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	<title>sarrelibre.de &#187; 1815-1914</title>
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	<description>Geschichte &#038; Geschichten vom Land dazwischen</description>
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		<title>9. Übersinnliche Erscheinungen</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Jun 2006 05:41:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1815-1914]]></category>
		<category><![CDATA[Carl Ferdinand von Stumm]]></category>
		<category><![CDATA[Französische Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Madonna von Marpingen]]></category>
		<category><![CDATA[Personen]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Gemetzel findet statt. Die Jungfrau Maria erscheint. Und eine Hexenjagd beginnt &#8230;

Schaut auch mal im Saarland vorbei: die hl. Jungfrau Maria 
 Die feindselige Stimmung den Preußen gegenüber ändert sich allmählich: 1870 wird Saarbrücken von den Franzosen besetzt. In einem bis dato beispiellosen Gemetzel vor den Toren der Stadt, bei dem 7000 Menschen sterben, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Gemetzel findet statt. Die Jungfrau Maria erscheint. Und eine Hexenjagd beginnt &#8230;</strong><span id="more-58"></span></p>
<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image59" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/madonna.jpg" alt="Madonna von Marpingen" /><br />
Schaut auch mal im Saarland vorbei: die hl. Jungfrau Maria </div>
<p> Die feindselige Stimmung den Preußen gegenüber ändert sich allmählich: 1870 wird Saarbrücken von den Franzosen besetzt. In einem bis dato beispiellosen Gemetzel vor den Toren der Stadt, bei dem 7000 Menschen sterben, besiegt die preußische Armee schließlich das französische Heer. </p>
<h3>Es Schultze Kathrin</h3>
<p>Zum saarländischen Mythos wird dabei Katharine Weißgerber, genannt »Schultze Kathrin«. Die Saarbrücker Hausangestellte kümmert sich selbstlos um die Verwundeten auf beiden Seiten – eine gern erzählte Geschichte, um dem unbarmherzigen Massaker noch etwas Menschliches abzugewinnen.</p>
<p>Die Preußen werden von nun an als Schutztruppe vor den Franzosen gefeiert. Der Sieg über Frankreich und die darauf folgende Vereinigung der deutschen Staaten zu einem neuen Kaiserreich lässt den deutschnationalen Rausch auch ins Saarland schwappen. Der deutschsprachige Teil Lothringens und das Elsass werden dem deutschen Reich einverleibt und das Saarland liegt auf einmal wieder mitten in Deutschland (naja: fast). Der saarländischen Industrie, die sich jetzt Richtung Westen orientiert, gibt dies jedenfalls weiteren Auftrieb.</p>
<h3>Brutale Preußen gegen fromme Saarländer</h3>
<p>Doch es geht auch künftig nicht ohne Reibereien: 1876 erscheint im saarländischen Marpingen, glaubwürdigen Augenzeugenberichten zufolge, die heilige Jungfrau Maria höchstselbst. Täglich pilgern bis zu 20 000 Gläubige zur Stätte des Wunders. Wunderheilungen finden statt. Doch dem antikirchlich eingestellten Preußen ist die Frömmigkeit der tiefgläubigen Saarländer suspekt. Die preußische Regierung schickt Truppen nach Marpingen, um die Versammlungen aufzulösen. Die Soldaten vertreiben die Betenden mit aufgesetzem Bajonett und Kolbenschlägen, besetzen das Dorf, schütten die »Gnadenquelle« zu und riegeln die Erscheinungsstätte ab. Erst 1919, wenn die Preußen die Macht im Saarland wieder an die Franzosen abgeben, wird das Betreten der wundersamen Stätte wieder erlaubt sein.</p>
<h3>Der König von Saarabien</h3>
<p>Auch an der Lage der Arbeiter ändert sich nichts; sozialdemokratische Umtriebe werden nicht geduldet. Insbesondere Stahlbaron Carl Ferdinand von Stumm (genannt »der König von Saarabien«) veranstaltet eine Hexenjagd auf echte und vermeintliche Sozialdemokraten. Schon in einer Kneipe gesehen zu werden, in der eine unerwünschte Zeitung ausliegt, kann den Job kosten:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir entlassen jeden Arbeiter, der einem sozialdemokratischen Vereine beitritt, der eine sozialdemokratische Zeitung liest, oder der selbst ein Wirtshaus besucht, in dem sozialdemokratische Versammlungen abgehalten werden oder in dem ein sozialdemokratisches Blatt ausliegt.&#8221;<cite>Carl Ferdinand von Stumm 1880 vor dem deutschen Reichstag</cite></p></blockquote>
<p>Gleichzeitig begeistern sich die Saarländer für den deutschen Kaiser und das deutsche Reich. 1904 errichten die Städte Saarbrücken und St. Johann gar ein riesiges Reiterstandbild für den Kaiser. Das nationale Thema wird geboren. Es wird bis in die 1950er Jahre eine wichtige Rolle in dem kleinen Land spielen.</p>
<p><em><a href="http://www.gottesmutter.de">Â» Die Madonna von Marpingen is back und hat inzwischen eine eigene Homepage zwecks Online-Verehrung: www.gottesmutter.de Â»</a><br />
</em></p>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge am 19. Juni: <a href="http://www.sarrelibre.de/61/folge-10-ein-land-wird-geboren/">»Ein Land wird geboren«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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		<title>8. Die Saarländer entdecken das Bier</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jun 2006 07:17:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1815-1914]]></category>
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		<category><![CDATA[Zeitraum]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Saarländer reden auf einmal ganz anders und entdecken die Vorzüge der Hopfenkaltschale &#8230;

&#8230; werden immer häufiger nachgefragt: Produkte der »Bayrischen Brauerei zum Karlsberg« 
Mit der Industrialisierung explodiert die Bevölkerungszahl des Saarlandes. Hunderttausende von Einwanderern – nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus vielen anderen Ländern Europas – finden Arbeit in den Gruben und Hütten. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Saarländer reden auf einmal ganz anders und entdecken die Vorzüge der Hopfenkaltschale &#8230;</strong><span id="more-54"></span></p>
<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image55" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/HansiUrPils.jpg" alt="Hansi Urpils" /><br />
&#8230; werden immer häufiger nachgefragt: Produkte der »Bayrischen Brauerei zum Karlsberg« </div>
<p>Mit der Industrialisierung explodiert die Bevölkerungszahl des Saarlandes. Hunderttausende von Einwanderern – nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus vielen anderen Ländern Europas – finden Arbeit in den Gruben und Hütten. Malstatt-Burbach wird zur neuen Boomtown. Das Zwerg-Städtchen, das 1818 gerade mal 800 Einwohner zählt, vervierzigfacht (!) seine Einwohnerzahl innerhalb weniger Jahrzehnte auf 32 000 (Ironie der Geschichte: die Ex-Boomtown ist heute Saarlands Problemviertel Nummer 1).</p>
<p>Dennoch leben die meisten Saarländer weiterhin auf dem Land: Um von dem kargen Lohn ihre Familien durchzubringen, sind die Arbeiter nämlich gezwungen, nebenher noch Landwirtschaft zu betreiben. </p>
<p>Daneben hat der Bevölkerungszustrom noch zwei eher kuriose Folgen: </p>
<ol>
<li>Die Mundartgrenzen verschieben sich. Sprachen die Saarländer noch Anfang des 19. Jahrhunderts vorwiegend Moselfränkisch, so wird der Dialekt in der industriereichen Südhälfte des Landes vom Rheinfränkischen verdrängt. Gleichzeitig wird das einst protestantische Saarbrücken von katholischen Einwanderern aus der Pfalz, Luxemburg, dem Hunsrück und Lothringen überschwemmt. Saarbrücken ist jetzt – genau wie bereits das übrige Saarland – katholisch.</li>
<li>Die harte Arbeit in den Gruben und Hütten verlangt nach energie- und flüssigkeitsreichen Getränken: die Saarländer werden von Wein- zu Biertrinkern. In den meisten Teilen des Landes verschwinden die Weingärten, die so charakteristisch für die saarländische Hügellandschaft waren, und stattdessen schießen allenthalben die Brauereien aus dem Boden.</li>
</ol>
<p><em>Dann mal</em> Prost <em>und</em> À la votre <em>bis zur nächsten Folge am 12. Juni: <a href="http://www.sarrelibre.de/58/folge-9-ubersinnliche-erscheinungen/">»Übersinnliche Erscheinungen«</a></em><br />
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		<title>7. Die vergesslichen Franzosen</title>
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		<pubDate>Mon, 29 May 2006 06:20:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[1815-1914]]></category>
		<category><![CDATA[Napoleon]]></category>
		<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Preußen]]></category>
		<category><![CDATA[Stichworte]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitraum]]></category>

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		<description><![CDATA[
Die Saarländer bekommen Zugang zur Nordsee
Die Franzosen ziehen ab und vergessen jemanden. Und die neuen Herren an der Saar scheffeln reichlich Kohle &#8230; 
Nach Napoleons Niederlage beraten 1815 die Mächtigen über die neue Landkarte Europas: Erst einigt man sich darauf, das Saarland bei Frankreich zu belassen, bei neuen Verhandlungen muss Frankreich jedoch auf die Saar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts" style="width:150px"><img id="image53" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Brandung.PICT3724.jpg" alt="Meer" /><br />
Die Saarländer bekommen Zugang zur Nordsee</div>
<p><strong>Die Franzosen ziehen ab und vergessen jemanden. Und die neuen Herren an der Saar scheffeln reichlich Kohle &#8230; </strong><span id="more-52"></span></p>
<p>Nach Napoleons Niederlage beraten 1815 die Mächtigen über die neue Landkarte Europas: Erst einigt man sich darauf, das Saarland bei Frankreich zu belassen, bei neuen Verhandlungen muss Frankreich jedoch auf die Saar verzichten und bekommt dafür das Elsass und ein saarlandloses Lothringen. Die Einwohner der jeweiligen Länder werden natürlich nicht gefragt.  Dieser »Zweite Vertrag von Paris« ist ein weiterer Schritt zum Saarland, wie wir es heute kennen: Die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich verläuft jetzt nämlich erstmals dort, wo sie auch heute (wieder) ist. </p>
<h3>Ein Dorf auf der Grenze</h3>
<p>Doch die teilweise willkürlich erscheinende neue Grenzziehung sorgt für Irritationen: Ebenso überrascht wie entsetzt sind die Einwohner des Dorfes Leidingen darüber, dass die deutsch-französische Grenze nun mitten durch ihr Dorf verläuft. Doch nach der anfänglichen Verwirrung beschließen die Leidinger einfach die Grenze zu ignorieren und an ihrem gemeinsamen Dorfalltag festzuhalten. Erst 1939 wird auf der französischen Seite eine eigene Kirche eingeweiht werden – als bewusster Akt der Distanzierung von Nazi-Deutschland.</p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0" width="100%">
<tr>
<td valign="top">
<blockquote><small>»Am hällen Dach<br />
metten of da Gass<br />
han aich de Grenz gefonn.<br />
Wat hòtt dii dòò valooa<br />
valooa?«</small></p></blockquote>
</td>
<td valign="top">
<blockquote><small>Am helllichten Tag<br />
mitten auf der Straße<br />
hab ich die Grenze<br />
gefunden.<br />
Was hatte die da<br />
verloren?</small></p></blockquote>
</td>
<td valign="top">
<blockquote><small>En plein jour<br />
au beau milieu de la route<br />
j&#8217;ai trouvé<br />
la frontière.<br />
Qu&#8217;y avait-elle<br />
perdu?<br />
<cite>Alfred Gulden</cite></small></p></blockquote>
</td>
</tr>
</table>
<p>Die Franzosen ziehen also ab und das Saarland wird aufgeteilt zwischen den beiden deutschen Staaten Preußen und Bayern – bis auf einen winzigen Teil im Norden, der nun sozusagen einen Zugang zum Meer bekommt:  Die Grafschaft »Birkenfeld« wird nämlich als Enklave dem Großherzogtum Oldenburg zugesprochen. </p>
<p>Dabei darf man sich die damaligen deutschen Staaten nicht wie die heutigen Bundesländer vorstellen: Sie waren autonome Gebilde mit Zollgrenzen, bewachten Grenzübergängen, eigener Währung und sogar eigenen Maßen und Gewichten.</p>
<h3>Ein braver Franzmann</h3>
<div class="bildrechts" style="width:180px"><img id="image51" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/lacroix.jpg" alt="Soldat Lacroix" /><br />
Als Bronzemann hält Lacroix noch immer Wache in Saarlouis <small>(Foto: Stadtarchiv Saarlouis)</small></div>
<p>Auch Sarre-Louis wird nun erstmals deutsch. Beim Abzug aus der Festung vergessen die Franzosen allerdings einen ihrer Soldaten: Als die Preußen die Stadt übernehmen wollen, schiebt er weiterhin unverzagt Wache. Der Mann, der als »der brave Soldat Lacroix« in die Geschichte  (oder besser »in die Geschichten«) eingehen sollte, wird zunächst verhört. Doch es stellt sich schnell heraus, dass Meister Lacroix weder Spion noch Saboteur ist, sondern einfach eine Kombination aus Dienstbeflissenheit und schlichtem Gemüt. </p>
<p>Die Preußen sind von der Standhaftigkeit des Mannes derart beeindruckt, dass sie ihn mit Proviant, Pfeife und Tabak ausstatten, bis zur Grenze eskortieren und seinen abgezogenen Kameraden hinterherschicken. Die Sarrelouiser küren später den braven Franzmann zu ihrem Maskottchen und setzen ihm ein Denkmal.</p>
<h3>Adieu Sarre-libre!</h3>
<p>Während im bayrischen Teil des Saarlandes viele freiheitliche Errungenschaften der französischen Revolution beibehalten werden, ist es im preußischen Teil nun vorbei mit dem Sarre-libre. </p>
<p>Für Preußen ist das Saarland sowohl eine Goldgrube als auch wichtige Ressource für die Aufrüstung zur europäischen Militärmacht. Die bereits im 18. Jahrhundert begonnene Industrialisierung wird forciert, die Landesverwaltung und die Aufsicht über die Gruben preußischen Beamten unterstellt. </p>
<p>Die gigantischen Gewinne des reichen Landes fließen nach Berlin und in die Taschen der Stahlbarone, während die saarländischen Arbeiter in Armut leben. Aufkeimende Proteste und Streiks werden von den preußischen Truppen rücksichtslos unterdrückt. </p>
<p>Zum Erstaunen der bürgerlichen Presse engagieren sich auch die saarländischen Frauen im Kampf der Bergarbeiter:</p>
<blockquote><p>»Eine ganz neue Erscheinung in dem Ausstande ist die Betheiligung der Frauen.  (&#8230;) Es sind die reinsten Furien, alte und junge Mütter reizen Gatten und Söhne zum Ausstand an und entfalten eine agitatorische Thätigkeit, die ihres Gleichen sucht&#8230; Überall im ganzen Gebiete ziehen die Frauen jedes Alters mit in die Versammlungen und höhnen und schmähen in den gemeinsten Ausdrücken die arbeitswilligen Bergleute und deren Frauen«<br />
<cite>Kölnische Zeitung</cite></p></blockquote>
<p>Viele freiheitlich gesinnte Saarländer flüchten in den bayrischen Teil des Landes. Die Bayern werden nicht so sehr als Besatzer wahrgenommen (auch wenn die wirtschaftliche Situation der Arbeiter nicht besser ist) und noch heute wird auf Volksfesten im ehemaligen bayrischen Teil des Saarlandes gelegentlich die weiß-blaue Flagge gehisst.</p>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge am 5. Juni<a href="http://www.sarrelibre.de/54/folge-8-die-saarlander-entdecken-das-bier/"> »Die Saarländer entdecken das Bier«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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