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	<title>sarrelibre.de &#187; 1935</title>
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	<description>Geschichte &#038; Geschichten vom Land dazwischen</description>
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		<title>15. Wie Adolf Hitler für die Erfindung des Pfälzerwitzes sorgte.</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Aug 2006 21:02:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hitler bringt den Saarländern ein Geschenk mit und lässt die Pfälzer ins Land. Die Saarländer reagieren auf ihre eigene Weise &#8230;
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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hitler bringt den Saarländern ein Geschenk mit und lässt die Pfälzer ins Land. Die Saarländer reagieren auf ihre eigene Weise &#8230;</strong><span id="more-93"></span></p>
<p>Für die Dagebliebenen geht alles auf einmal ganz schnell: Bereits am 1. März 1935, wenige Wochen nach Verkündung des Abstimmungsergebnisses (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">Folge 12</a>), wird  das Saarland dem Deutschen Reich angeschlossen. Adolf Hitler und die gesamte Nazi-Führungsriege kommen nach Saarbrücken und lassen sich feiern. </p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image92" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/theater-saar-mini.jpg" alt="Saarbrücker Theater" /><br />
Hitlers Theater beherrscht noch heute das Stadtbild von Saarbrücken. Der 30er-Jahre-Stil ist zwar unverkennbar, erfreulicherweise verzichtete man jedoch auf Elemente faschistischer Monumental-Architektur</div>
<h3>Ein Geschenk des Führers</h3>
<p>Der Führer hat auch ein kleines Geschenk mitgebracht: Er lässt in Saarbrücken, als »Bollwerk der deutschen Kultur in der Westmark«, ein Theater errichten, das »Gautheater Saar-Pfalz«.  Und dieser Name deutet auch schon den nächsten Ärger an: Das Saarland bleibt zwar als Verwaltungseinheit erhalten, wird aber dem Gau Pfalz angeschlossen, und die Saarländer, für die der Anschluss an Deutschland immer gleichgesetzt war mit dem Ende von Fremdherrschaft, sehen sich ein weiteres Mal enttäuscht. </p>
<div class="bildbeschreibung"><img id="image98" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/sb_front-JPG.jpg" alt="Gautheater Saar-Pfalz 1938" /><br />
»Bollwerk der deutschen Kultur in der Westmark«: Das Gau-Theater Saar-Pfalz 1938</div>
<h3>Saarländer vs. Pfälzer</h3>
<p>Die Franzosen räumen ihre Posten in der Verwaltung des Landes und der Gruben und werden eben nicht von Saarländern ersetzt, sondern von – – Pfälzern. Im Saarland gibt es nämlich noch gar keine nationalsozialistische Infrastruktur (schließlich spielte die Nazi-Partei nie eine große Rolle an der Saar) und vielleicht trauen die Nazis den »Saarfranzosen«, trotz des eindeutigen Abstimmungsergebnisses, noch nicht so recht über den Weg. Jedenfalls sehen sich die Saarländer wieder mit neuen Fremdlingen, die ins Land kommen, konfrontiert und reagieren darauf mit einer der bedeutendsten kulturellen Leistungen, die das Land bis heute hervorgebracht hat: der Erfindung des Pfälzerwitzes.</p>
<h3>Witzischkeit kennt keine Grenzen &#8230;</h3>
<p>Ein Witz geht etwa so (behutsam eingedeutscht): </p>
<blockquote><p>»Haschd du schon gehehrt? Die wolle jetzt de Saarbrigger Stadtwald abholze?«<br />
»Ei fürwas das dann?«<br />
»Damit aach jeder Pälzer e Poschde kriet!«</p></blockquote>
<p>Ein anderer geht folgendermaßen (ebenfalls behutsam eingedeutscht): </p>
<blockquote><p>Der Ober: »Darf ich Ihnen einen Pfälzer (Wein) anbieten?«<br />
»Geh fort! Die Pälzer hann ich schon gefress. Dann muss ich se net ach noch trinke!«</p></blockquote>
<p>In jener Zeit wird auch der – freilich für Nicht-Saarländer vollkommen unlustige – Spruch geprägt »Uff die Bääm! Die Pälzer kumme!« (»Auf die Bäume! Die Pfälzer kommen!«)</p>
<p>Der Anschluss an Deutschland bringt schließlich den dritten Schritt zum Land wie wir es heute kennen mit sich: Es heißt nämlich nun ganz offiziell so, wie es schon seit längerem genannt wird und wie wir es hier stets nennen, nämlich »Saarland« (die ersten beiden Schritte waren: 1. Die Festlegung der deutsch-französischen Grenze 1815 [vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/52/folge-7-die-vergesslichen-franzosen/">Folge 7</a>] und 2. Abtrennung von Deutschland 1920  [vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/61/folge-10-ein-land-wird-geboren/">Folge 10</a>]).</p>
<p>Hitlers Theater wird übrigens nach dem Krieg noch eine wichtige Rolle spielen – freilich eine ganz andere als von seinem Erbauer geplant. Doch das soll Thema einer anderen Folge von sarrelibre.de sein  &#8230;<br />
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		<title>14. Saarländer auf der Flucht</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Aug 2006 10:53:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[13. Januar]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Kämpfer für ein freies Saarland fliehen vor der Rache der Nazis und erleben dabei einige Abenteuer &#8230;

Was hat das Borstenvieh mit der saarländischen Geschichte zu schaffen? Die Antwort steht weiter unten im Text &#8230;
Als am 13. Januar 1935 fast 90% der Saarländer für einen Anschluss an Nazi-Deutschland votieren (vgl. Folge 12), kommen sogleich Stimmen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Kämpfer für ein freies Saarland fliehen vor der Rache der Nazis und erleben dabei einige Abenteuer &#8230;</strong><span id="more-90"></span></p>
<div class="bildrechts" style="width:150px"><img id="image89" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/schwein-photocase818967281742.jpg" alt="Schwein" /><br />
Was hat das Borstenvieh mit der saarländischen Geschichte zu schaffen? Die Antwort steht weiter unten im Text &#8230;</div>
<p>Als am 13. Januar 1935 fast 90% der Saarländer für einen Anschluss an Nazi-Deutschland votieren (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">Folge 12</a>), kommen sogleich Stimmen auf, dass das Ergebnis in dieser Höhe nur gefälscht sein kann.</p>
<p>Doch die Frage, ob gefälscht oder nicht, ist eigentlich unwichtig, da die Wahl ohnehin keinen demokratischen Standards genügte: Das Recht auf freie Meinungsäußerung war nämlich praktisch außer Kraft gesetzt worden (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-%e2%80%93-nur-nicht-gleich/">Folge 11</a> und <a href="http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/">12</a>). Und diejenigen mutigen Männer (und auch Frauen) wie Max Braun oder Johannes Hoffmann, die sich dieses Recht trotzdem nicht haben nehmen lassen, müssen dafür mit der saarländischen Höchststrafe büßen: Sie müssen ihre Heimat verlassen. </p>
<p>Der für das Desaster mitschuldige Völkerbund hat sich immerhin bereits vorsorglich darum gekümmert, dass bei der Flucht alles mit Recht und Ordnung zugeht: Wohlwissend, dass bei einem Anschluss des Saarlandes an Deutschland der Terror ins Land einkehren würde, schließt er noch vor der Abstimmung einen Vertrag mit Deutschland ab, der jedem Saarländer 1 Jahr lang das Recht auf Ausreise zusichert.</p>
<h3>Flüchtlingslager für Saarländer</h3>
<p>Doch so lange warten die meisten gar nicht: Insgesamt ca. 8000 Saarländer verlassen, zum Teil von einem auf den anderen Tag, das Land – gar nicht mitgezählt die tausende von Flüchtlingen aus dem Reich, die zwischen 1933 und 1935 Zuflucht im Saarland gefunden haben, und nun weiterziehen müssen. Fast alle saarländischen Juden nutzen ihr »Ausreiserecht« im Laufe des Jahres 1935. </p>
<p>Max Braun gründet die »Beratungsstelle für Saarflüchtlinge« und kümmert sich darum, dass im französischen Forbach ein Auffanglager eingerichtet wird, in dem die Flüchtlinge ein erstes Unterkommen finden und mit Papieren ausgestattet werden.  Ein Grüppchen Saarflüchtlinge bleibt in Forbach und versucht von dort aus – einigermaßen erfolglos – den Widerstand gegen das Nazi-Regime im Saarland zu organisieren.<br />
Etliche Saarländer schließen sich der französischen Armee und später der <em>Resistance</em> an, während andere im spanischen Bürgerkrieg gegen das faschistische Regime kämpfen.</p>
<p>Doch nach Kriegsausbruch sind die flüchtigen Saarländer auch in Frankreich nicht mehr sicher. Nun müssen sie damit rechnen, von den Franzosen als feindliche Ausländer angesehen zu werden. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs wird der Boden endgültig zu heiß. Viele Saarländer werden von der deutschen Geheimpolizei (Gestapo) aufgespürt und verhaftet. Max Braun flieht nach England, wo er die Briten im deutschsprachigen Propagandafunk beim Kampf gegen die Nazis unterstützt. Braun stirbt 1947 in London, begraben wird er in Saarbrücken. Selbst nach seinem Tode soll Max Braun die Saarländer noch beschäftigen. Doch davon wird in einer späteren Folge zu erzählen sein &#8230;</p>
<h3>Der Chefredakteur als Schweinezüchter</h3>
<div class="bildrechts" style="width:150px"><img id="image94" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Johannes-Hoffmann-1941.jpg" alt="Johannes Hoffmann 1941" /><br />
Johannes Hoffmann 1941 (Foto der brasilianischen Einwanderungsbehörde)</div>
<p>Auch Johannes Hoffmann verlässt  noch im Januar 1935 Hals über Kopf das Saarland und lässt sich in Luxemburg nieder. Da er von den gelegentlichen Veröffentlichungen im »Luxemburger Wort« seine achtköpfige Familie nicht ernähren kann, pachtet der gelernte Journalist und ehemalige Chefredakteur einen Hof und widmet sich mehr schlecht als recht der Schweinezucht. Doch 1940 kommen die Nazis auch in Luxemburg an die Macht. Hoffmann flieht nach Paris, wo er für den deutschsprachigen Kanal des Staatsradios arbeitet. Seine Familie bleibt in Luxemburg. </p>
<p>Nach dem Überfall Deutschlands auf Frankreich packt die Franzosen die Furcht vor Spionen. Alle in Frankreich lebenden Deutschen werden festgenommen. Selbst der als Hitler-Gegner bekannte Johannes Hoffmann wird interniert. Hoffmann wird in ein Militärlager in der Bretagne verfrachtet, das schon bald an die deutschen Besatzungstruppen übergeben wird. Er weiß, wenn er hier nicht raus kommt, kann er die nächsten Jahre im Kerker versauern – und das auch nur, wenn er nicht schon vorher erschossen wird. </p>
<h3>Eine filmreife Odyssee</h3>
<div class="bildrechts" style="width:150px"><img id="image88" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/rio-j0403287.jpg" alt="Rio de Janeiro" /><br />
Brasilien – Zufluchtsort für viele Saarländer</div>
<p>Die nun folgende Odyssee ist filmreif: Mit einem Mitgefangenen entkommt Hoffmann aus dem Lager. Zu Fuß schlägt er sich, an den deutschen Patrouillen vorbei, quer durch das ganze Land in den unbesetzten Teil Frankreichs durch. Während die französischen Behörden nun mit den deutschen zusammenarbeiten, helfen ihm die einfachen Leute auf dem Lande bei der Flucht. In Südfrankreich angelangt, taucht er in einem Kloster des Oblaten-Ordens unter. Doch auch im unbesetzten Frankreich arbeitet die französische Polizei mit den Nazis zusammen (wie jeder weiß, der schon einmal »Casablanca« gesehen hat). Er muss also irgendwie raus aus dem Land.</p>
<p>Mit Hilfe von Freunden in Marseille und in der Schweiz verschafft sich Hoffmann eine neue Identität, ein Visum und eine Schiffsfahrkarte nach Brasilien – dem Land, das bereits im 19. Jahrhundert Tausenden von Auswanderern aus dem Saarland, dem Hunsrück und Luxemburg eine neue Heimat bot. Papst Pius XII sorgt für ein Transitvisum, der im Londoner Exil lebende tschechische Präsident Eduard Benes stellt einen neuen Pass aus. Ein gewisser Jan Jacub Hoffmann ist bald darauf auf dem Weg durch Frankreich und Spanien nach Lissabon, um rechtzeitig das Schiff in die Freiheit zu erreichen. Buchstäblich in letzter Minute erreicht er am 28. April 1941 den rettenden Dampfer gen Rio de Janeiro. Eine fast einjährige Odyssee ist zu Ende.</p>
<h3>Neue Ideen für das Saarland</h3>
<p>In Rio findet er Gastfreundschaft sowie einen Job als Butler im Haus des kanadischen Botschafters, den Hoffmann noch aus der Völkerbundszeit im Saarland kennt. Nach der Kapitulation der deutschen Armee 1945 gehört Johannes Hoffmann zu den ersten, die wieder ins Saarland zurückkehren. Doch das Wiedersehen  ist schmerzlich. Sein zweiter Sohn ist an der Front umgekommen, sein Heimatland ein rauchender Trümmerhaufen. Aus diesen Erlebnissen entwickelt Johannes Hoffmann seine ganz eigenen Vorstellungen, wie es mit dem Saarland weiter gehen soll. Welche das sind, erfahren wir in einer späteren Folge &#8230;</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3935731868/028-6935646-4950153?v=glance&#038;n=299956/zippozimmermann"><strong><em>Buchtipp:</em></strong><br />
Eine abenteuerliche Flucht durch Frankreich ins brasilianische Exil<br />
<strong>Johannes Hoffmann: »Am Rande des Hitlerkrieges«, Tagebuchblätter</strong><br />
Mit einer Karte des Fluchtweges und Anmerkungen von Heinrich Küppers</a> </p>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge: <a href="http://www.sarrelibre.de/93/15-wie-adolf-hitler-fur-die-erfindung-des-pfalzerwitzes-sorgte/">»Wie Adolf Hitler für die Erfindung des Pfälzerwitzes sorgte.«</a></em><strong>Ähnliche Artikel:</strong>
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		<title>12. Der 13. Januar: Der Tag als die Saarländer ziemlich dumm waren</title>
		<link>http://www.sarrelibre.de/78/12-der-13-januar-der-tag-als-die-saarlander-ziemlich-dumm-waren/</link>
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		<pubDate>Mon, 10 Jul 2006 05:18:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zippo Zimmermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
[Bild vergrößern]
Wer die Wahl hat, hat die Qual:
der Abstimmungszettel mit den 3 Möglichkeiten.
Die Augen der Welt sind auf das Saarland gerichtet. Musikalische Argumente werden aufgefahren. Psychoterror und Angst-Fahnen vermiesen die Laune. Und die Saarländer staunen über den  der ersten Blauhelm-Einsatz der Geschichte &#8230;
1935 steht das Saarland vor der Zerreißprobe:
– Anschluss an Deutschland, welches dummerweise [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts" style="width:140px"><a class="imagelink" href="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Wahlzettel-19351.jpg" title="Wahlzettel 1935"><img id="image81" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Wahlzettel-19351.thumbnail.jpg" alt="Wahlzettel 1935" /><br />
[Bild vergrößern]</a><br />
Wer die Wahl hat, hat die Qual:<br />
der Abstimmungszettel mit den 3 Möglichkeiten.</div>
<p><strong>Die Augen der Welt sind auf das Saarland gerichtet. Musikalische Argumente werden aufgefahren. Psychoterror und Angst-Fahnen vermiesen die Laune. Und die Saarländer staunen über den  der ersten Blauhelm-Einsatz der Geschichte &#8230;</strong><span id="more-78"></span></p>
<p>1935 steht das Saarland vor der Zerreißprobe:<br />
– Anschluss an Deutschland, welches dummerweise gerade zufällig von einem brutalen Diktator beherrscht wird.<br />
– Oder Weiterbestehen  (»Status quo«) der unbeliebten Völkerbundsherrschaft unter französischem Vorsitz (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-%e2%80%93-nur-nicht-gleich/">Folge 11 »Heim ins Reich – Nur nicht gleich!«</a>).</p>
<p>Hier noch einmal die Argumente der »Einheitsfront«, der Befürworter des Status Quo:</p>
<ol>
<li>Kein innen- und außenpolitischer Propaganda-Erfolg für Hitler durch die Zustimmung der Saarländer.</li>
<li>Keine Ausweitung von Hitlers Unrechtsregimes, das die grundlegendsten Menschen- und Freiheitsrechte mit den Füßen tritt, auf das Saarland.</li>
<li>Keine Legitimation für die weitere Ausdehnung des deutschen Reiches und der damit verbundenen Gefahr eines neuen Weltkrieges.</li>
<li>Das Saarland als freier Brückenkopf, von dem aus der Kampf gegen Hitler organisiert wird (zugegeben: ein wenig illusorisch dieser Wunsch, aber von Max Braun und Co. durchaus ernst gemeint)</li>
<li>Außerdem: Kein Anschluss an ein durch Wirtschaftskrise und Hyperinflation gebeuteltes Deutschland</li>
</ol>
<p>Die »Deutsche Front« (die Befürworter des Anschlusses) halten mit der folgenden Argumentation dagegen:</p>
<ol>
<li>Deutsch ist die Saar</li>
<li>Deutsch immerda</li>
<li>Und deutsch ist unseres Flusses Strand</li>
<li>Und ewig deutsch mein Heimatland</li>
<li>Mein Heimatla&#8230;ha&#8230;hand, mein Heimatland.</li>
</ol>
<div class="bildrechts" style="width:200px"><img id="image82" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/Fahnen-klein.gif" alt="Fahnenverkauf" /><br />
Saarländische Geschäftsleute erkennen die Zeichen der Zeit und verkaufen die derzeit so angesagten Wink-Elemente.<br />
Das Kaufhaus der Gebrüder Sinn hat offensichtlich sogar eine eigene Fahnen-Abteilung.</p>
<p>Die Sinns haben übrigens ihre ganz eigenen Gründe für den Anschluss zu werben: Sie haben nämlich ein fettes Gerichtsverfahren wegen Schmuggelei am Hals, das von den deutschen Gerichten natürlich nicht weiterverfolgt würde; die saarländisch-deutsche Grenze zu ignorieren gilt im Reich logischerweise nicht als Straf-, sondern als Heldentat &#8230;</p></div>
<p>Die Argumentation der »Deutschen Front« hat den entscheidenden Vorteil, dass sie sich zur Melodie des bei den Saarländern äußert populären Liedes »Glück auf, der Steiger kommt« singen lässt, während die Hymne der Gegenseite, Brechts »Haltet die Saar, Genossen!«, eine griffige <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hookline">Hookline</a> missen lässt (vgl. <a href="http://www.sarrelibre.de/70/11-heim-ins-reich-%e2%80%93-nur-nicht-gleich/">Folge 11 »Heim ins Reich – Nur nicht gleich!«</a>).</p>
<p>Doch noch ein weiteres Problem plagt die »Status-Quoler«: Der Völkerbund kann den Saarländern keine zweite Abstimmung nach dem Sturz Hitlers garantieren. Auch darüber, ob die Saarländer zukünftig selbst ihre Regierung wählen dürfen, hüllt man sich in der Genfer Völkerbunds-Zentrale in Schweigen.</p>
<h3>Angst-Fahnen und Psychoterror</h3>
<p>Kurz vor der Wahl erreicht der Psychoterror neue Dimensionen: Die Saarbrücker Zeitung fordert alle Saarländer auf, sich durch die Beflaggung ihrer Häuser öffentlich zu Deutschland zu bekennen. Als just an den Häusern von bekannt frankophilen Saarländern die größten Hakenkreuz-Flaggen wehen, kommt das Wort von den »Angst-Fahnen« auf. Gerüchte über »Schwarze Listen«, auf denen die Namen von »Vaterlandsverrätern« notiert sind,  machen die Runde. (Die Hakenkreuzflagge ist übrigens zu jener Zeit noch nicht das Gruselsymbol, das sie heute ist, sondern die offizielle Nationalflagge des Deutschen Reiches.)</p>
<p>Die Wahl-Kommission des Völkerbundes reagiert mit rührend hilflosen Aufforderungen zu mehr Fairness:</p>
<blockquote><p>»Die Propaganda, zu welcher jede Partei berechtigt ist, soll positiv sein, also vor allem die Gründe betonen, die zugunsten des eigenen Standpunktes sprechen, nicht aber darauf hinzielen, die anderen Parteien anzugreifen. Jedenfalls soll es unterlassen werden, die anderen Parteien in verächtlichem Tone zu behandeln und herabzusetzen. Ausdrücke wie &#8216;Landesverräter, Mordbande, Gesindel’ und dergl. können nicht geduldet werden.«</p></blockquote>
<h3>»Blauhelme« an der Saar</h3>
<p><img align="right" id="image84" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/wir-halten-die-saar.gif" alt="Wir halten die Saar" />Die Saar-Regierungskommission fürchtet, nicht mehr Herr der Lage zu werden und bittet den Völkerbund um Truppen-Unterstützung – der erste »Blauhelm«-Einsatz der Geschichte!</p>
<p>Unter dem neugierigen Staunen der Saarländer marschieren im Winter 1934 4000 Soldaten  aus Schweden, Großbritannien, Italien und den Niederlanden mitsamt Panzerfahrzeugen ins Saarland ein. Doch glücklicherweise kommt es nicht zur Konfrontation. Die »Blauhelme« vermeiden jeden Anschein von Besatzern und die Saarländer sind beeindruckt vom korrekten Verhalten der exotischen Fremdlinge: Gegenseitige Einladungen werden ausgesprochen, man veranstaltet »internationale« Fußballturniere.</p>
<p>Am 6. Januar 1935 finden die beiden letzten Großkundgebungen der beiden gegnerischen Parteien im Stadion Kieselhumes (Einheitsfront) und auf dem Sportplatz Wackenberg (Deutsche Front) statt – mit der Rekordbeteiligung von jeweils über 100.000 Teilnehmern. </p>
<h3>Im Brennpunkt der Weltöffentlichkeit</h3>
<p>Das einst beschauliche Saarbrücken ist nicht wiederzuerkennen: hunderte von Journalisten Fotografen, Filmteams aus der ganzen Welt tummeln sich in den Straßen, ergänzt durch patrouillierende Soldaten der internationalen Truppe. Vor dem Café Kiefer versammeln sich Scharen von Saar-Amerikanern auf der Suche nach einer Bleibe. Die Augen der Welt sind auf das Saarland gerichtet.</p>
<h3>»Erstes Gebot: Maul halten!«</h3>
<p><img align="right" id="image83" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/13-januar.gif" alt="13. Januar - Heim ins Reich" />Am Wintersonntag des 13. Januar des Jahres 1935 ist es dann so weit: Der Tag der Abstimmung. Die Saarländer karren alles was saarländisch ist und Beine hat (oder auch nicht) durch den Schneematsch zu den Wahllokalen. Tausende von Exil-Saarländern aus den USA reisen zur Abstimmung an. </p>
<p>Vor den Wahllokalen bilden sich lange Schlangen. Anhänger der deutschen Front halten Schilder hoch: »Erstes Gebot: Maul halten!« Tumulte oder Ausschreitungen könnten nämlich zur Ungültigkeit der Wahl führen. Journalisten und Filmteams wuseln um die Menschenschlangen. Immer wieder leuchten grell die Magnesium-Blitzlichter der Fotografen. Soldaten patrouillieren mit schussbereiten Waffen. Es kommt zu keinerlei Ausschreitungen. Die Wahl verläuft ruhig und geordnet.</p>
<h3>Hitler hört Radio</h3>
<p>Nach der Wahl werden die Urnen aus dem ganzen Land unter militärischer Bewachung in die Saarbrücker Wartburg zur Auszählung gebracht.</p>
<p>Die Verkündigung des Wahlergebnis am Morgen des 15. Januar ist dann wohl das erste politische Ereignis, dessen Ablauf durch die Medien bestimmt wird: Der schwedische Präsident der Wahlkommission darf die Zahlen nämlich erst verkünden, als alle Leitungen für die weltweite Live-Übertragung stehen. Auch Hitler selbst erfährt das Ergebnis erst aus dem Radio: Um Informationslecks auszuschalten wurden alle aus dem Saarland herausführenden Telefonleitungen gekappt. </p>
<p>Und so sieht’s aus:<br />
46.613 Saarländerinnen und Saarländer (8,87%) stimmten für den Beibehalt der Völkerbundsregierung (Status quo), 477.119 (90,73%) stimmten für die Vereinigung mit Deutschland und 2.124 (0,40%) für die Vereinigung mit Frankreich. Wahlbeteiligung: 97,88% (!). Wobei das Ergebnis ein leichtes  Südwest-Nordost-Gefälle hat: In den Städten an der französischen Grenze (Saarlouis und Saarbrücken) ist die Zustimmung für den Status Quo etwas höher, in den ländlichen Gebieten nahe der deutschen Grenze liegt dagegen die Zustimmung für den Anschluss bei nahezu 99%.</p>
<p>Wie auch immer:  Über 90% der Wahlberechtigten haben für Deutschland gestimmt und bereiten damit Hitler einen grandiosen Prestige-Erfolg und Image-Gewinn. Selbst für die glühendsten Nationalisten ist das Ergebnis eine Sensation. Die  Anhänger der »Einheitsfront« sind wie vor den Kopf geschlagen. Max Braun und Johannes Hoffmann sind sich sicher, dass das Ergebnis gefälscht sein muss. Braun verkündet noch am gleichen Tag: »Wir kämpfen weiter!« Ein Journalist im Publikum fragt: »Wieso? Wo? Womit?« </p>
<h3>»Ri, ra, ratsch – weg mit Statuts Quatsch!«</h3>
<p>Derweil kommen die Menschen in den Straßen zu spontanen Jubelfeiern zusammen. Auf dem Lande »beerdigen« Jugendliche mit »Matz Braun« und »Status Quo« beschriftete Strohpuppen und rufen »Ri, ra, ratsch – weg mit Statuts Quatsch!«. Die Regierungskommission teilt Max Braun und Johannes Hoffmann mit, dass sie für deren Sicherheit nicht mehr garantieren könne. </p>
<div class="bildrechts"><img id="image87" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/schild01mittel.jpg" alt="Strasse des 13. Januar" /><br />
Vom Schlachthof zur Polizeikaserne:<br />
Straße des 13. Januar<br />
<small>Foto: <a href="http://www.fragment.de/installationen/strasse_des_13_januar/strasse_des_13_januarhtml/strasse_des_13_januar.html">Mia Unverzagt</a></small></div>
<p>Die Regierung Deutschlands ordnet an, dass in den deutschen Städten »Saarlandstraßen« bzw. »Saarstraßen« zu benennen seien (falls Sie in einer wohnen sollten: jetzt wissen Sie warum sie so heißt). Außerdem werden in den saarländischen Städten je eine »Straße des 13. Januar« und ein »Befreiungsplatz« benannt.<br />
Die Saarbrücker »Straße des 13. Januar« heißt noch heute so. Sie führt vom Schlachthof zur Polizeikaserne.</p>
<p>15 Jahre lang war »Deutsch ist die Saar« praktisch das Credo der Saarländer und »Wir sind unterdrückt und fremdbeherrscht« ihre Selbstdefinition. 15 Jahre lang fieberten sie dem Tag der Abstimmung, dem Tag der Erlösung, entgegen, und den wollten sie sich weder von den Nazis noch den Nazi-Gegnern miesmachen lassen. Psychoterror, Gruppendruck und massive Propaganda-Unterstützung aus dem Reich taten ein übriges. Und dem Wort der Bischöfe zu widersprechen fiel den frommen Saarländern ohnehin nicht ein &#8230;</p>
<div class="bild"><img class="bildlinks" id="image117" src="http://www.sarrelibre.de/wp-content/uploads/tablett1935-3.jpg" alt="Tablett" />
<p><small>Tablett der damals in Ensheim ansässigen Gebr. Adt, gefertigt aus gelacktem Pappmaché, mit Hakenkreuz als aufgehende Sonne. Merchandising der frühesten Art &#8230;<br />
(Dank an Paul Glass)</small></p>
</div>
<p>Waren also über 90% der Saarländer Nazis? Sicher nicht. Sicher ist allerdings, dass über 90% der Saarländer ziemlich dumm waren. Das schöne kleine Land gerät so in die Fänge des brutalen Diktators Hitler. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf &#8230;</p>
<p>Am 13. Januar 1945 fliegen britische Bomber den letzten vernichtenden Angriff auf Saarbrücken, während die wenigen Einwohner, die noch in der geräumten Stadt geblieben sind, den zehnten Jahrestag der Abstimmung feiern. Ob sie einen Zusammenhang erkennen &#8230; ?</p>
<ul>
<li><a href="http://members.fortunecity.com/reisenge/SAAR/1935/1935b.htm">Bilder der internationalen Truppen im Saarland 1934 und 1935</a></li>
<li><a href="http://www.fragment.de/index.php?id=319&#038;L=de">Plakataktion der saarländischen Künstlerin Mia Unverzagt zur »Straße des 13. Januar«</a></li>
<li><a href="http://www.bild.t-online.de/BTO/sport/wm2006/aktuell/06/12/ballack-italien-shirt/ballack-italien-t-shirt.html">Anscheinend gibt es neuerdings wieder Flaggen-Pflicht:<br />
»Ganz Deutschland trägt Schwarz-Rot-Gold – außer Ballack«</a></li>
<li><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3935731760/028-7247118-3674911?v=glance&#038;n=299956/zippozimmermann">Buchtipp:<br />
<strong>»Hier spricht die Saar &#8211; Ein Land wird interviewt«</strong>,<br />
Die Volksabstimmung 1935 im Fokus der internationalen Presse.<br />
Drei Reportagen von Theodor Balk, Ilya Ehrenburg, Philippe Soupault,<br />
mit Fotos von Robert Capa</a></li>
</ul>
<p><em>Lesen Sie in der nächsten Folge: <a href="http://www.sarrelibre.de/85/13-die-cleveren-nachbarn-der-saarlander-teil-1/">»Die cleveren Nachbarn der Saarländer (Teil 1)«</a></em></p>
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