutschen Front« (DF) zusammengeschlossen. Die Deutsche Front darf sich über massive Propaganda-Unterstützung aus dem Reich freuen. Obwohl die Nationalsozialistische Partei (NSDAP) im Vergleich zur Volkspartei »Zentrum« nur ein kleines Licht ist, übernimmt sie dank ihrer besten Connections zum Reich bald die inoffizielle Führungsrolle in der »Deutschen Front«. Nach außen tritt die DF jedoch mit einer bürgerlich-katholischen Führungsriege aus angesehehenen Unternehmern und Geistlichen auf. Von Berlin aus unterstützt der saarländische Nationalsozialist Heinrich Schneider die Aktionen der Deutschen Front (Schneider wird uns 20 Jahre später noch einmal begegnen &#8230;). </p>
<p>Das Leitmedium &#8220;Saarbrücker Zeitung&#8221; wird von Nazis unterwandert und zur Stimme der Deutschen Front umgebaut. Die ohnehin schon national angehauchten saarländischen Turn- und Gesangsvereine werden mit großzügigen Zuschüssen bedacht für sogenannte »Saarkundgebungen« – Massenspektakel der »vaterländischen Treue« – und für Vereinsfahrten ins Reich. Die Vereine erweisen sich dankbar, indem sie »unpatriotische« Mitglieder rauswerfen.</p>
<h3>Drei Vaterunser für das Vaterland</h3>
<p>Desweiteren kann die Deutsche Front auf zwei mächtige Unterstützer setzen: Die Kirche und der Stahlbaron. Der Völklinger Industrielle Herrmann Röchling hat in den vergangenen Jahren mit Hilfe von national gesinnten Kreditgebern aus dem Reich allen Übernahmeversuchen der Franzosen getrotzt. Nun setzt er massiv seine Arbeiter unter Druck und droht nach alter Tradition des Königs von Saarabien mit Entlassung bei politisch unliebsamen Äußerungen (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/58/folge-9-ubersinnliche-erscheinungen/">Folge 9 »Der König von Saarabien«</a>). Währenddessen fordert der Trierer Bischof Franz Rudolf Bornewasser, von der Angst getrieben mit dem Saarland den größten Teil seines Bistums zu verlieren, in einem Hirtenbrief seine Schäfchen auf, für den Anschluss an Deutschland zu stimmen. </p>
<p>Zwar wagen es die saarländischen Geistlichen nicht, ihrem Chef öffentlich zu widersprechen, dennoch gibt es auch vereinzelte Gottesdiener, die sich angesichts der Verbrechen Hitlers für den »Status quo« einsetzen. </p>
<p>Die Bischöfe im Reich setzen derweil auf die Kraft des Gebets: </p>
<blockquote><p>»Als deutsche Katholiken sind wir verpflichtet, für die Größe, die Wohlfahrt und den Frieden unseres Vaterlandes uns einzusetzen. Deshalb verordnen wir, dass an genanntem Sonntag in allen Kirchen nach dem allgemeinen Gebet 3 Vaterunser und Ave Maria mit den Gläubigen gebetet werden, um einen für unser deutsches Volk segensreichen Ausgang der Saarabstimmung zu erflehen.«</p></blockquote>
<p>Katholik Hoffmann setzt dagegen:</p>
<blockquote><p>»Wir wollen das Saarvolk nicht der brutalen und frivolen Gewalt Hitlers ausliefern. Zu diesem Regime uns zu bekennen, das den guten Namen Deutschlands schändet, täglich schändet, das lehnen wir ab mit aller Entschiedenheit.«</p></blockquote>
<p>Doch die Stimme der Vernunft hat es nicht leicht: Überall werden die »Status-Quoler« verspottet, geschnitten, ausgegrenzt und ausgeschlossen, beleidigt, als »Verräter« gebrandmarkt und mit »Abrechnung« nach der Abstimmung bedroht.</p>
<h3>Hitler auf Wahlkampf-Tour</h3>
<div style="width:190px" class="bildrechts"><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/appell.jpg" title="Treuekundgebung"><img id="image77" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/appell-klein.jpg" alt="Treuekundgebung" /><br />
[Bild vergrößern]</a><br />
Hitler weiß wie man eine fetzige Wahlkampf-Veranstaltung aufzieht.</div>
<p>Während die Franzosen das Interesse am Saarland anscheinend verloren haben, geht Hitler auf Wahlkampf-Tour. Zwar darf er nicht ins Saarland einreisen, inszeniert aber im Grenzgebiet »Treuekundgebung« genannte Massenspektakel speziell für die Saarländer. Höhepunkt ist die Treuekundgebung in Koblenz, zu der 200 000 Saarländer (= fast ein Viertel  der  Bevölkerung) in 56 Sonderzügen herangekarrt werden, um  ihrem künftigen Führer zuzujubeln. Wohl wissend, dass man die bieder-katholisch-konservativen Saarländer nicht mit martialischen »Blut und Boden«-Sprüchen und germanischem Mystik-Schmuh ködern kann, gibt sich Hitler ganz friedsam, lobt das Christentum und bezeichnet das Saarland als die  »einzige Territorialfrage zwischen Frankreich und Deutschland«.</p>
<blockquote><p>»Der Hitler, der jemals die Saar bekäme, bliebe an der Saargrenze nicht stehen, sondern mit dem Schlüssel der Ludwigskirche würde er den Versuch machen, in das Straßburger und Metzer Münster einzudringen.«<br />
<cite>Max Braun, saarländischer Chef-Sozialdemokrat</cite>
</p></blockquote>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge am 10. Juli: <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">»13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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